Eine grosse, klaffende, rot-schwarze Wunde, aus der binnen Sekunden das Leben herausgesickert sein musste.
Was stimmt an dieser Beschreibung (aus dem Hörbuch “Die Anstalt” von John Katzenbach) nicht? – Dasselbe wie an diesem Bild:
Ein grünes Verbotsschild? Das geht doch nicht! Der (man würde denken offensichtliche) Widerspruch zwischen Grün und Durchgestrichen sabotiert die Wirkung des Schildes, welches statt Gehorsam eher Verwirrung stiften dürfte. (Man könnte sich zum Beispiel fragen, ob es vielleicht darum geht, dass Nichtrauchen erlaubt ist?) Das Resultat: Die Nachricht kommt nur über Umwege ans Ziel. Wen wundert es da, dass mit dem roten Aufkleber die Unsicherheit beseitigt werden musste, damit auch jeder versteht: Es ist tatsächlich ein Verbot!
Auch der eingangs zitierte Text enthält einen solchen inneren Widerspruch, der die Wirkung der an sich drastischen Beschreibung bremst. Weiterlesen »
Ein anstrengender Tag liegt hinter mir. Daher heute einfach nochmals ein Fundstück. Die Ferien sind in dieser Hinsicht ja sehr ergiebig, weil es gerade in Tourismusgebieten immer wieder sprachliche Kuriositäten zu entdecken gibt. Man hat schliesslich viel mitzuteilen und will von allen verstanden werden. Diese Aufnahme hat hat mir Stefan zugeschickt (Danke!). Sie demonstriert die Abgründe, die sich auftun, wenn wir uns bei der Übersetzungsarbeit auf das Internet verlassen.
Das Beispiel zeigt auch, dass ein Satz eben mehr ist als eine Aneinanderreihung von Wörtern. Darum bedeutet Übersetzen auch mehr, als für eine Reihe von Wörtern ein jeweils gleichbedeutendes zu finden.
Übrigens: Auch die englische Version hat einen hohen Unterhaltungswert.
Es gibt verschiedene Gründe, einen Missgriff nicht einfach als “Fehler” oder als “falsch” zu bezeichnen. Und es gibt verschiedene Methoden, einen klaren kritischen Positionsbezug mehr oder weniger elegant zu umschiffen.
Blick.ch zitiert den Bischofsvikar des Bistums Chur mit einem Kommentar zur Anstellung eines Priesters, der sich über Jahre sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Auf die Frage, ob er vom Verhalten des Klosters enttäuscht sei, welches von den Übergriffen gewusst, das Bistum aber nicht informiert hatte, antwortet der Bischofsvikar:
Natürlich wäre es richtiger gewesen, man hätte uns darüber informiert.
Richtiger?
Was lässt sich aus dieser eigenartigen Steigerung von “richtig” folgern? – Dass es so, wie es gelaufen ist, auch richtig war, aber halt eben etwas weniger richtig. Vielleicht auch nur ein bisschen richtig oder durchschnittlich richtig. Auf jeden Fall aber auch richtig – und damit nicht falsch.
Es hat also niemand einen Fehler gemacht. Wir sind erleichtert. Weiterlesen »
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