6 Responses to “Das Gegenteil ist dasselbe.”

Comments

Read below or add a comment...

  1. Jonas Stutz-Kopetschny

    Hey Cla,
    eine tatsächlich überraschende und nicht wenig amüsante Entdeckung, sehr erfrischend und, trotz des eigentlich leicht bedrückenden Inhalts der Warnung, sehr unterhaltsam!
    Ich teile deine Meinung, dass die deutsche Sprache hier in diesem Zusammenhang nur zur zweitbesten Lösung greift. Nicht nur, weil das Wort “Leben” weniger unterbewusste Alarmsignale aussendet als das Wort “Tod” und somit als Warnung weniger Wirksamkeit zeigt. Vielmehr erfordert die Warnung “Lebensgefahr” einen Gedankenschritt mehr als die Warnung “Todesgefahr”. Hat man das “Leben” nämlich als Objekt der Gefahr erfasst, muss man erst noch die Schlussfolgerung ziehen, dass uns (bei Eintreffen der Situation, vor der gewarnt wird) nichts weniger als der Tod vor Augen steht. “Lebensgefahr” sagt uns schliesslich nichts mehr, als dass unser Leben in Gefahr ist. Aber in welcher Gefahr? In der Gefahr, langweilig zu werden? In der Gefahr, eintönig zu werden? In der Gefahr, vielleicht eingeschränkt zu werden? Da ist die “Todesgefahr” schon eindeutiger: der Tod droht. Einzig mögliche Schlussfolgerung: unser Leben ist in Gefahr, nicht mehr stattzufinden.
    Aber eben, vielleicht ist das uns Schweizern einfach zu direkt. Da hat die SBB sprachliches Einfühlungsvermögen gezeigt – danke!

  2. Heinz

    Spannede Beobachtung!

    Andere fragen sich zudem, weshalb man sich zwar in Lebensgefahr befinden kann, jedoch aus Todesgefahr gerettet wird (kann man jemanden aus der Lebensgefahr retten? Das klingt -zumindest in meinen Ohren- gewöhnungsbedürftig):
    http://www.gutefrage.net/frage/lebensgefahr-todesgefahr

    Einige Slawen unterhalten sich hier über die von Cla gestellte Frage hinsichtlich der slawischen Sprachen:
    http://verslaven.wordpress.com/2006/12/08/lebensgefahr/

    Und Latein scheint ambivalent zu sein (habe allerdings den Artikel nur grob überflogen):
    http://www.zeno.org/Georges-1910/A/Lebensgefahr

  3. @Jonas
    Danke. Ich sehe das genau gleich: Lebensgefahr verlangt einen Denkschritt mehr und wirkt darum verzögert. Dass du den SBB sprachliches Einfühlungsvermögen attestierst, spricht wiederum für deine Fähigkeit, stets das Positive zu sehen und zu betonen. ;-)

  4. @Heinz
    Danke für diese gehaltvollen Ergänzungen. Dass man jemanden kaum aus Lebensgefahr rettet, ist übrigens ein gewichtiges Argument dafür, dass Lebensgefahr und Todesgefahr keine Synonyme sind, also nicht dasselbe bedeuten – entgegen dem, was man beim ersten Blick auf die beiden Wörter erwarten würde (ich jedenfalls). Das erstaunt und wirft die sehr interessante Frage auf, in welcher Beziehung die beiden denn nun zueinander stehen: Ist das eine dem anderen untergeordnet? Ergänzen sie sich gegenseitig? Schliessen sie einander aus? Da springen ganz unerwartete Türen auf …

  5. Markus Schwitter

    Hier wie gewünscht die rumänische Variante, sie weicht allerdings kaum von der Ital-Version ab: pericol de moarte, also auch hier “Gefahr des Todes” (wörtlich)
    Überigens, ich bin bezüglich der Warnung mit dir einig Cla. Meiner Meinung handelt es sich hier um eine Art “sprachlicher Humanismus”, den Tod ist doch ein “grausames” Wort und der Mensch wird eben nicht gerne an seine Ende erinnert und schon gar nicht wärend seiner Zugreise.
    So stellt sich mir die Frage, ob es sich hier wirklich um sprachliches Einfühlungsvermögen handelt oder um die “verharmlosung” von Tatsachen zu gunsten des Fahrgastes?

  6. @Markus
    Besten Dank. Die rumänische Bestätigung überrascht mich nicht, macht den Punkt aber noch klarer.
    Deine Idee, dass die Lebensgefahr damit zu tun haben könnte, dass wir den Tod tabuisieren, finde ich sehr interessant. Das würde dann zum Schluss drängen, dass wir in Europa diesbezüglich fast einmalig zurückhaltend oder empfindlich sind. Das wäre mir sonst noch nicht aufgefallen…

Kommentieren