César Keiser: d Macht vom Dialäggt

Um die Sommerlöcher im Programm zu stopfen, haben die Archivare beim Schweizer Fernsehen offenbar tief gegraben. Dabei ist auch dieses Juwel des grossen Schweizer Kabarettisten César Keiser (1925 – 2007)  ans Tageslicht befördert worden. Mir war die Nummer bisher nicht bekannt: eine rasante Fahrt durch das Bermudadreieck der Schweizer Dialekte: Basel – Bern – Zürich. Und auch die Übersetzung ins Hochdeutsche fehlt nicht.

Hier gibt es noch mehr davon. (Aber erst nach Feierabend ansehen, gället!)

Wie wir uns verstehen: Sprache als Vereinbarung

Aus Korea hat mich dieses Foto erreicht (Danke, Simon!), das neben seinem Unterhaltungswert auch viel über die Funktionsweise unserer Sprache verrät, besonders unserer geschriebenen Sprache.

Dass der koreanische Schriftenmaler (oder wie auch immer der Gestalter dieser Tafel zu nennen ist) sich hier vertan hat, ist lustig, stellt uns aber als Touristen in Korea vor keinerlei Probleme. Nicht einmal Kopfzerbrechen ist nötig, um sofort zu verstehen, dass hier nicht ein Restdurdnt, sondern ein Restaurant zu finden ist. Für diese blitzschnelle Klärung gibt es verschiedene Gründe:

  • Es sind nur 2 von 10 Buchstaben falsch. Das Wort ist lange genug, dass wir von den korrekten Teilen das Ganze ableiten können.
  • Der gleiche Fehler kommt zweimal vor, es ist also eigentlich nur ein Fehler.
  • Das Piktogramm mit Messer und Gabel räumt alle Zweifel aus.
  • d sieht fast gleich aus wie a, das eigentlich hier stehen müsste.

Dem letzten Grund möchte ich noch etwas nachhängen. Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (2)

Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant. Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen hat es mir angetan. Eine ausgezeichnete Umgebung, um ein Buch fertigzulesen.

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest: im CaféDas Café ist vor allem deswegen geeignet, weil ich mich hier als Teil einer grösseren Geschichte erlebe. Wenn ich zuhause im Bett lese, bin ich einigermassen vom Leben um mich herum isoliert. Allein. Doch allein schreibt man keine grossen Geschichten. Geschichten ereignen sich zwischen Menschen. Und im Café sind Menschen, und ich bin mittendrin. Das erinnert mich daran, dass das Leben auch eine Geschichte ist, und die Geschichte, die ich gerade zu Ende lese, Teil dieser Geschichte. Die Grenzen zwischen literarischer Geschichte und Lebensgeschichte verschwimmen. Erfundenes und Reales sind nicht mehr klar zu unterscheiden. So muss Lesen sein!

Weitere Vorteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese: Weiterlesen:

Wie ich ein guter Zuhörer werde.

Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor?

Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten Tipps dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann.

Wie werde ich ein guter Zuhörer? Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt – weniger oft stelle als die nach dem guten Redner.

Um die enorm weite Frage etwas einzugrenzen, wende ich mich einmal mehr kurz der klassischen Rhetorik zu. Sie hat für den Redenanfang 3 Ziele definiert, die der Redner für die Gestaltung des Redeanfangs zu berücksichtigen hat. Er muss

  1. Interesse für sein Thema wecken, damit die Zuhörer neugierig und aufnahmebereit werden.
  2. das Wohlwollen der Zuhörer gewinnen, damit sie bereit sind, ihm – und gerade ihm – zuzuhören.
  3. den Hauptteil inhaltlich vorbereiten, also ins Thema einführen.

Diese 3 Ziele sind ein guter Ausgangspunkt für ein Profil des guten Zuhörers. Ein solcher ist

  1. wach und aufmerksam,
  2. dem Redner gegenüber offen und wohlwollend und
  3. am Thema interessiert.

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