Wenn die Unsicherheit des Redners seine Botschaft durchrauscht wie ein Störsender das Radioprogramm, dann kann sich das in ganz verschiedenen Formen zeigen. Zum Beispiel an nervigem bis ablöschendem Imponiergehabe. Oder an anderen sprachlichen Unarten, die sich einschleichen und von denen der Redner sich unbewusst Stabilität erhofft.
Selbstversicherung
Das kann er zum Beispiel machen, indem er sich gelegentlich (oder häufig) seiner selbst versichert und zwischen seinen Sätzen immer wieder einmal ein „Genau“ platziert. Dieses „Genau“ leistet keinen Beitrag an den Inhalt oder das Kommunikationsgeschehen, sondern ist ein reiner Selbstzuspruch. Wie wenn sich einer selbst auf die Schulter klopft (was – nebenbei gesagt – manchmal richtig gut tun kann). Mit einem solchen „Genau“ sagt der Redner zu sich selbst:
Genau, ich hab alles unter Kontrolle.
Genau, so hatte ich mir das gedacht.
Genau, ich bin noch voll auf Kurs.
Die böse Stiefmutter von Schneewittchen sagte wahrscheinlich auch „genau“, nachdem sie sich von ihrem Zauberspiegel einmal mehr hatte bestätigen lassen, dass sie weit und breit die Schönste war. Weiterlesen:
