2011: körperliche Unarten und die Leere am Ende des Buches

Eigentlich* mag ich keine Nabelschau.

Trotzdem wage ich einen kurzen Blick zurück ins letzte Blogjahr und lasse eine Handvoll Artikel Revue passieren. Ausgewählt habe ich jene Beiträge, die am meisten kommentiert wurden. Wobei ich eingestehen muss, dass sich die Kommentaraktivität auf verständlich.ch im bescheidenen Rahmen bewegt.

Wahrscheinlich bin ich zu wenig kontrovers.

Also einfach zu brav.

(Diese Einsicht wirft vielleicht noch einen Vorsatz für 2012 ab!)

Selbstsabotage durch körperliche Unarten

Den Auftakt macht der dritte Artikel meiner Serie über rhetorische Selbstsabotage. Es ging um die einfache Frage: Wie untergrabe ich meine eigene Wirkung und Glaubwürdigkeit? Dieser Artikel widmete sich ganz dem Aspekt “verräterische Körpersprache”. Ich jammerte über instabiles Stehen, ringende oder fehlplatzierte Hände und hektische Bühnenspaziergänge.

Doch schon kurz darauf hiess es: Genug gejammert! Weiterlesen:

Das Mit-Bindestrichen-sag-ich-es-in-einem-Wort-Prinzip

McDonald's-Werbung: Das Für-den-Mathespick-von-heute-lade-ich-dich-ein-Angebot.Die Formulierung auf diesem Plakat besteht aus zwei Wörtern.

Die unübersichtliche Bindestrichkette sieht zwar eigenartig aus, aber genau so muss man es machen (auch wenn die Werbung das Prinzip gezielt über die Schmerzgrenze führt):

Der Bindestrich dient dazu, die einzelnen Bauteile eines Wortes einfacher erkennbar und das Wort damit leichter lesbar zu machen.

Da es sich bei dem Monstrum um ein Hauptwort (Substantiv) handelt, sind zudem das erste sowie das letzte Element gross zu schreiben, ganz unabhängig davon, um welche Wortart es sich bei ihnen handelt.

Mehr über den Umgang mit dem Bindestrich und darüber, warum er eigentlicht Trennstrich heissen sollte, gibt’s hier.

Vorsicht: echter Kuchen!

Milka-Plakatwerbung: Die Schokolade mit echtem Kuchen drin.Warum bloss löst diese Versicherung, dass der verwendete Kuchen echt sei, in mir mehr Belustigung als Lust aus? – Und sogar eine Spur von Misstrauen kann ich in mir feststellen.

Könnte es daran liegen, dass das Selbstverständliche nicht überbetont werden will, weil es sonst plötzlich nicht mehr selbstverständlich, sondern vielmehr verdächtig erscheint?

 

 

Über Wörtergrenzen

Eine alltägliche Ursache für Missverständnisse liegt darin, dass wir die Grenzen zwischen Wörtern unterschiedlich ziehen.

Wie breit darf ein Bach sein und wann wird er zum Fluss?

Wie rot darf Orange sein, bevor es Rot wird? Oder wie gelb, bevor es Gelb wird?

Wie viele sind “einige” und wann werden sie “viele”? Oder gar “mega viele”?

Schild an der Tür eines Geschäfts: "Mittagspause bis 18 Uhr"Und wie lange darf eine Mittagspause dauern, dass man sie noch “Mittagspause” nennen darf?

Beinahe müssten wir von Glück reden, wenn wir einander überhaupt verstehen.

Mein Fotofundus sprachlicher Kuriositäten aus dem Alltag droht überzulaufen. Daher werde ich ihn in den nächsten Tagen mit einer Reihe bebilderter und wortkarger Artikel abbauen.

Das darf unterhalten und zum Schmunzeln anregen, verfolgt aber noch ein anderes Ziel: Im aufmerksamen Beobachten der sprachlichen “Ereignisse” mitten im Alltag liegen kostbare Lektionen für unsere eigene Kommunikation bereit. Sie  bieten uns zunächst einmal die Chance, aus den Fehler(che)n anderer zu lernen und daher nicht alle selbst machen zu müssen. Zusätzlich lädt uns jedes Fundstück dazu ein, uns über das Funktionieren und Nicht-Funktionieren sprachlicher Kommunikation Gedanken zu machen und so unsere Wahrnehmung und unsere Fähigkeiten auf einer grundsätzlichen Ebene auszubauen.

Leiten können mich dabei Fragen wie:

  • Was stimmt oder passt hier nicht?
  • Warum bringt mich das zum Lachen?
  • Warum trifft mich das?
  • Warum ist das missverständlich?