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	<title>verständlich &#187; Kommunikation</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>richtig – richtiger &#8211; am richtigsten</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Aug 2010 06:59:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Steigerung]]></category>
		<category><![CDATA[verbale Watte]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt verschiedene Gründe, einen Missgriff nicht einfach als &#8220;Fehler&#8221; oder als &#8220;falsch&#8221; zu bezeichnen. Und es gibt verschiedene Methoden, einen klaren kritischen Positionsbezug mehr oder weniger elegant zu umschiffen. Blick.ch zitiert den Bischofsvikar des Bistums Chur mit einem Kommentar zur Anstellung eines Priesters, der sich über Jahre  sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Auf die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt verschiedene Gründe, einen Missgriff nicht einfach als &#8220;Fehler&#8221; oder als &#8220;falsch&#8221; zu bezeichnen. Und es gibt <strong>verschiedene Methoden, einen klaren kritischen Positionsbezug mehr oder weniger elegant zu umschiffen.</strong></p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/richtiger.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-1449" title="richtiger" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/richtiger-300x291.png" alt="" width="300" height="291" /></a>Blick.ch zitiert den Bischofsvikar des Bistums Chur mit einem Kommentar zur Anstellung eines Priesters, der sich über Jahre  sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Auf die Frage, ob er vom Verhalten des Klosters enttäuscht sei, welches von den Übergriffen gewusst, das Bistum aber nicht informiert hatte, antwortet der Bischofsvikar:</p>
<blockquote><p>Natürlich wäre es richtiger gewesen, man hätte uns darüber informiert.</p></blockquote>
<p>Richtiger?</p>
<p>Was lässt sich aus dieser eigenartigen Steigerung von &#8220;richtig&#8221; folgern? – <strong>Dass es so, wie es gelaufen ist, auch richtig war, aber halt eben etwas weniger richtig.</strong> Vielleicht auch nur ein bisschen richtig oder durchschnittlich richtig. Auf jeden Fall aber auch richtig – und damit nicht falsch.</p>
<p>Es hat also niemand einen Fehler gemacht. Wir sind erleichtert.<span id="more-1448"></span></p>
<p>Hätte Casetti gesagt: &#8220;Natürlich wäre es richtig gewesen, man hätte uns darüber informiert&#8221;, dann hätte er damit ausgedrückt, dass das Vorgehen nicht richtig gewesen war. <strong>Und <em>nicht richtig</em> bedeutet <em>falsch.</em></strong></p>
<p>Aua.</p>
<p>Ich weiss nicht, ob er das nicht sagen wollte oder konnte oder durfte. Doch sicher wäre es die angemessene Art gewesen, von solchem Versagen zu sprechen.</p>
<p>Und die korrekte. Denn &#8220;richtiger&#8221; ist ja eigentlich eine ziemlich widersinnige Verlegenheitssteigerung. Das wird spätestens dann klar, wenn man die ganze Steigerungsfolge ansieht:</p>
<p>richtig – richtiger – am richtigsten</p>
<p>In der Schule war ich wiederholt mit meinen Lehrern aneinandergeraten, weil sie partout nicht einsehen wollten, dass ich wenn auch nicht die richtigste, so doch immerhin eine richtige Lösung vorgelegt hatte. Jedenfalls sicher eine richtigere als manch anderer in meiner Klasse. Doch es half alles nichts: Für sie war immer nur das Beste (also das Richtigste) gut genug.</p>
<p><strong>Wer <em>richtig</em> steigert, begeht Selbstwiderspruch.</strong> Das Wort trägt in sich einen radikalen Kontrastwert, der ausser Schwarz und Weiss nichts zulässt. Wer &#8220;richtig&#8221; sagt, sagt darum meistens auch &#8220;falsch&#8221; – wenn auch nicht explizit. Die Äusserung des Bischofsvikars zeigt dies: Hätte er &#8220;richtig&#8221; gesagt (statt &#8220;richtiger&#8221;), wäre daraus auch deutlich &#8220;falsch&#8221; zu hören gewesen.<em> Richtig</em> und <em>falsch</em> bilden ein unzertrennliches Paar, das es sich an den gegenüberliegenden Enden eines langen Tisches bequem gemacht hat und nicht voneinander lassen will. <strong><em>Richtig</em> und <em>falsch</em> sind Gegenteile, zwischen denen keine Grautöne liegen.</strong> (Ganz anders zum Beispiel als <em>gross</em> und <em>klein</em>.) Genau diese Grautöne sind es jedoch, die bei einer Steigerung ausgedrückt werden.</p>
<p>Dank an Roman für die Anregung zu diesem Beitrag.</p>

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		<title>Wie wir uns verstehen: Sprache als Vereinbarung</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/07/23/wie-wir-uns-verstehen-sprache-als-vereinbarung/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 09:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstaben]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Korea]]></category>
		<category><![CDATA[Piktogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Schrift]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftzeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus Korea hat mich dieses Foto erreicht (Danke, Simon!), das neben seinem Unterhaltungswert auch viel über die Funktionsweise unserer Sprache verrät, besonders unserer geschriebenen Sprache. Dass der koreanische Schriftenmaler (oder wie auch immer der Gestalter dieser Tafel zu nennen ist) sich hier vertan hat, ist lustig, stellt uns aber als Touristen in Korea vor keinerlei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/korea-restdurdnt-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1370" title="Restdurdnt in Korea" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/korea-restdurdnt-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Aus Korea hat mich dieses Foto erreicht (Danke, Simon!), das neben seinem Unterhaltungswert auch <strong>viel über die Funktionsweise unserer Sprache verrät</strong>, besonders unserer geschriebenen Sprache.</p>
<p>Dass der koreanische Schriftenmaler (oder wie auch immer der Gestalter dieser Tafel zu nennen ist) sich hier vertan hat, ist lustig, stellt uns aber als Touristen in Korea vor keinerlei Probleme. <strong>Nicht einmal Kopfzerbrechen ist nötig, um sofort zu verstehen, dass hier nicht ein Restdurdnt, sondern ein Restaurant zu finden ist.</strong> Für diese blitzschnelle Klärung gibt es verschiedene Gründe:</p>
<ul>
<li>Es sind nur 2 von 10 Buchstaben falsch. Das Wort ist lange genug, dass wir von den korrekten Teilen das Ganze ableiten können.</li>
<li>Der gleiche Fehler kommt zweimal vor, es ist also eigentlich nur ein Fehler.</li>
<li>Das Piktogramm mit Messer und Gabel räumt alle Zweifel aus.</li>
<li><em>d</em> sieht fast gleich aus wie <em>a</em>, das eigentlich hier stehen müsste.</li>
</ul>
<p>Dem letzten Grund möchte ich noch etwas nachhängen.<span id="more-1369"></span></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000EOUKCU?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000EOUKCU"><img class="alignright" style="border: 0pt none;" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/51GokXXFnSL._SL160_.jpg" border="0" alt="" width="113" height="160" /></a>Als vor acht oder so Jahren die Komödie &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000EOUKCU?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000EOUKCU" target="_blank">My Big Fat Greek Wedding</a>&#8221; in den Kinos lief, wurde in der Typografie auf den Plakaten mit dem gleichen Effekt gespielt. Dort hiess es: MY BIG FAT GRΣΣK WEDDING. Das E wurde mit dem griechischen Σ ersetzt. Dies allein aufgrund der optischen Ähnlichkeit, denn Σ steht für einen s-Laut. Ein für Griechisch Sprechende etwas irritierender Effekt. (Aus zuverlässiger Quelle weiss ich jedoch, dass das nicht der Grund dafür war, dass die Griechen an dem Film keine Freude hatten. Er war einfach zu nahe an der Wirklichkeit.)</p>
<p>Die Ähnlichkeit zwischen <em>a</em> und <em>d</em> ist sicher auch der Grund für den Fehler. <strong>Der Gestalter hat sich einfach vertan, als er die für ihn fremden Buchstaben ihrer Form nach erkennen musste.</strong> Mir ginge es genau gleich, müsste ich koreanisch schreiben. Wenn ich mir die Schriftzeichen über dem Restdurdnteingdng ansehe, sehe ich keine Buchstaben, sondern Kombinationen von Strichen, Kreisen und Bögen. Müsste ich sie kopieren, wären Fehler sehr wahrscheinlich. Mir bliebe nämlich nichts anderes übrig, als hochkonzentriert Strich um Strich möglichst präzise nachzumalen. Ganz anders mit &#8220;meinem&#8221; Alphabet. Da weiss ich genau, worauf es bei jedem Zeichen ankommt und welchen Spielraum ich für meine persönliche Handschrift habe. (Manchmal reize ich diesen Spielraum allerdings etwas aus.) In meiner eigenen Schrift ist mir überhaupt nicht mehr bewusst, was mir das Nachmalen unvertrauter Schriftzeichen deutlich zu spüren gibt: <strong>Buchstaben sind Zeichnungen.</strong></p>
<p>Buchstaben beruhen auf willkürlichen Beziehungen (zwischen einem Zeichen und dem Laut, für den es steht), auf welche die Sprachbenützer sich geeinigt haben. Der Vergleich zwischen <em>Restdurdnt</em> und dem Piktogramm auf dem Foto macht das fassbar: <strong>Beide &#8220;Zeichen&#8221; sagen dasselbe. Das eine jedoch beruht auf Ähnlichkeit mit der realen Umgebung, das andere auf Vereinbarungen der Sprachbenutzer.</strong> Wer diese Vereinbarungen nicht kennt, hat und ist verloren. Die koreanischen Zeichen im Bild vermitteln genau dieses Gefühl: Ganz egal, wie konzentriert ich sie betrachte, ihre Bedeutung ist für mich nicht abzuleiten.</p>
<p>Was bedeutet das für den Sprachgebrauch im Alltag? <strong>Wir können einander nur verstehen, wenn wir uns nach den gleichen Vereinbarungen richten. </strong>Das können die gleichen Buchstaben und Laute sein, genauso aber auch die gleichen Wörter. Entscheide ich mich aus einer Laune heraus, heute einmal <em>i</em> durch <em>u</em> zu ersetzen und somit <em>Tisch</em> als <em>Tusch</em> aus- und <em>Kinder</em> als <em>Kunder</em> anzusprechen, dann wird das meinen Kommunikationserfolge schmerzhaft reduzieren. Wenn ich dazu noch aus dem <em>T</em> ein <em>N</em> mache oder aus dem <em>M</em> ein <em>O,</em> wird die Verständigung noch schwieriger und irgendwann unmöglich.</p>
<p><strong>Wer verstanden werden will, muss sich an Konventionen halten:</strong> Buchstaben, die verstanden werden; Wörter, die verstanden werden; Sätze, die verstanden werden; Abschnitte und Texte, die verstanden werden.</p>
<p>Λ &lt; &lt; £ §   I&lt; &lt; Λ ® ?</p>
<p>Λ &lt; &lt; £ §   K &lt; Λ ® ?</p>
<p>Λ L L £ §   K L Λ ® ?</p>
<p>Λ L L £ S   K L Λ ® ?</p>
<p>A L L E S   K L A R ?</p>

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		<item>
		<title>Wie ich ein guter Zuhörer werde.</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 08:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Dracula]]></category>
		<category><![CDATA[Frankenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Orientteppiche]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[zuhören]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor? Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten Tipps dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann. Wie werde ich ein guter Zuhörer? Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor?</p></blockquote>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1337" title="Der perfekte   Zuhörer" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten <a href="http://verstaendlich.ch/2010/05/07/publikumswirksame-selbstsabotage/">Tipps</a> dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann.</p>
<p><strong>Wie werde ich ein guter Zuhörer? </strong>Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt – weniger oft stelle als die nach dem guten Redner.</p>
<p>Um die enorm weite Frage etwas einzugrenzen, wende ich mich einmal mehr kurz der klassischen Rhetorik zu. Sie hat für den Redenanfang 3 Ziele definiert, die der Redner für die Gestaltung des Redeanfangs zu berücksichtigen hat. Er muss</p>
<ol>
<li>Interesse für sein Thema wecken, damit die Zuhörer neugierig und  aufnahmebereit werden.</li>
<li>das Wohlwollen der Zuhörer gewinnen, damit sie bereit sind, ihm –  und <em>gerade</em> ihm – zuzuhören.</li>
<li>den Hauptteil inhaltlich vorbereiten, also ins Thema einführen.</li>
</ol>
<p>Diese 3 Ziele sind ein guter Ausgangspunkt für ein <strong>Profil des guten Zuhörers</strong>. Ein solcher ist</p>
<ol>
<li><strong>wach und aufmerksam,</strong></li>
<li><strong>dem Redner gegenüber offen und wohlwollend und<br />
</strong></li>
<li><strong>am Thema interessiert.</strong></li>
</ol>
<p><span id="more-1333"></span>Gut, ein schlafendes oder zumindest dösendes Publikum kann auch entspannend wirken und die Redeangst verfliegen lassen, aber gewöhnlich wünsche ich mir als Redner doch, dass meine Worte auf wache Ohren stossen. Doch wie zeige ich – im Publikum sitzend und in meinen Ausdrucksmöglichkeiten auf meinen Körper beschränkt – dass ich wach und aufmerksam bin? Sicher nicht, indem ich mehr horizontal als vertikal in meinem Sessel hänge. <strong>Eine aufrechte Haltung und angmessene Körperspannung zeigen, dass ich in Erwartungsposition bin, dass ich ganz hier bin.</strong> <strong>Das wichtigste Signalwerkzeug des Zuhörers jedoch sind die Augen.</strong> Hier kommt die Wachheit am klarsten zum Ausdruck. Also entscheide ich mich für einen solch wachen Blick und gegen die dämmernden Schlafzimmeraugen. Ein guter Redner pflegt intensiven Augenkontakt mit seinem Publikum. Dabei will ich ihm begegnen und ihm etwas zurückgeben. Wenn ich rede, suche ich mir gezielt solche Menschen im Publikum, weil sie mich motivieren und inspirieren. Und wenn ich Zuhörer bin, dann will ich vom Redner im Publikum als solche Person entdeckt werden.</p>
<p>Wir lieben Schubladen. Auch Vorurteile sind Schubladen – Schubladen mit unendlich viel Platz in Schubladenmöbeln, die unendlich erweiterbar sind. Wenn ich einen sehe, für den ich noch keine Schublade habe, dann eröffne ich einfach eine neue. So einfach geht das! Auch beim Zuhören zeigt sich dieser Hang zum Etikettieren: Meine Güte, die Krawatte! Meine Güte, der hat nicht einmal eine Krawatte an! Meine Güte, der hat eine Krawatte an! – Es gibt 100o Gründe, jemandem mit Vorbehalt zu begegnen. Ich rede aber lieber vor Menschen, die mir gegenüber offen und unvoreingenommen sind. <strong>Und ein solcher Zuhörer möchte ich auch sein. Nicht nur unvoreingenommen, sondern wohlwollend, also positiv voreingenommen.</strong> Dazu muss ich bereit sein, mir etwas sagen zu lassen, mich vom Gedanken verabschieden, eh alles besser zu wissen. Dieser Gedanke ist die beste Voraussetzung dafür, nichts dazuzulernen. Und zwar eben nicht, weil ich eh schon alles weiss, sondern weil ich zu blockiert bin, etwas Neues aufzunehmen. <strong>Und wo findet diese Offenheit ihren Ausdruck? – In einem Lächeln (und natürlich auch in den Augen).<br />
</strong></p>
<p>Auch fehlendes Interesse kann meine Lernfähigkeit reduzieren oder gar vernichten. Dabei bin ich der Meinung, <strong>dass man sich wirklich für alles interessieren kann, wenn man will. </strong>Natürlich ist das viel einfacher, wenn ich einem Referat über mein Lieblingsthema lauschen darf. Wenn es zum Beispiel darum geht, ob Dracula einen Kampf gegen Frankensteins Monster gewinnen könnte (was natürlich absoluter Blödsinn ist, Frankensteins Monster wäre der sichere Sieger), dann bin ich ganz Ohr, voll aufnahmefähig – und der Referent wird mir das auch ansehen. Anders jedoch, wenn ich zu einer Weiterbildung über die verschiedenen Knüpftechniken von Orientteppichen gezwungen werde. Mein natürliches Interesse ist hier eher gering. Deshalb habe ich aber noch lange nicht verloren. Es braucht einfach etwas mehr, um in den Zustand echten Interesses zu geraten. <strong>Dazu befasse ich mich schon im Voraus mit dem Thema und überlege mir einige Fragen. </strong>(Das heisst nicht, dass ich ein Buch über Orientteppiche lese. Ich schalte einfach mein Hirn ein und denke mich etwas in das Gebiet hinein.)<strong><br />
</strong></p>
<ul>
<li>Zum Beispiel könnte mich interessieren, wie man den Wert eines geerbten Teppichs bestimmt.</li>
<li>Oder wie lange das Knüpfen eines Quadratmeters Teppich dauert.</li>
<li>Oder 0b Teppichmuster sich an traditionellen Motiven orientieren oder einfach Lust und Launen des Knüpfers folgen.</li>
<li>Oder wie Orienttepppiche zu ihrem guten Ruf gekommen sind, während kein Mensch sich für die Teppichknüpfkunst des Zürcher Oberlandes interessiert.</li>
</ul>
<p><strong>So werde ich zu einem aktiven Zuhörer</strong>, der die präsentierten Informationen laufend verarbeitet. Und natürlich sieht mir das der Redner an.</p>
<p>Eine reizvolle und gedankenerweiternde Hirnübung kann darin bestehen, eine Brücke zu schlagen vom scheinbar uninteressanten Thema zu einem &#8220;meiner&#8221; Themen. Allenfalls bringen Erkenntnisse über das Teppichknüpfen mich der Antwort auf die monumentale Frage näher, ob Dracula Frankensteins Monster besiegen könnte. Würde es einen Vorteil für einen der Kämpfer bedeuten, wenn die Begegnung auf einem Teppich stattfindet?</p>
<p>Und das Beste zum Schluss. Die Frage nach dem guten Zuhörer ist in zwei Schritten ganz schnell zu beantworten:</p>
<ol>
<li><strong>Welche Zuhörer sind mir die liebsten, wenn ich rede?</strong></li>
<li><strong>Was macht mich zu einem solchen Zuhörer?</strong></li>
</ol>
<p>Und übrigens: Es ist durchaus erlaubt, dieses Prinzip auch auf ganz normale Gespräche anzuwenden. Dazu brauche ich keinen grossen Auftritt.<strong><br />
</strong></p>

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		<item>
		<title>Wer sagt, was er meint, wird verstanden.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/03/26/wer-sagt-was-er-meint-wird-verstanden/</link>
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		<pubDate>Fri, 26 Mar 2010 17:04:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[verbale Watte]]></category>
		<category><![CDATA[Weichmacher]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Tagen erreichte mich per E-Mail die Einladung zu einem Anlass über Jugend und Kultur. Und siehe da, aus einem einfachen Mail ergab sich eine Lektion darüber, dass der verstanden wird, der sagt, was er meint &#8211; auch (oder gerade) dann, wenn der, der ihn versteht, sich einreden möchte, ihn missverstanden zu haben. Klingt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen erreichte mich per E-Mail die Einladung zu einem Anlass über Jugend und Kultur. Und siehe da, aus einem einfachen Mail ergab sich eine Lektion darüber, dass der verstanden wird, der sagt, was er meint &#8211; auch (oder gerade) dann, wenn der, der ihn versteht, sich einreden möchte, ihn missverstanden zu haben.</p>
<p>Klingt kompliziert? Dann also zur Fallstudie. Am letzten Samstag hatte ich dieses Mail in der Inbox:</p>
<blockquote><p>Vielleicht kommt dieses E-Mail mehrmals, dafür Entschuldigung, aber es ist mir wichtig.</p>
<p>Zum Abschluss des Kulturfestivals werden an einer Podiumsdiskussion Lösungsansätze zum Thema gesucht &#8220;Wie jungen Menschen Kultur näher bringen?&#8221;</p>
<p>[...]</p>
<p>Hier wird sich vielleicht an der Teilnehmerzahl zeigen, ob überhaupt Interesse besteht, dass jungen Menschen Kultur näher gebracht wird. Ich hoffe, dass dies möglichst viele interessiert. Grosse Bitte: Sagt es allen weiter, welche daran mitwirken könnten, sei es als Eltern, Lehrer oder Politiker. Es gibt genügend Platz im grossen Saal [...]</p></blockquote>
<p><span id="more-1143"></span>Mich hat gefreut, wie man <strong>aus diesen Zeilen das Engagement des Verfassers herausspürt.</strong> Eine solche Einladung bewegt &#8211; da ist es nicht ganz so einfach, mal schnell die Delete-Taste zu drücken. Besonders die Vermutung, dass sich an der Teilnehmerzahl das allgemeine Interesse ablesen lasse, bewegte mich. <strong>Etwas unbequem war sie, irritierend wie eine Fischgräte im Hals. Aber gerade deswegen wirkungsvoll in der Kommunikation.</strong></p>
<p>Offenbar sahen es aber nicht alle Empfänger so.</p>
<p>Drei Tage später folgte ein weiteres E-Mail desselben Absenders:</p>
<blockquote><p>Jemand hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass  mein Satz, Grösse des Interesses am Thema werde sich in der Besucherzahl  spiegeln, missverstanden werden könnte.</p>
<p>Ich wollte  natürlich nicht aussagen, dass, wer nicht hinkommt, kein Interesse am  Thema habe. Es gibt viele valable Gründe dafür verhindert zu sein. Und  man kann Jugend und Kultur auch auf andere Art fördern. Aber statistisch  gesehen sagt eine grosse Besucherzahl natürlich sehr wohl etwas über  das Interesse aus. Es ist ein Unterschied, ob 3% oder 6% der  Angeschriebenen den Anlass besuchen. Und wenn Sie persönlich nicht  kommen können, aber möchten, dann geben Sie den Tipp ja ohnehin weiter.</p></blockquote>
<p>Da war der Verfasser der Einladung wohl zu weit gegangen. <strong>Ein anmassender Gedanke, dass das Interesse am Thema einer Veranstaltung in einer </strong><strong>Beziehung zur Besucherzahl stehen könnte.</strong> (Hier könnte ich nun ein <a href="http://verstaendlich.ch/2010/01/28/sarcmark-eine-sagenhafte-idee/">Sarcmark</a> setzen und hätte damit einen Teil der $ 1.99 bereits amortisiert.) Nein, das ist wirklich zu weit hergeholt. Auch dass <strong><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/verbale_watte_web.jpg"><img class="alignleft size-medium  wp-image-1145" title="verbale_watte_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/verbale_watte_web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a></strong>beispielsweise unsere Kirchen leer bleiben, hat nichts mit mangelndem Interesse zu tun. Die meisten Leute, die nicht da sind, sind schlicht verhindert. Aus &#8220;valablen Gründen&#8221;. Wahrscheinlich liegt der Termin für den durchschnittlichen Gottesdienst einfach ungünstig. Da können sich die Kirchenarbeiter ja trösten.</p>
<p>Der Anlass zu Jugend und Kultur findet am Sonntagabend statt, und da verlässt der Schweizer seine gute Stube wohl nur ungern. Der populärste &#8220;valable Grund&#8221;, so würde ich vermuten, wird wohl so formuliert: &#8220;Soll ich am Sonntagabend wirklich noch raus aus der gemütlichen Stube? Und den Krimi verpassen?&#8221;</p>
<p>Ich habe dem Einlader zurückgeschrieben:</p>
<blockquote><p>Ich fand den Hinweis, dass das Interesse am Thema sich an der Besucherzahl zeige, ebenfalls irritierend &#8211; aber gerade deswegen passend und mutig. <strong>In Watte gepackte verbale Freundlichkeiten, die nichts bewegen (weder innen noch aussen), haben wir in unserer Alltagskommunikation schon mehr als genug.</strong></p></blockquote>
<p>Natürlich geht es überhaupt nicht darum, dass der scheinbar verfängliche Satz missverstanden werden könnte. <strong>Es geht hier nicht um Missverständnisse, sondern darum, dass klare und zugespitzte Kommunikation Reaktionen hervorruft.</strong> Und genau das soll sie ja auch.</p>
<p>Ausserdem: Die Behauptung, der Zusammenhang zwischen Besucherzahl und Interesse sei nicht zwingend, ist schlicht ein Witz. Ich gebe ja zu: Nicht jeder, der will, kann auch. Aber die meisten, die wollen, können. Und die meisten, die nicht &#8220;können&#8221;, wollen auch nicht.</p>
<p>Und von denen, die sich mit jedem Satz angegriffen fühlen, der nicht sorgfältig in <em>könnte</em>, <em>würde</em>, <em>möchte</em> und <em>dürfte</em> eingepackt ist, lasse ich mir die <strong>Lust am klaren Reden und Schreiben</strong> sicher nicht vermiesen. Und der Einlader hoffentlich auch nicht.</p>

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		<title>Kommunikation: mehr als originell</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/03/12/kommunikation-mehr-als-originell/</link>
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		<pubDate>Fri, 12 Mar 2010 14:41:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Piktogramme]]></category>
		<category><![CDATA[Witz]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieser Beitrag schmerzt mich schon, bevor ich ihn geschrieben habe. Denn eigentlich liebe ich Kreativität, und ich finde, unser Alltag ist nun wirklich nicht überfüllt von Originalität und fröhlichen Ausbrüchen kreativer Kraft. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass es für beinahe alles einen angemessenen Ort und eine angemessene Zeit gibt. Vor dieser Tafel habe ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Beitrag schmerzt mich schon, bevor ich ihn geschrieben habe. Denn eigentlich liebe ich Kreativität, und ich finde, unser Alltag ist nun wirklich nicht überfüllt von Originalität und fröhlichen Ausbrüchen kreativer Kraft.</p>
<p>Gleichzeitig bin ich der Meinung, <strong>dass es für beinahe alles einen angemessenen Ort und eine angemessene Zeit gibt.</strong></p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/thalwiler_reinheitsgebote.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-1121" title="Spielplatz-Reinheitsgebote" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/thalwiler_reinheitsgebote-300x233.jpg" alt="" width="300" height="233" /></a>Vor dieser Tafel habe ich einige Minuten verbracht. Ich wurde hin- und hergerissen. Auf der einen Seite sind da originelle Formulierungen, die ich im Kontext einer Verbotstafel nicht erwartet hätte und die mich zum Lächeln brachten. Auf der anderen Seite beschäftigt mich ja konstant die Frage: Wird um mich herum angemessen und wirkungsvoll kommuniziert? Und das scheint mir hier nicht der Fall zu sein.</p>
<p>Einfach und kurz gesagt: Es ist zu viel des Guten.</p>
<p>Und das Viele, das da ist, scheint mir zudem reichlich unstrukturiert.</p>
<p>Die drei eigentlichen &#8220;Reinheitsgebote&#8221; rechts werden mit durchaus witzigen Sätzen eingeleitet. <strong>Ja, witzig sind sie, dadurch aber auch schwer verständlich.</strong> Wer nicht deutscher Muttersprache ist, dürfte es schwer haben, das Sprachspiel um die <em>Geschäftsbedingungen</em> nachzuvollziehen. Er könnte stattdessen auf die Idee kommen, vor der Benützung (so nennen wir Schweizer die hochdeutsche <em>Benutzung</em>) des Spielplatzes sei ein mehrseitiges Dokument zu studieren und unterzeichnet mit vier Durchschlägen auf der Gemeindeverwaltung abzugeben.</p>
<p><span id="more-1120"></span>Die Absicht hinter dem zweiten Gebot ist unklar. Das einzige Stichwort ist <em>Recycling</em>. Was wird nun von mir als Spielplatzbenützer erwartet? Dass ich meinen Abfall, der nicht in den normalen Müll gehört, wieder nach Hause trage und dann artgerecht entsorge? Oder stehen irgendwo Recyclingcontainer bereit? Mir bleibt ein Fragezeichen.</p>
<p>Ich liebe Piktogramme. Diese hier wirken jedoch wie Fremdkörper. Das untere bezieht sich auf die erste der drei Regeln. Gleichzeitig widerspricht es der zweiten, weil eine Flasche im Abfalleimer landet, anstatt in der Glassammlung ihre vorläufige Ruhestätte zu finden. Das obere Piktogramm bring ein ganz neues Thema auf, denn rechts steht nichts von Hunden. Weshalb nicht? Dazu hätte sich doch auch ein origineller Satz finden lassen.</p>
<p>Und dann der Spielverderber: &#8220;Benützung auf eigene Gefahr.&#8221; Ich vermute, dass dieser Satz aus rechtlichen Gründen auch noch Platz finden musste. Und auch hier fehlt nun jeder Witz. Dabei gäbe es der Möglichkeiten genug (ich lasse mich auf das kleine Gedankenspiel ein, obwohl ich finde, dass diese Sätze hier der Kommunikation eher im Weg stehen):</p>
<blockquote><p>Fallen Sie nicht auf den Kopf!</p></blockquote>
<p>Oder:</p>
<blockquote><p>Hals und Beinbruch beim Spielen!</p></blockquote>
<p>Einfach und etwas länger als eingangs gesagt: <strong>Diese Tafel macht es dem Leser nicht leicht. </strong>Es als Leser nicht ganz leicht zu haben, kann eine prickelnde Erfahrung sein, wenn man ein Gedicht oder einen Roman oder ein Theaterstück oder ein anderes Stück Literatur liest. Nicht aber, wenn es um die Gebrauchsanweisung zu einem Kinderspielplatz geht. Hier muss es schnell und einfach gehen. Die Anweisungen sind nicht zugänglich genug. <strong>Wer dieses Schild entworfen hat, hat nicht (oder zu wenig) vom Empfänger der Botschaft her gedacht.</strong></p>
<p>Nein, ich jammere nicht über den Sprachzerfall. Ich will jedoch, wo ich kann, etwas dazulernen für mein eigenes Kommunizieren. Und wenn Fehler anderer für mich zu einer Lektion werden können, dann freue ich mich darüber, dass ich nicht jeden Fehler selbst machen muss.</p>
<p>Ausserdem unterstreiche ich nochmals meine innere Zerrissenheit (und bitte um einen Hauch Mitgefühl). Die Tafel löst in mir gemischte Gefühle aus: Ich freue mich ehrlich über die Originalität und den Mut, die hier spürbar sind. Aber <strong>mit Originalität allein macht man keine Kommunikation.</strong></p>

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		<title>Sprache gestalten &#8211; auf allen Ebenen</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/03/05/sprache-gestalten-auf-allen-ebenen/</link>
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		<pubDate>Fri, 05 Mar 2010 16:54:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachgestaltung]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute ist mir ein Satz begegnet, der mir zu denken gegeben hat: Er schafft aus Chaos Ordnung. Aufgefallen ist mir die Reihenfolge der Wörter. Reden und Schreiben sind Gestaltungsvorgänge. Wir gestalten mit den Wörtern, die wir verwenden. Doch kommt es nicht nur auf die Wahl der Wörter an, sondern auch auf ihre Reihenfolge. A. Er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/woerter_reihenfolge_web.jpg"><img class="size-medium wp-image-1106 alignright" style="width: 300px; height: 225px;" title="woerter_reihenfolge_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/woerter_reihenfolge_web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Heute ist mir ein Satz begegnet, der mir zu denken gegeben hat:</p>
<blockquote><p>Er schafft aus Chaos Ordnung.</p></blockquote>
<p>Aufgefallen ist mir die Reihenfolge der Wörter. <strong>Reden und Schreiben sind Gestaltungsvorgänge. </strong>Wir gestalten mit den Wörtern, die wir verwenden. Doch kommt es nicht nur auf die Wahl der Wörter an, sondern auch auf ihre Reihenfolge.</p>
<blockquote><p>A. Er schafft aus Chaos Ordnung.</p>
<p>B. Er schafft Ordnung aus Chaos.</p></blockquote>
<p>Beide Sätze sagen auf den ersten Blick dasselbe aus. Auf den zweiten Blick jedoch nicht mehr. Je nachdem, wo ich meinen Akzent setzen möchte, wähle ich die eine oder die andere Wortfolge.<span id="more-1105"></span></p>
<p>Die erste Aussage, die ich in Variante B wahrnehme, lautet:</p>
<blockquote><p>Er schafft Ordnung.</p></blockquote>
<p><em>Ordnung schaffen</em> wird so zum Kern meiner Aussage. Und genau darum wird es in vielen Fällen gehen, in denen dieser Satz erscheint.</p>
<p>Anders in Variante A:</p>
<blockquote><p>Er schafft aus Chaos Ordnung.</p></blockquote>
<p>Hier geht der <em>Ordnung </em>das <em>Chaos </em>voran &#8211; was dem zeitlichen Ablauf des Satzinhaltes entspricht: erst Chaos, dann Ordnung. Sollte dieser zeitliche Ablauf wichtig sein, wäre diese Formulierung angemessener. Andererseits lässt sich auch argumentieren, dass die zweite Variante <em>Ordnung </em>ans Ende stellt und ihr somit eine prominente Position einräumt. Was von diesem Satz nachhallt – falls er alleine steht oder ihm eine angemessene Pause folgt – ist diese Ordnung.</p>
<p>Der Hörer oder Leser nimmt solche Nuancen natürlich nicht bewusst wahr. Eine Wirkung haben sie dennoch. <strong>Die Gestaltung von Sprache umfasst eine riesige Palette an kreativen Möglichkeiten, deren Wirkung sich unter der Oberfläche unseres Denkens entfalten.</strong> Eine mitreissender Text verdankt seine Qualität mindestens im gleichen Mass dieser Wirkung wie seinem interessanten Inhalt.</p>
<p>Bei solchen Gestaltungsmöglichkeiten und -entscheidungen geht es nicht um die grundsätzliche Frage nach richtig oder falsch. Vor dem Hintergrund des Anliegens eines Schreibers oder Redners kann eine gewählte Formulierung jedoch durchaus richtig oder falsch sein; richtig dann, wenn sie meine Botschaft verstärkt, falsch, wenn sie das nicht tut oder ihr sogar widerspricht.</p>
<p>Wenn ich also den Prozess vom Chaos zur Ordnung mit Wörtern ausmahlen will, dann werde ich eher sagen</p>
<blockquote><p>Er schafft aus Chaos Ordnung</p></blockquote>
<p>als</p>
<blockquote><p>Der Ordnung geht das Chaos voran. (Wie ich es weiter oben formuliert habe. Der Satz widerspricht sich selbst, weil er genau das Gegenteil von dem tut, was er sagt.)</p></blockquote>
<p><strong>Sprache gestalten bedeutet nicht nur, die richtigen Worte zu finden. </strong>Es kann auch bedeuten, sie in die beste Reihenfolge zu setzen. Auf jeden Fall aber bedeutet es,<strong> sorgfältig vorzugehen und alle Register zu ziehen, um meiner Botschaft auf allen Ebenen zum Durchbruch zu verhelfen.</strong></p>

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		<title>SarcMark: eine sagenhafte Idee!</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/01/28/sarcmark-eine-sagenhafte-idee/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 08:27:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Ironie]]></category>
		<category><![CDATA[SarcMark]]></category>
		<category><![CDATA[Sarkasmus]]></category>

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		<description><![CDATA[Missverständnisse gehören zur Kommunikation wie die übergekochte Milch in die Küche. Es kommt einfach vor. Manchmal haben solche Verdrehungen damit zu tun, dass einer besonders originell sein will und nicht sagt, was er meint, sondern das Gegenteil davon. So zum Beispiel: Vielen Dank, dass du mir das Dossier &#8220;Kundenzufriedenheit&#8221; herübergeschoben hast. Da ich chronisch zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/sarcmark_web.jpg"><img class="size-full wp-image-1004 alignright" title="sarcmark" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/sarcmark_web.jpg" alt="sarcmark" width="454" height="341" /></a>Missverständnisse gehören zur Kommunikation wie die übergekochte Milch in die Küche. Es kommt einfach vor. Manchmal haben solche Verdrehungen damit zu tun, dass einer besonders originell sein will und nicht sagt, was er meint, sondern das Gegenteil davon. So zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Vielen Dank, dass du mir das Dossier &#8220;Kundenzufriedenheit&#8221; herübergeschoben hast. Da ich chronisch zu wenig Arbeit habe, macht mich diese zusätzliche Herausforderung richtig glücklich.</p></blockquote>
<p>Wenn der Empfänger dieser Nachricht den Biss nicht spürt, freut er sich womöglich aufrichtig mit seinem Kollegen und legt bereits die nächsten Dossiers in die Pipeline, um dessen Euphorie noch zu steigern.</p>
<p>Aus dieser grossen Not heraus wurde das <a href="http://02d9656.netsoljsp.com/SarcMark/modules/user/commonfiles/loadhome.do" target="_blank">SarcMark</a> entwickelt. Es ist ein unansehnlicher Kringel mit einem Punkt in der Mitte und soll dazu dienen, sarkastische Äusserungen in E-Mails unmissverständlich als sarkastisch zu kennzeichnen.</p>
<p>Echt?</p>
<p>Genau das habe ich mich auch gefragt. Und jetzt muss ich anfügen: ja, ganz echt.</p>
<p>Bestimmt ist das die blödeste Idee, die mir in diesem (immerhin noch jungen) Jahr über den Weg geraten ist. Wozu, bitte schön, soll denn so etwas gut sein?</p>
<p><span id="more-1000"></span>Eine erste Antwort ist einfach: Der frustrierte (weil ständig missverstandene) Spötter kann sich das SarcMark herunterladen und in den Zeichensatz seines Systems integrieren. Es kostet $ 1.99. Diese 1.99 sind die erste Antwort, wozu das Ding gut sein soll. (Es kommt halt darauf an, aus welcher Warte man die Lage beurteilt.)</p>
<p>Ansonsten sage ich ganz frei von Sarkasmus: &#8220;Unnötig&#8221; ist der harmloseste Kommentar, der mir dazu einfällt. Oder dann: eine grandiose Idee! Weshalb ist nicht schon längst jemand darauf gekommen? Ich, zum Beispiel? (Am Ende dieses Satzes könnte ich nun das SarcMark setzen, damit auch wirklich jeder merkt &#8230;)</p>
<p>Sarkasmus ist eine besonders spitze Form der Ironie. Und darüber, dass Ironie tückisch sein kann, habe ich hier ja schon wiederholt geschrieben. (Ein Klick auf den Ironie-Tag unten führt zu den Artikeln.) Ironie ist ein rhetorisches Stilmittel, das effektvoll sein kann, dessen Einsatz aber ein beträchtliches Risiko mit sich bringt. Es ist das grösste Risiko überhaupt für jeden, der etwas mitteilen will: das Risiko, nicht verstanden zu werden.</p>
<p>Dasselbe gilt für den Sarkasmus. Ironie und Sarkasmus sind daher elitäre Kommunikationsmittel. Wer sie einsetzt, nimmt in Kauf, dass ein Teil seiner Zuhörer oder Leser die verdrehte Aussage nicht entschlüsselt und ihn daher (in dieser Teilaussage) nicht versteht. Das muss für die Gesamtbotschaft nicht tragisch sein, da sie den Gehalt einer ironischen Äusserung in der Regel auch unverschlüsselt enthält. Die wichtigsten Inhalte meiner Botschaft sage ich ja wiederholt.</p>
<p>Wer sich ironisch oder sarkastisch äussert, geht ein Risiko ein. Dieses Risiko ist Teil der Verwendung dieser Stilmittel &#8211; und ihre Wirkung hängt mit diesem Risiko zusammen. Eine sarkastische Äusserung, die mit einem speziellen Zeichen als sarkastisch markiert wird, verliert deshalb einen beträchtlichen Teil ihrer Wirkung. Wer also das Risiko scheut, falsch verstanden zu werden, sollte sich einfach bemühen, so zu reden und zu schreiben, dass dieses Risiko möglichst klein bleibt. Das bedeutet dann aber den Verzicht auf Ironie und Sarkasmus.</p>
<p>Das Leben ist schon hart.</p>
<p>Dieser Verzicht kann durchaus angemessen sein. Die leidige SarcMark-Geschichte wurde ja angeblich durch E-Mail-Missverständnisse ausgelöst. (Ich glaube eher, dass jemand Geld verdienen will, ohne zu arbeiten.) Und in einem E-Mail haben Ironie und Sarkasmus in der Regel tatsächlich nichts verloren. Das Risiko falsch verstanden zu werden scheint mir unverhältnismässig gross, weil ich keine Ahnung habe, wie mein Gegenüber reagiert. Ironische Bemerkungen in E-Mails kommen für mich daher nur bei einer kleinen Schar von Kontakten in Frage. Das sind Menschen, die mich gut genug kennen, um den Code zu entschlüsseln oder bei denen ich immerhin weiss, dass sie nachfragen, wenn sie bei einer Formulierung unsicher sind. In jedem Fall gilt: Die Verantwortung für eine Kommunikation, die wegen Ironie oder Sarkasmus fehlgeleitet wurde, liegt zu 100% beim Sender und zu 0% beim Leser oder Hörer. Wer das Risiko eingeht, hat auch die Konsequenzen zu tragen.</p>
<p>Angemessener können Ironie und Sarkasmus dort sein, wo sich Dialogpartner direkt gegenüberstehen; in einem persönlichen Gespräch also &#8211; oder in einer klassischen Redesituation. Der Redner beobachtet sein Publikum ja ganz genau und ist damit auch fähig, Verunsicherung wahrzunehmen und darauf zu reagieren, indem er eine ironische Äusserung ausdrücklich entschlüsselt. Das macht dann zwar einen Teil des Effektes kaputt, aber die Gefahr des Missverständnisses ist immerhin gebannt &#8211; Ähnlich wie mit dem SarcMark. Und ich kann mir durchaus Szenarien vorstellen, in denen dieser in Watte gepackte Sarkasmus zum Einsatz kommen dürfte. Doch brauchen wir dazu das SarcMark? Smileys und Anführungszeichen erfüllen denselben Zweck absolut zuverlässig.</p>
<p>Auch auf meinem Blog würde ich Ironie und Sarkasmus übrigens niemals einsetzen. Dafür sind meine Leser einfach zu einfältig.</p>

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		<title>&#8220;Man&#8221; sagt nicht, was ich meine.</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 13:27:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Blähsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Distanz]]></category>

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		<description><![CDATA[In einem E-Mail hat Ändu mir eine Frage gestellt, die ich hier gerne aufnehme: Wenn ich sage: „Me muess luege, dass eim keini Fähler passiere“, dann ist das zwar korrektes Berndeutsch, doch will ich das schriftlich festhalten, kommt es mir sehr „undeutsch“ vor, wenn ich schreibe „man muss schauen, dass einem keine Fehler passieren“. Wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem E-Mail hat <a href="http://aendustories.blogspot.com" target="_blank">Ändu</a> mir eine Frage gestellt, die ich hier gerne aufnehme:</p>
<blockquote><p>Wenn ich sage: „Me muess luege, dass eim keini Fähler passiere“, dann ist das zwar korrektes Berndeutsch, doch will ich das schriftlich festhalten, kommt es mir sehr „undeutsch“ vor, wenn ich schreibe „man muss schauen, dass einem keine Fehler passieren“. Wie weit kann diese Redensart ins Schriftdeutsche übertragen werden? Gibt es sie da überhaupt, oder ist diese Satzzusammenstellung nur in der gesprochenen Sprache anwendbar? Was gibt es für Möglichkeiten, diese Formulierung zu vermeiden? In meinem Beispiel wäre es ja möglich zu schreiben „Man muss schauen, dass man keine Fehler macht“, oder „&#8230;keine Fehler zu machen“; aber manchmal ist es nicht ganz so einfach.</p></blockquote>
<p>Ich lasse da zunächst einmal mein Sprachgefühl antworten: &#8220;Man muss schauen&#8221; wird sicher verstanden, ist aber ebenso sicher kein besonders gediegenes Deutsch. Eine elegantere Variante wäre: &#8220;Man sollte darauf achten, keine Fehler zu machen.&#8221;* Doch was heisst bei einem solchen Satz schon &#8220;elegant&#8221;? Da stimmt nämlich noch anderes nicht. Ändu schreibt weiter:</p>
<blockquote><p><span id="more-976"></span>Was ich daran besonders interessant finde ist, dass mir dieses Problem häufig beim Schreiben schriftlicher Arbeiten begegnet. [Ändu ist Theologiestudent] Irgendwie ist es hilfreich, die „man“-Form zu gebrauchen, um verallgemeinerte Glaubensaussagen zu formulieren. Aber auch, um persönliche Aufforderungen unpersönlich zu verpacken (z. B.: „Man muss beten, damit Gott einem begegnen kann“). Leider wird dadurch aber meistens der Inhalt abgeschwächt, weil man ja nicht recht weiss, wer „man“ eigentlich ist, und ob Gott, wenn er „einem“ begegnet, auch „mir“ persönlich begegnen will&#8230;</p></blockquote>
<p><em>Man </em>ist ein Problem. Die Verlockung, Aussagen an einem unpersönlichen <em>Man</em> aufzuhängen, ist einfach zu gross. Es geht einem viel leichter von den Lippen oder von der Tastatur als ein <em>Du</em>, ein <em>Wir </em>oder gar ein <em>Ich</em>. <em>Man </em>ist damit ein klassischer sprachlicher Distanzerzeuger, der den bewegendsten Appell zu einer sterilen Feststellung degradieren kann. Am besten wäre es darum, wenn man ganz auf <em>man </em>verzichten würde. Das heisst: <em>Sie </em>sollten darauf verzichten, <em>Du </em>solltest darauf verzichten, <em>ich </em>sowieso und auch Ändu ist gut beraten, das unpersönliche <em>Man </em>in Zukunft zu ersetzen. Denn wie er ganz richtig schreibt, erweist es uns einen Bärendienst: Es lässt sich einerseits leicht schreiben oder sagen, schwächt den Inhalt aber ins Bedeutungslose ab, weil sich keiner mehr betroffen fühlen muss. Und zu Recht: Wer will denn schon <em>man </em>sein? &#8211; Ich bin ich. Und wenn du mich meinst, dann kannst du das auch sagen. Und wenn du dich selbst meinst, dann gefälligst auch.</p>
<p>Womit <em>man</em> zu ersetzen ist, hängt natürlich vom Kontext ab; davon, wer angesprochen ist; davon, auf wen eine Aussage sich bezieht. Zurück zum einleitenden Satz des Anstosses: Wer soll denn nun schauen, dass er keine Fehler macht? Diese Information muss natürlich Teil der Aussage sein. Der Autor, der sich hier zum Weg des geringsten sprachlichen Widerstandes und damit zu einem unpräzisen <em>Man </em>hinreissen lässt, hat womöglich seine Hausaufgaben nicht gemacht und stellt nun fest, dass er selbst nicht weiss, wen er eigentlich meint.</p>
<p>* Ich würde mich freuen, wenn meine deutschen Leser sich in den Kommentaren zu dieser Frage äussern würden.</p>

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		<title>Entschuldigung! &#8211; Wirklich!</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/12/09/entschuldigung-wirklich/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 07:56:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Entschuldigung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ex-Miss Whitney Toyloy hat nach der Annahme des Minarett-Verbotes die SVP als &#8220;Union der Vollidioten&#8221; bezeichnet. Diese politisch nicht ganz korrekte Äusserung hat für einigen Wirbel gesorgt. Manche und mancher fühlte sich als Anhänger dieser Union (SVP, nicht Vollidioten) direkt betroffen. Nun hat Whitney Toyloy sich entschuldigt. Wirklich. Gemäss 20 Minuten (7. Dezember 09) soll [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ex-Miss Whitney Toyloy hat nach der Annahme des Minarett-Verbotes die SVP als &#8220;Union der Vollidioten&#8221; bezeichnet. Diese politisch nicht ganz korrekte Äusserung hat für einigen Wirbel gesorgt. Manche und mancher fühlte sich als Anhänger dieser Union (SVP, nicht Vollidioten) direkt betroffen. Nun hat Whitney Toyloy sich entschuldigt.</p>
<p>Wirklich.</p>
<p>Gemäss <em>20 Minuten</em> (7. Dezember 09) soll sie gesagt haben:</p>
<blockquote><p>Ich bin mir heute bewusst, dass ich die Gefühle von unbescholtenen Bürgern verletzt habe, und entschuldige mich hierfür.</p></blockquote>
<p>Das nenne ich eine Entschuldigung! Um den Inhalt geht es mir übrigens überhaupt nicht, auch nicht darum, wer sich bei wem für was zu entschuldigen hatte (oder nicht). Ich gebe hier keine politische Stellungnahme ab &#8211; ausser der, dass öffentliche Entschuldigungen in der fast ausnahmslosen Regel überhaupt keine sind. Da heisst es meistens:</p>
<blockquote><p>Wenn ich mit meiner Äusserung jemanden verletzt habe, dann tut mir das leid.</p></blockquote>
<p>Das ist keine Entschuldigung. Das ist eine blutleere Nullaussage mit der Absicht, durch Augenwischerei einen Fehler gutzumachen, ohne ihn zuzugeben. In einem solchen Pseudo-Eingeständnis steckt ja auch die (nur spärlich) verhüllte Unterstellung: &#8220;Eigentlich seid ihr selbst Schuld, dass ihr mich falsch verstanden habt.&#8221;<br />
In einer Entschuldigung hat ein Bedingungssatz nichts verloren. Entweder habe ich einen Fehler eingesehen oder nicht. Wenn ich ihn eingesehen habe, dann muss ich ihn auch benennen (wie Frau Toyloy) und dann um Entschuldigung bitten (wie Frau Toyloy).</p>
<p>Und dann noch dies: Ist es nicht schön, dass wir uns überhaupt entschuldigen können? Wie ein Radiergummi für die Seele kommt mir das vor.</p>

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		<title>Ironie behindert.</title>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 10:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Ironie]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bill Clinton spricht zur Einweihung des &#8220;Center for Disability and Integration&#8221; an der Universität St. Gallen, während sich landauf, landab Menschen darüber aufregen, dass es von unseren öffentlichen Plakatwänden ruft: &#8220;Behinderte kosten uns nur Geld.&#8221; Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den vorerst anonymen Plakaten die Invalidenversicherung steht, die mit den Provokationen für die Anliegen Behinderter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bill Clinton spricht zur Einweihung des &#8220;Center for Disability and Integration&#8221; an der Universität St. Gallen, während sich <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/behinderte_plakate_kritik_1.3975035.html" target="_blank">landauf, landab Menschen darüber aufregen</a>, dass es von unseren öffentlichen Plakatwänden ruft: &#8220;Behinderte kosten uns nur Geld.&#8221; Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den vorerst anonymen Plakaten die Invalidenversicherung steht, die mit den Provokationen für die Anliegen Behinderter in der Arbeitswelt sensibilisieren will.</p>
<p>Hat leider nicht so recht geklappt.</p>
<p>Ich bin in der Sache zerrissen. Einerseits denke ich mir: Meine Güte! Darauf kann doch nun jeder kommen, dass hinter diesen Sprüchen mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Das heisst: dass sie ironisch gemeint sind. Darf  man in der Schweiz nicht mehr gezielt provozieren, ohne Gefahr zu laufen, medial oder real gesteinigt zu werden? Ich finde dieses ständige Ringen um politische Korrektheit etwas ermüdend, scheint es doch vor allem Mittelmass und Langeweile hervorzubringen.</p>
<p>Und doch:</p>
<p>Selbst ein Freund der Ironie, weiss ich durchaus um ihre Grenzen. Und da ist es nun einmal so: Ob die Ironie ihr Ziel erreicht, zeigt sich erst am Empfänger der Nachricht. Und in dieser Hinsicht ist die Sache ziemlich in die Hose gegangen. Ich gestehe es ungern ein: Wenn die Schweizer nicht fähig sind, mit dieser Art von Ironie umzugehen, dann ist sie nur schwer für kommunikative Zwecke einzusetzen. Mich nervt das zwar, doch wenn ich etwas zu sagen habe und es so sagen will, dass es verstanden wird, dann ist meine Liebe zur Bissigkeit nun einmal zweitrangig. Zuerst geht es um mein Gegenüber, das mich verstehen soll. Deshalb ist der Einsatz von Ironie wie der jedes anderen Stilmittels zu prüfen und gründlich abzuwägen.</p>
<p>Darf ich so von &#8220;den Schweizern&#8221; reden? Natürlich nicht. Das ist eine unzulässige Verallgemeinerung, die ich gezielt einsetze, um meine Leser zu provozieren.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/ironie_sprachblog_web.jpg" target="_blank"><img style="border: 0px none; display: inline; width: 436px;" title="ironie_sprachblog_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/ironie_sprachblog_web_thumb.jpg" border="0" alt="ironie_sprachblog_web" width="454" height="340" /></a></p>

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