Wer liest, wird ein besserer Mensch

Titelseite NZZ am Sonntag vom 26. März 2012Die NZZ am Sonntag (25. März 2012, Seite 76) berichtet Interessantes über das Lesen. Kurz zusammengefasst:

Wer liest, wird ein besserer Mensch.

Dass der Artikel keine Quellenangabe enthält, ist eine sträfliche Unterlassung. Ich ergänze sie mit meiner eigenen Bequemlichkeit und verzichte auf eine Recherche. Stattdessen habe ich den Artikel abgetippt:

Dies ist nicht das Zeitalter, in dem man noch grosse Romane liest. Wem sollten seitenlange erfundene Dialoge oder – noch anstrengender! – detaillierte Beschreibungen heute nützen? Nun, der Beweglichkeit des Gehirns vielleicht. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wörter wie Lavendel, Zimt oder Harz beim Lesen die gleichen Gehirnaktivitäten in Gang setzten wie die entsprechenden Gerüche. Ebenso aktivieren Bewegungsverben die gleichen Regionen wie die Bewegungen selbst: Wenn der Stürmer auf dem Papier mit Vollrist abzieht, zuckt es den Leser im Fuss. Ist die Sprache anschaulich, unterscheidet das Gehirn also nicht zwischen Leseerfahrung und realem Erleben. Romane bieten zudem den Vorteil, dass sie die Realität nicht nur simulieren, sondern überhöhen. Sie lassen Leser Gefühlsbewegungen nachvollziehen die ihre Erfahrungswelten transzendieren. Als Folge davon – das hat ein Psychologe der York University in Kanada gezeigt – können Menschen, die Romane lesen, sich im realen Sozialleben besser in andere einfühlen und deren Gefühle und Handlungsmotive besser nachvollziehen. Und dies nicht nur, weil sie entsprechend veranlagt sind – der Vorsprung vergrössert sich mit jedem weiteren gelesenen Buch.

Sunset Park von Paul Auster: Was bleibt, ist die Leere.

Die letzte Seite von Paul Austers Roman "Sunset Park"In der Regel kauft und liest man Bücher wegen der Wörter, die in ihnen stehen, die auf ihren Seiten abgedruckt sind. Was auf diesen Seiten weiss geblieben ist, wird hingegen kaum beachtet. Ich erwarte auch nichts von diesen freien, weissen Orten. Sie leisten keinen Beitrag an die Geschichte.

Umso stärker ist mir der Schluss von Paul Austers aktuellem Roman Sunset Park unter die Haut gefahren. Die Kraft ergab sich aus dem Zusammenspiel der letzten Wörter mit dem freigebliebenen Papier auf der letzten Seite.

Spoilerwarnung: Da ich über den Schluss dieses Romanes schreibe, werde ich nicht darum herumkommen, zu verraten, wie die Geschichte ausgeht. Wer trotzdem weiterliest, nehme dies in Kauf und verzichte auch darauf, das nebenstehende Foto genauer zu betrachten.

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Dickens zum Anfassen (fast jedenfalls)

Der Engländer Charles Dickens (1812 – 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman “Oliver Twist” wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen Verfilmungen seiner berühmten Erzählung A Christmas Carol (deutsch Eine Weihnachtsgeschichte oder auch Weihnachtslied) ausgestrahlt wird.

A Christmas Carol erzählt die Geschichte des griesgrämigen und verbitterten Ebenezer Scrooge. (Diese Schöpfung von Dickens wurde so berühmt, dass ihr Name es in den englischen Wortschatz und ins Wörterbuch schaffte als allgemeine Bezeichnung für einen bitteren bösartigen Zeitgenossen.) Scrooge hasst Weihnachten und lässt das seine Umwelt gerne und deutlich spüren. Dann aber wird er in der Nacht von drei Geistern heimgesucht, die ihm lebensverändernde Einblicke gewähren: in eine vergangene, die gegenwärtige und eine zukünftige Weihnacht. Diese erschütternde Erfahrung läutert Scrooge quasi vom Saulus zum Paulus.

Als Dickens diese Geschichte 1843 schrieb, tat er dies mit der Feder und von Hand. Schreibmaschinen gab es noch nicht und Computer erst recht nicht. So entstand ein einziges Manuskript von A Christmas Carol, das heute in der Morgan Library in Manhattan aufbewahrt und jährlich um Weihnachten herum ausgestellt wird. Dann ist jeweils eine Seite zu sehen. Nun aber hat die New York Times das ganze Manuskript elektronisch zugänglich gemacht und gewährt damit einen faszinierenden Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser – Geschichte.

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