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	<title>verständlich &#187; Literatur</title>
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		<title>Paul Auster: Invisible (Unsichtbar)</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 10:59:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Von den Besten lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Invisible]]></category>
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		<category><![CDATA[Paul Auster]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Story-Telling]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor drei Tagen habe ich den neuen Roman von Paul Auster zu Ende gelesen: Invisible (deutsch Unsichtbar). Die letzten Seiten einer Erzählung sind immer ein besonderes Erlebnis. Was macht der Autor nun aus der Welt, die er erschaffen und gestaltet hat? Wie lässt er sie zurück? Wie wird es den Menschen in dieser Geschichte ergehen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/auster-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1177" title="Paul Auster" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/auster-web-300x225.jpg" alt="Paul Auster" width="300" height="225" /></a>Vor drei Tagen habe ich den neuen Roman von Paul Auster zu Ende gelesen: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0805090800?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0805090800" target="_blank"><em>Invisible</em></a> (deutsch <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498000810?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3498000810" target="_blank">Unsichtbar</a></em>).</p>
<p>Die letzten Seiten einer Erzählung sind immer ein besonderes Erlebnis. Was macht der Autor nun aus der Welt, die er erschaffen und gestaltet hat? Wie lässt er sie zurück? Wie wird es den Menschen in dieser Geschichte ergehen, die mir vertraut geworden sind?</p>
<p>Das Buch hat mich begeistert. Einmal mehr ist es mir mit einem Roman von Auster so ergangen.</p>
<p>Dass Schriftsteller über Schriftsteller schreiben ist ja nun beileibe nichts Neues. Doch Auster vermag aus diesem alten Thema heraus eine besondere Nähe zum Leser zu erzeugen. Diese Nähe fördert und fordert. <strong>Das Leseerlebnis wird intensiver und dadurch sowohl schöner (darum geht es ja vor allem) wie auch ertragreicher. </strong>Fast kommt es mir so vor, als würde nicht nur ich den Auster lesen, sondern der Auster auch ein bisschen mich.</p>
<p><span id="more-1176"></span>Mein erstes Buch von Paul Auster erstand ich vor sechs Jahren in Freiburg im Breisgau. Kurz zuvor hatte ich eine Rezension seines aktuellen Romanes <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0571216978?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0571216978" target="_blank">Oracle Night</a></em> (<em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499239876?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499239876" target="_blank">Die Nacht des Orakels</a></em>, übrigens mein Favorit unter Austers Erzählungen) gelesen und war neugierig geworden. In den Ferien wollte ich mir <em>Oracle Night</em> besorgen, hatte aber Pech; es war in der Buchhandlung nicht vorrätig. So griff ich halt zum erstbesten, das sich als Ersatz anbot. (In meinem Fall heisst das gewöhnlich: das mit dem ansprechendsten Umschlag.) Ich kaufte also <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0571200583?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0571200583" target="_blank">The New York Trilogy</a></em> (<em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/349912548X?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=349912548X" target="_blank">Die New York Trilogie</a></em>), eine Sammlung von drei kürzeren Erzählungen.</p>
<p><strong>Das Lesen der ersten dieser Erzählungen (<em>City of Glass, Stadt aus Glas</em>) wurde zum Abenteuer; zu jener Art von Abenteuer, die Lesen eigentlich immer sein sollte. </strong><em>City of Glass</em> veränderte meine Sicht vom Lesen und vom Schreiben und davon, was man mit einer Geschichte machen kann.</p>
<p>Doch eigentlich will ich nicht über <em>City of Glass</em> schreiben, sondern über <em>Invisible</em>.</p>
<p>Auster schreibt oft, sehr oft, über das Schreiben, über die Entstehung von Büchern. Auch bei <em>Invisible</em> steht ein Buch im Zentrum. Die Geschichte wird dabei von drei verschiedenen Erzählern berichtet, wobei sich dabei nicht einfach ein Bericht an den anderen reiht. Die verschiedenen Perspektiven überlagern sich vielmehr. So besteht zum Beispiel ein Teil des Buches aus einem Bericht, den einer der Erzähler aufgrund der Notizen eines anderen verfasst hat.</p>
<p>Paul Austers Stimme als &#8220;eigentlicher&#8221; Autor dieses Buches ist überhaupt nicht zu vernehmen. <strong>Es gibt ihn hier nicht, den klassischen allwissenden Erzähler, der nicht selbst Teil der Geschichte ist.</strong> Auch das ist nichts Besonderes. Besonders ist aber, dass die Sprache von <em>Invisible</em> dies nicht immer offenbar macht. Es gibt wohl Sequenzen, die in der 1. Person erzählt werden, aus der Sicht eines Ich-Erzählers also. In diesen Passagen ist offensichtlich, dass hier eine Figur der Erzählung aus ihrer Sicht beschreibt, mit all den persönlichen Unschärfen, die diese Sicht mit sich bringt. Dann aber wird auch &#8220;klassisch&#8221; in der 3. Person (&#8220;er, sie&#8221;) berichtet &#8211; und auch hier aus der Sicht eines der Erzähler im Buch, nicht aus der eines allwissenden Autors. Und schliesslich gibt es auch einen Bericht in der 2. Person (&#8220;du&#8221;). Das ist höchst gewöhnungsbedürftig, löste in mir aber ganz besondere Reaktionen aus, <strong>weil ich mich als Leser konstant direkt angesprochen fühlte und mich daher ebenso konstant distanzieren musste. Schliesslich war nicht ich gemeint. &#8211; Oder etwa doch?</strong></p>
<p>Kein klassischer allwissender Erzähler. Paul Auster ist in diesem Buch ganz unsichtbar &#8211; invisible. Gut möglich, dass er sich auf diese Weise selbst in den Titel hineingeschrieben hat. (Wie bei Auster üblich ist zwischen dem Titel und der Geschichte kein eindeutiger Zusammenhang erkennbar. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.)</p>
<p>Dieses gegenseitige Durchdringen von Erzähler- und Erzählungsebenen hat auf mich die Wirkung, dass ich als Leser selbst Teil der Geschichte werde. <strong>Es ist 3-D-Kino in Buchform.</strong> Letztlich ist das Buch, dessen Entstehung im Roman thematisiert wird, das Buch, das ich physisch in Händen halte. (Das erinnerte mich an den genialen Charlie-Kaufman-Film <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00008KJUX?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B00008KJUX" target="_blank">Adaption</a></em>, der die Entstehung des eigenen Drehbuchs zum Thema hat und die verschiedenen Ebenen so gekonnt und wild durcheinanderwirbelt, dass einem schwindlig wird.)</p>
<p>Klingt kompliziert und verwickelt?</p>
<p>Dieser (von mir allerdings nur vermutete) Einwand bringt mich zum springenden Punkt:</p>
<p>Paul Auster vermittelt die Zusammenhänge der verschiedenen Erzähl(er)ebenen mit einer solchen Leichtigkeit und in solch schlichter Sprache, dass es eine wahre Freude ist. <strong>Hier ist nicht grosses Kopfzerbrechen angesagt, sondern zuhören. Auster ist ein Geschichtenerzähler, und ein Geschichtenerzähler will verstanden werden. Auster ist daher auch ein genialer Kommunikator.</strong></p>
<p>Ich liebe Geschichten. Dabei habe ich noch nicht einmal überhöhte Ansprüche. Die Geschichte muss einfach in sich wahr sein. Die Figuren müssen sich glaubwürdig verhalten, das heisst, sich selbst und ihren tiefsten Motiven treu sein. Das reicht mir eigentlich schon. Und dann lasse ich mich gerne darauf ein.</p>
<p>Vermutlich bin ich mit diesem Bedürfnis nicht allein. Der Hype, der in den letzten Jahren rund um &#8220;Story-Telling&#8221; entstanden ist, scheint das zu bestätigen. Es werden Bücher geschrieben und Seminare organisiert und besucht.</p>
<p><strong>Lieber als ein Buch über Story-Telling lese ich aber ein Buch mit einer guten Story.</strong> Von den Besten lernen &#8211; warum nicht auf diesem Weg?</p>
<p>So stelle ich sicher, dass ich die Kraft starker Geschichten immer wieder am eigen Leib erfahre.</p>

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		<title>Dickens zum Anfassen (fast jedenfalls)</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 15:08:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Manuskript]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Engländer Charles Dickens (1812 &#8211; 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman &#8220;Oliver Twist&#8221; wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Engländer Charles Dickens (1812 &#8211; 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman &#8220;Oliver Twist&#8221; wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen Verfilmungen seiner berühmten Erzählung <em>A Christmas Carol</em> (deutsch <em>Eine Weihnachtsgeschichte </em>oder auch <em>Weihnachtslied</em>) ausgestrahlt wird.</p>
<p><em>A Christmas Carol </em>erzählt die Geschichte des griesgrämigen und verbitterten Ebenezer Scrooge. (Diese Schöpfung von Dickens wurde so berühmt, dass ihr Name es in den englischen Wortschatz und ins Wörterbuch schaffte als allgemeine Bezeichnung für einen bitteren bösartigen Zeitgenossen.) Scrooge hasst Weihnachten und lässt das seine Umwelt gerne und deutlich spüren. Dann aber wird er in der Nacht von drei Geistern heimgesucht, die ihm lebensverändernde Einblicke gewähren: in eine vergangene, die gegenwärtige und eine  zukünftige Weihnacht. Diese erschütternde Erfahrung läutert Scrooge quasi vom Saulus zum Paulus.</p>
<p>Als Dickens diese Geschichte 1843 schrieb, tat er dies mit der Feder und von Hand. Schreibmaschinen gab es noch nicht und Computer erst recht nicht. So entstand ein einziges Manuskript von <em>A Christmas Carol, </em>das heute in der Morgan Library in Manhattan aufbewahrt und jährlich um Weihnachten herum ausgestellt wird. Dann ist jeweils eine Seite zu sehen. Nun aber hat die New York Times das ganze Manuskript <a href="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1">elektronisch zugänglich gemacht</a> und gewährt damit einen faszinierenden Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser &#8211; Geschichte.</p>
<p><a rel="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1" href="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1" target="_blank"><img class="alignnone size-large wp-image-908" title="a christmas carol manuscript nyt" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/greenshot_2009-12-24_000005-1024x640.jpg" alt="" width="1024" height="640" /></a><span id="more-902"></span>Dickens hatte es mit der der Publikation ziemlich eilig. Erstens ist eine Weihnachtsgeschichte im Frühling schwer zu vermarkten und zweitens brauchte er dringend Geld. Seine Eile zeigt sich in einem Manuskript, das nicht ins Reine geschrieben wurde und daher reich an Korrekturen und Änderungen. Es gewährt deshalb einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise dieses grossen Autors. Die Herausgeber haben einige Stellen des Manuskriptes kommentiert und weisen den Leser so auf speziell aufschlussreiche Passagen hin. So ist gleich auf der ersten Seite zu erfahren, dass Dickens eine Stelle strich, in der er sich negativ über die intellektuellen Fähigkeiten des Prinzen Hamlet äusserte. Offenbar erschien es ihm bei der Überarbeitung doch nicht angemessen, sich über eine so populäre Figur Shakespeares lustig zu machen.</p>
<p>In einer Zeit, in der kaum noch von Hand geschrieben wird, ist der Blick in ein 69-seitiges Manuskript befremdend und anziehend zugleich. Die präzise und regelmässige Handschrift, die Korrekturen als Zeugnisse eines kreativen Prozesses und schliesslich der erzählerische Reichtum &#8211; ich kann mich daran kaum sattsehen.</p>
<p>Den Volltext von <em>A Christmas Carol</em> gibt es <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=432&amp;kapitel=1#gb_found">hier</a> auf Deutsch und <a href="http://en.wikisource.org/wiki/A_Christmas_Carol">hier</a> oder <a href="http://www.open-bks.com/library/classics/dickens_charles_carol/carol-cover.html">hier</a> auf Englisch. Auch verschiedene Hörbuchversionen (in unterschiedlicher Qualität) sind via Google leicht zu finden.</p>
<p>Frohe und gesegnete Weihnachtstage!</p>

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		<title>Grönemeyer: Ein verblüffender Nachtrag</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/01/15/gronemeyer-ein-verbluffender-nachtrag/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Jan 2009 10:37:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Grönemeyer]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus gegebenem Anlass habe ich gestern begonnen, die Grönemeyer-Biografie von Ulrich Hoffmann zu lesen. Und da stosse ich auf Seite 9 auf Folgendes: Wahrgenommen wird er in Deutschland vor allem durch seine Texte. Doch sie sind nicht der Mittelpunkt des Werkes: Grönemeyer selbst könnte auch gut auf sie verzichten, ihm genügen die Songs als solche. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus <a title="Grönemeyer: Die Kraft der Bilder" href="http://verstaendlich.ch/2009/01/14/grnemeyer-die-kraft-der-bilder/" target="_blank">gegebenem Anlass</a> habe ich gestern begonnen, die Grönemeyer-Biografie von Ulrich Hoffmann zu lesen. Und da stosse ich auf Seite 9 auf Folgendes:</p>
<blockquote><p>Wahrgenommen wird er in Deutschland vor allem durch seine Texte. Doch sie sind nicht der Mittelpunkt des Werkes: Grönemeyer selbst könnte auch gut auf sie verzichten, ihm genügen die Songs als solche. Entsprechend entstehen seine Stücke: Erst komponiert er die Musik, dann spielt er sie mit der Band vollständig ein (wobei er englische Unsinntexte singt), und ganz am Schluss – unter Abgabedruck – schreibt er mehrere Texte pro Song, entscheidet sich schliesslich für einen.</p></blockquote>
<p>Wenn das wirklich stimmt, dann möchte ich gerne mal in Grönemeyers Papierkorb wühlen. Die Rezensionen auf <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3455094406?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3455094406">amazon.de</a> werfen zwar einige Fragen auf, was die Zuverlässigkeit des Buches betrifft, aber ich nehme mal an, dass der Autor sich diesen Abschnitt nicht einfach aus den Fingern gesaugt hat. Klären könnte das, wer schon einmal mit Grönemeyer gearbeitet hat – oder natürlich Herr Grönemeyer persönlich. Kommentare aus dieser Ecke sind besonders willkommen!</p>

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		<title>Gr&#246;nemeyer: Die Kraft der Bilder</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Jan 2009 06:39:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Grönemeyer]]></category>
		<category><![CDATA[Metapher]]></category>

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		<description><![CDATA[Weil eine unserer Töchter krank wurde, verbrachten wir Silvester anders als geplant, nämlich zu Hause. Dadurch bot sich immerhin die Gelegenheit, das eben auf DVD erhaltene Grönemeyer-Konzert anzusehen. Die Energie der Darbietung war beeindruckend, und zudem bot die Scheibe Untertitel, die mir erlaubten, die Texte lückenlos mitzuverfolgen. Denn ich muss zugeben: Wenn Herbert ins Mikro [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Weil eine unserer Töchter krank wurde, verbrachten wir Silvester anders als geplant, nämlich zu Hause. Dadurch bot sich immerhin die Gelegenheit, das eben auf DVD erhaltene <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0000E39MZ?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000E39MZ" target="_blank">Grönemeyer-Konzert</a> anzusehen. Die Energie der Darbietung war beeindruckend, und zudem bot die Scheibe Untertitel, die mir erlaubten, die Texte lückenlos mitzuverfolgen. Denn ich muss zugeben: Wenn Herbert ins Mikro bellt, dann reisst bei mir manchmal der Faden. Nicht der Geduldsfaden, sondern der rote, an dem ich mich durch den Text führen lasse. Ich versteh einfach nicht alles. Aber was ich verstehe, zeugt von solcher “Sprachlust und Virtuosität” (so hat das Mike <a href="http://lifenavigator.typepad.com/lifenavigator/2007/03/nicht_von_diese.html" target="_blank">gesagt</a>, und ich bin ganz einverstanden), dass es mich tief packt.</p>
<p>Einer meiner derzeitig liebsten Grönemeyer-Songs ist “<a href="http://www.youtube.com/watch?v=PMK76UPYmEc" target="_blank">Lache, wenn’s nicht zum Weinen reicht</a>.” Hier zeigen sich deutlich die Qualitäten, die ich an Grönemeyers Texten so schätze. Gleich zur Eröffnung heisst es:</p>
<blockquote><p>Tausend Haare in der Suppe<br />
Und dein Löffel hat ein Loch<br />
Es fällt keine Sternschnuppe<br />
Deine Kerze hat keinen Docht</p></blockquote>
<p>Diesen Bildern des ewigen Verlierers kann man sich kaum entziehen. Sie haben eine überwältigende Kommunikationskraft und transportieren Gefühlte, ohne direkt von ihnen zu sprechen. Zum Beispiel die Kerze ohne Docht. Das ist schlimmer, als einfach <em>keine</em> Kerze zu haben. Hier steckt mehr Verlust und mehr Enttäuschung drin – ohne dass diese direkt und kompliziert benannt werden müssen. Später dann:</p>
<blockquote><p>Es steckt kein Geist mehr in der Flasche<br />
Fürs Paradies fehlt die Fantasie<br />
Die falschen Wünsche in Erfüllung<br />
Keine Liebe, keine Poesie</p></blockquote>
<p>Die falschen Wünsche in Erfüllung? – Jeder hat ja mal Glück, jedem wird mal ein Wunsch erfüllt. Das weiss man. Deshalb ist es viel schlimmer, den <em>falschen </em>Wunsch erfüllt zu sehen. Die Chance, dass der wichtigste Wunsch auch noch wahr wird, schrumpft dadurch auf ein Nichts zusammen. Wer auf der Strasse ein leeres Portemonnaie findet, wird kaum davon ausgehen, dass es sich dabei nur um die Vorstufe eines ergiebigeren Fundes handelt, der demnächst zu erwarten ist. (Ich weiss schon: Das Beispiel hinkt. Selbstverständlich würden wir alle ein Portemonnaie auf dem Fundbüro abgeben. Aber immerhin ist der Finderlohn bei sehr viel Geld höher als bei leer.)</p>
<p>Ich will diese Texte nicht mit Deutungen überfrachten. Es geht mir nicht um die Interpretation und schon gar nicht darum, Einfaches kompliziert zu machen. Vielmehr möchte ich die Kraft solch einfacher Bildsprache unterstreichen. In der Regel steht hinter so treffenden Bildern sehr viel Arbeit; ich vermute, das ist auch bei Herbert Grönemeyer nicht anders. Es klingt verspielt und leicht, aber der Weg dahin kann weit sein. Am Anfang steht ein Gefühl, das transportiert werden soll und am Ende ein schlichtes Bild, das dieses Gefühl klarer und kraftvoller auf den Punkt bringt, als tausend Sätze es könnten. – Und jetzt die gute Nachricht: Die Kraft dieser Bilder ist nicht der dichterischen Sprache vorbehalten. Warum sollte sie das sein? Sie darf in unserem alltäglichen Reden ihren Platz finden. Dieser Gedanke läuft in zwei Richtungen:</p>
<p>Wer öffentlich kommuniziert, Reden und Referate hält, wer Menschen ansprechen und überzeugen will, tut gut daran, hier nicht an Aufwand zu sparen. Treffende Bilder zu finden erscheint unverhältnismässig aufwändig. Schliesslich macht es den Eindruck, als würden sie dem Inhalt nichts mehr hinzufügen, sondern diesen nur noch dekorieren. Aber eine treffende Bildsprache ist viel mehr als Dekoration und kann dem Anliegen des Redners zum Durchbruch beim Publikum verhelfen.</p>
<p>Auch im Alltag hat das Bilderreden seine Berechtigung. Zunächst einmal macht es die Kommunikation einfach farbiger und schöner, was eigentlich schon Grund genug ist. Dann aber kann es auch als Übungsfeld dienen. Hier hat man keine Zeit für grosse Vorbereitungen, aber wenn wir uns angewöhnen, unsere Worte durch Bilder lebendiger zu machen, dann bringt das wertvolle Erfahrungen für das Referieren mit Bildern. Mit der Zeit wird diese Art, Dinge auf den bildhaften Punkt zu bringen, zu einem Teil unseres normalen Redens und Schreibens. Es wird leichter, wirklich passende Bilder zu finden, weil wir die Welt um und in uns anders, bildhafter eben, wahrnehmen.</p>
<p>Eine weitere gute Übungsmöglichkeit: Grönemeyer hören. Ich empfehle “<a href="http://www.youtube.com/watch?v=PMK76UPYmEc" target="_blank">Lache, wenn’s nicht zum Weinen reicht</a>” und “<a href="http://www.youtube.com/watch?v=l35i-QQfcJ4" target="_blank">Unbewohnt</a>”. Zum Einstieg.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/groenemeyer-web.jpg" target="_blank"><img style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;" title="groenemeyer_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/groenemeyer-web-thumb.jpg" border="0" alt="groenemeyer_web" width="454" height="341" /></a></p>

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