Archiv für die Kategorie: “Rechtschreibung”

Der Bindestrich trägt seinen Namen eigentlich zu Unrecht. Er ist ein Trennstrich. Diesen Unterschied vor Augen zu haben, hat mir geholfen, seine Verwendung zu verstehen und ihn richtig und zum Nutzen der Menschheit einzusetzen.

Dieser Strich verbindet also nicht, er trennt viel eher.

Was trennt er?

Er trennt zwei Wortbausteine.

Wozu trennt er sie?

Um das Wort, das aus diesen Bausteinen zusammengesetzt ist, verständlicher zu machen.

Es ist also wieder einmal eigentlich ganz einfach: Dieser Strich verbindet nicht zwei separate Wörter, er trennt zwei verbundene Wörter. Oder anders gesagt: Die Alternative zu diesem Strich ist nicht die Getrenntschreibung, sondern die Zusammenschreibung.

Die Idee zu diesem Beitrag kam mir übrigens, als ich vor dieser Kaffeemaschine auf meine Schale* wartete:

kaffeebecher_web

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Er verursacht mir Schmerzen, denn er ist nicht nur falsch, er sieht auch hässlich aus: der Apostroph beim Genitiv. Deshalb hier ganz knapp und klar:

Der deutsche Genitiv (Wesfall) steht ohne Apostroph.

Apostroph_web

Besonders grosszügig wird er dennoch hinter Eigennamen gesetzt. So ist dann von Natalie’s Freunden oder Stefan’s Geburtstag die Rede. Dann könnte man ja auch gleich Stefan’s birthday sagen, das versteht hier auch jeder und zudem wäre es richtig. Denn im Gegensatz zum Deutschen markiert das Englische den Genitiv tatsächlich mit einem Apostroph. Von dort haben wir ihn übernommen. Ein weiterer Anglizismus also, wenn auch einer der besonders nervenden Sorte.

Ich vermute ausserdem, dass sich hier einmal mehr die tief sitzende Überzeugung zeigt, dass beim Reden und Schreiben nicht weniger mehr ist, sondern mehr. Wenn ich mehr Zeichen verwende, sieht das nach mehr und wichtigerem Inhalt aus. Das können dann Apostrophe sein, aber auch Buchstaben und Silben oder Wörter. Thematik klingt besser als Thema. Und es  wirkt wissenschaftlicher, vom Auftreten von gesellschaftlichen Spannungen zu sprechen als einfach nur von gesellschaftlichen Spannungen. Dabei würde das völlig ausreichen, weil damit in der Regel bereits alles gesagt ist. Der Apostroph hat eine ähnliche Wirkung, weil er den Text etwas fremd erscheinen lässt, etwas gelehrter, etwas gescheiter. Schliesslich setzt nicht jeder einen Apostroph. (Gott sei Dank!)

Nachtrag: Da gibt es doch tatsächlich einen Blog, der sich nur mit Fällen von Apostrophmissbrauch befasst: www.apostropheabuse.com (englisch). Unterhaltsam – aber ich würde als Autor depressiv werden.

Noch ein Nachtrag: Da gibt es doch tatsächlich eine Seite, die dasselbe auf deutsch erledigt: apo’strophen-alarm.de. Sehr unterhaltsam – und mit einer umfangreichen Linkliste.

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Wenn Menschen zusammen schreiben, ist das erfreulich. Der Mensch ist nämlich ein Gemeinschaftswesen und spricht gut auf gemeinsame Aktivitäten an. Zusammen zu schreiben, entspricht daher einem Grundbedürfnis. Etwas anders sieht es beim Zusammenschreiben aus. Hier scheint kein Grundbedürfnis vorzuliegen, im Gegenteil. Oft werden Wörter brutal auseinandergerissen, die in einer festen Beziehung miteinander verbunden sind; die untrennbar zusammengehören.

  • Zusammen schreiben: Hier ist zusammen gleichbedeutend mit gemeinsam. Es geht also um Gruppenschreiben – wobei die Vorstellung des gemeinsamen Schreibens vielen womöglich gar nicht so angenehm ist. Leichter fällt es uns wahrscheinlich, zusammen zu essen und zu trinken und natürlich zusammen zu lachen. In jedem Fall wird das Adverb zusammen getrennt vom Verb geschrieben. Es erfüllt seine normale Funktion als Adverb und ergänzt die Aussage des Verbs mit einem Hinweis darauf, wie die genannte Tätigkeit geschieht. Zusammen nämlich.
  • Zusammenschreiben: Hier ist das Adverb zusammen eine feste Verbindung mit dem Verb schreiben eingegangen und bildet mit ihm ein neues Wort mit einer neuen Bedeutung. Bei zusammendrücken ist dasselbe passiert, und niemand wird behaupten, eine leere PET-Flasche zusammenzudrücken sei dasselbe, wie zusammen eine leere PET-Flasche zu drücken. Oder einen Schrank zusammenzubauen dasselbe, wie zusammen einen Schrank zu bauen.

Um zu entscheiden, ob nun Getrennt- oder Zusammenschreibung richtig ist, kann die Betonung eines Wortes Hilfe bieten. Ist der erste Teil des zweiteiligen Ausdrucks betont, wird in der Regel zusammengeschrieben. So zum Beispiel zusammenbauen oder gutschreiben – und natürlich zusammenschreiben. Werden hingegen beide Wörter betont, ist wahrscheinlich Getrenntschreibung angebracht: zusammen bauen oder gut schreiben oder zusammen schreiben. Aber (leider) Achtung: Diese Regel gilt nicht immer.

Schön ist aber immerhin, dass eine Grundform (ein Infinitiv), die aus einem Wort besteht, auch dann am Stück geschrieben wird, wenn sie als Infinitiv mit zu erscheint. Wenn man sich einmal fürs Zusammenschreiben entschieden hat, darf man also dabei bleiben:

Es lohnt sich, zusammenzuschreiben, was zusammengehört.

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Heute in der Neuen Zürcher Zeitung (S. B6, Artikel “Bittorrent für alle”):

“Seit vor rund zehn Jahren in den USA die Schallplattenfirmen den Verkauf von MP3-Players gerichtlich zu stoppen versuchten, hat es schon viele absurde Prozesse gegeben, mit denen die alten Geschäftsmodelle dieser Brache zu retten versucht wurde.”

Einmal abgesehen davon, dass die Konstruktion dieses Satzes einige Wünsche offen lässt (zum Beispiel den nach Verständlichkeit): MP3-Players? Players? Das klingt mir seltsam in den Ohren. Natürlich lautet die englische Mehrzahl von player players. Da wir hier aber keinen englischen Text vor uns haben, sondern einen deutschen, ist der MP3-Player hier nicht einfach englisch, sondern eine Entlehnung aus dem Englischen. Solche Entlehnungen richten sich weitgehend nach den grammatischen Regeln der Sprache, in die sie aufgenommen wurden. Einige bilden die Mehrzahl tatsächlich auf –s, so zum Beispiel Job, Hobby, Handy oder Baby; nicht aber Teenager, Browser oder eben MP3-Player, die in der Mehrzahl unverändert bleiben. Ob ich also einen Browser oder vier Browser auf meinem Computer installiert habe, spielt mindestens für die Grammatik keine Rolle. Im oben zitierten Satz stehen die Player im Dativ und haben daher Anspruch auf die Endung –n, die im Deutschen in der Regel bei diesem Fall zum Zuge kommt. Korrekt heisst es also: “… den Verkauf von MP3-Playern gerichtlich zu stoppen.”

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