<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>verständlich&#187; Wörter</title>
	<atom:link href="http://verstaendlich.ch/category/woerter/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://verstaendlich.ch</link>
	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
	<lastBuildDate>Tue, 27 Mar 2012 07:31:22 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Das Mass ist voll: Dasselbe ist das Gegenteil.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 08:16:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Bier]]></category>
		<category><![CDATA[Hochdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Mass]]></category>
		<category><![CDATA[Masse]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizerdeutsch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=1325</guid>
		<description><![CDATA[Ach, ihr armen, bemitleidenswerten Menschen, die ihr Deutsch als Fremdsprache zu lernen habt! Nicht nur, dass in dieser herausfordernden Sprache das Gegenteil dasselbe sein kann (wie ich hier beschrieben habe). Nein. Manchmal ist es auch umgekehrt: Dasselbe ist dann das Gegenteil. Furchtbar. Vor einiger Zeit meldete &#8220;20 Minuten&#8221;, dass Bier gesund sei. Endlich! Unter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ach, ihr armen, bemitleidenswerten Menschen, die ihr <strong>Deutsch als Fremdsprache zu lernen habt! </strong>Nicht nur, dass in dieser herausfordernden Sprache das Gegenteil dasselbe sein kann (wie ich <a href="http://verstaendlich.ch/2009/07/11/das-gegenteil-ist-dasselbe/">hier</a> beschrieben habe). Nein. Manchmal ist es auch umgekehrt: Dasselbe ist dann das Gegenteil.</p>
<p>Furchtbar.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/bier-in-massen-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1326" title="Bier in Massen" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/bier-in-massen-web-300x211.jpg" alt="Zeitungsausschnitt: &quot;Bier in Massen getrunken ...&quot;" width="300" height="211" /></a>Vor einiger Zeit meldete &#8220;20 Minuten&#8221;, dass Bier gesund sei. Endlich! Unter dem Bild einer biertrinkenden Frau stand geschrieben:</p>
<blockquote><p>Bier – in Massen genossen – ist gesünder, als bisher angenommen wurde.</p></blockquote>
<p>So erfreulich die Nachricht ist, sie lässt mich rätseln: Dass ich Bier trinken soll, ist immerhin klar. Doch soll ich es gut dosiert trinken? Oder in rauhen Mengen?</p>
<h3>Das Drama der gleich lautenden Mehrzahl</h3>
<p>Der Satz kann tatsächlich beides bedeuten, und ganz allein für diese Doppeldeutigkeit verantwortlich ist das Wort <em>Massen</em>. Es ist <strong>eine Mehrzahlform, die sich zwei Wörter teilen:</strong></p>
<ul>
<li>das Mass (1)</li>
<li>die Masse (2)</li>
</ul>
<p>(Um die Verwirrung nicht über ein zumutbares Mass steigen zu lassen, versehe ich die Varianten mit Nummern.)</p>
<p>Sowohl <em>Mass</em> (1) wie auch <em>Masse</em> (2) werden in der Mehrzahl zu <em>Massen</em>. Zu unterscheiden sind sie dann nur noch <span id="more-1325"></span>durch ein langes oder kurzes A, was aber natürlich nur in der gesprochenen Sprache weiterhilft. Hier also nicht.</p>
<p>Steht das Mass (1) mit langem A hinter <em>in Massen</em>, bedeutet der Ausdruck soviel wie &#8220;massvoll&#8221;, also in vernünftigem Mass.</p>
<p>Steckt in <em>in Massen</em> jedoch die Masse (2, mit kurzem A), dann kann es gar nicht genug sein. &#8220;In rauhen Mengen&#8221;, soll das Bier dann getrunken werden.</p>
<p>Und das Drama: <strong>Im Schriftbild sind die beiden nicht zu unterscheiden.</strong></p>
<h3>Und als ob das noch nicht genug wäre: Mass (3)</h3>
<p>Deutsche Leser mögen sich nun ins Fäustchen lachen und denken: &#8220;Das habt Ihr  nun davon, dass ihr das ß nicht verwendet.&#8221; Tatsächlich hilft das hochdeutsche Eszett (so nennt man den mit ß geschriebenen Buchstaben) in diesem Fall bei der Unterscheidung: Das <em>Mass</em> (1) nämlich wird in Deutschland <em>Maß</em> (1) geschrieben, die <em>Masse</em> (2) aber wie in der Schweiz mit ss. Entsprechend <strong>könnte die Zweideutigkeit des Texts in Deutschland mit <em>in Maßen </em>(1) oder <em>in Massen</em> (2) vermieden werden.</strong></p>
<p>Oder?</p>
<p><strong>Zu früh gefreut!</strong></p>
<p>Im bierfreudigen Deutschland wird das Bier nämlich in einer Einheit serviert, die durch imposante Glaskrüge von 1 Liter Inhalt beeindruckt und <em>Mass</em> genannt wird. (Ich gebe dem Krug die Nummer 3.) In der Schweiz würde man <em>Mass</em> (3) schreiben (und die Verwirrung bei der Interpretation der Bildunteschrift mit dieser dritten Variante ins endgültig unerträgliche Mass (1) steigern). In Deutschland aber schreibt man den Bierkrug <em>Maß </em>(3) und in der Mehrzahl wird daraus <em>Maße</em> (3). Da hilft es auch wenig, dass es in der Einzahl <em>die Maß</em> (3) heisst und das Wort sich immerhin in seinem Geschlecht vom Mass/Maß (1) unterscheidet. <strong>In der Mehrzahl ist die Eindeutigkeit von Neuem dahin.</strong></p>
<p>Schreibt ein Deutscher also <em>in Maßen</em>, ist wohl klar, dass es nicht heissen kann, Bier sei in rauhen Mengen zu trinken (der Bezug auf <em>Masse</em> (2) ist dank ß ausgeschlossen). Er hat aber immerhin noch die Qual der Wahl zwischen dem Trinken in massvollen Mengen (1) oder in Mengen, die in gigantischen Krügen serviert werden (3). Letzteres dürfte man inhaltlich dann wohl ohne Gewaltanwendung mit (2) gleichsetzen</p>
<p>Daher: Egal ob diesseits oder jenseits unserer nördlichen Grenze: Zu bedauern bist du, der du dir das Deutsche als Fremdsprache erarbeiten musst; besonders, wenn du dabei gerne ab und zu ein Bier trinkst.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wörter: explosiv kreativ</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/01/09/worter-explosiv-kreativ/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2010/01/09/worter-explosiv-kreativ/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 09:25:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Free Writing]]></category>
		<category><![CDATA[Geschenke]]></category>
		<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibblockade]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=924</guid>
		<description><![CDATA[Ich hatte kürzlich Geburtstag und habe bei dieser Gelegenheit auch einige Geschenke bekommen. Darunter war eine Blechschachtel mit der viel versprechenden Aufschrift &#8220;Wörter für Cla&#8221;. In der Schachtel lagen 40 kreativ gestaltete Karten mit jeweils einem Wort. Wunderschön. Ich habe mir die Karten in der Runde meiner Gäste angesehen und war einmal mehr überrascht und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte kürzlich Geburtstag und habe bei dieser Gelegenheit auch einige Geschenke bekommen. Darunter war eine Blechschachtel mit der viel versprechenden Aufschrift &#8220;Wörter für Cla&#8221;. In der Schachtel lagen 40 kreativ gestaltete Karten mit jeweils einem Wort. Wunderschön.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/woerterkarten1.jpg"><img class="size-full wp-image-929 aligncenter" title="woerterkarten" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/woerterkarten1.jpg" alt="" width="600" height="432" /></a><span id="more-924"></span>Ich habe mir die Karten in der Runde meiner Gäste angesehen und war einmal mehr überrascht und bewegt von der schöpferischen Kraft, die in einem einzelnen Wort liegt. Die kreative und emotionale Darstellung hat das noch verstärkt. Jede einzelne Karte löste sofort einen Fluss von Ideen und Geschichten aus.</p>
<p style="text-align: left;">So zum Beispiel die <em>Nebensächlichkeit</em>, die sich so überhaupt nicht nebensächlich auf der ganzen Fläche der Karte ausbreitet. Richtig wichtig macht sie sich, ganz in Grossbuchstaben und farbig bis zur Schmerzgrenze. Diese Nebensächlichkeit will sich nicht von den Hauptsachen verdrängen lassen. Sie kämpft um ihren Platz &#8211; und das mit Erfolg. Immerhin habe ich sie ihren 39 Mitbewerbern vorgezogen, um hier über die kreative Wirkung von Wörtern zu schreiben. Ich habe mich von ihr täuschen lassen. Das können Wörter.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/nebensaechlichkeit.jpg"><img class="size-full wp-image-932 aligncenter" title="nebensaechlichkeit" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/nebensaechlichkeit.jpg" alt="" width="600" height="430" /></a>Auch die Herzensangelegenheit hat es mir angetan (am oberen rechten Bildrand im ersten Foto). Hier ist nichts mit gestalterischer Kreativität. Ganz nüchtern steht sie da, wenn auch immerhin rot geschrieben. Und erst jetzt, wenn ich mir das Wort so ansehe, wird mir bewusst, welche Spannung es in sich trägt: Das Herz verstehen wir als Sitz der Emotionen. <em>Herz </em>bedeutet schnell einmal <em>Liebe</em>. Die <em>Angelegenheit </em>dagegen ist bürokratisch, technisch, steril. Sie lässt mich an Traktandenlisten denken, an juristische Verfahren und an Diskussionen, in denen man die Dinge nicht beim Namen nennen will. Was hat sich die deutsche Sprache gedacht, als sie eine Wortschöpfung wie <em>Herzensangelegenheit</em> zuliess?</p>
<p style="text-align: left;">Dieses kreative Potenzial der Wörter lässt sich anzapfen: zum Beispiel, wenn die eigenen kreativen Quellen ausgetrocknet scheinen. Sich dann ein Wort vor Augen zu führen, es anzusehen und sich davon anstossen (oder auch abstossen) zu lassen, kann wahrhaft Wunder wirken. Schreibblockaden ade! Eine solche Wörterkarte ist ein starker Startpunkt für <a href="http://verstaendlich.ch/2009/04/04/free-writing-schreiben-im-freien-fall/">Free Writing</a>, und falls mir einmal die Ideen für meine Blogartikel ausgehen sollten, weiss ich auch, was ich zu tun habe. Denn manchmal hängt die verstopfte Leitung ja auch damit zusammen, dass zu viel möglich ist. Da hilft die selbst auferlegte Beschränkung. Irgendetwas zu schreiben ist ungleich schwieriger, als einer engen Vorgabe zu folgen, auch wenn wir sie auf den ersten Blick vielleicht als unüberwindbare Herausforderung empfinden. Die Aufgabe, 1000 Wörter über ein beliebiges Thema zu schreiben, kann viel herausfordernder sein, als 1000 Wörter über die Geschichte der polnischen Eishockey-Nationalliga zu verfassen &#8211; auch wenn ich rein gar nichts von Eishockey verstehe. Deshalb ziehe ich lieber eine Karte aus meiner Schachtel, zum Beispiel <em>Licht</em> (mit Buchstaben, die im Dunkeln leuchten) und lasse daraus einen Sternenhimmel von Ideen wachsen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2010/01/09/worter-explosiv-kreativ/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Gegenteil ist dasselbe.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/07/11/das-gegenteil-ist-dasselbe/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/07/11/das-gegenteil-ist-dasselbe/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 11 Jul 2009 05:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensgefahr]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammensetzung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=527</guid>
		<description><![CDATA[Neulich konnte ich wieder einmal über die Flexibilität der deutschen Sprache staunen. Das hat mich gefreut, und Freude teilt man gerne. Ich stand im Gang eines doppelstöckigen Intercityzuges und las, was es zu lesen gab: die Schilder an den Wänden. Dazu gehörte auch dieses: Neben der erfrischend bunt zusammengewürfelten Piktogrammsprache fiel mir der unterste Abschnitt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich konnte ich wieder einmal über die Flexibilität der deutschen Sprache staunen. Das hat mich gefreut, und Freude teilt man gerne. Ich stand im Gang eines doppelstöckigen Intercityzuges und las, was es zu lesen gab: die Schilder an den Wänden. Dazu gehörte auch dieses:</p>
<p><img style="border: 0px none; display: block; float: none; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="lebensgefahr_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/lebensgefahr_web_thumb.jpg" border="0" alt="lebensgefahr_web" width="454" height="342" /></p>
<p>Neben der erfrischend bunt zusammengewürfelten Piktogrammsprache fiel mir der unterste Abschnitt auf und daran die konzentrierte Warnung am Zeilenende in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch (es lebe die Vielsprachigkeit!):</p>
<blockquote><p>Lebensgefahr<br />
Danger de mort<br />
Pericolo di morte<br />
Risk of death</p></blockquote>
<p>Alle reden vom Tod, nur das Deutsche nicht. Das ist doch bemerkenswert. Da ich sprachlich nur unwesentlich weiter versiert bin als dieses Schild, kann ich hier einzig noch die griechische Variante anfügen: κίνδυνος θανάτου! (kindynos thanatοu!) – und auch die spricht vom Tod. Ganz schön bedrückend. Und im Gegensatz dazu belebend, wie frech die deutsche Sprache aus der Reihe tanzt. Dabei – und jetzt kommt der Clou – könnte man hier ja genauso gut <em>Todesgefahr </em>schreiben. Das würde auch funktionieren. <em>Lebensgefahr</em> und <em>Todesgefahr</em> bedeuten dasselbe. (Wenn Sprache Mathematik wäre, könnte man jetzt auf beiden Seiten <em>Gefahr</em> abziehen und hätte dann die paradoxe Gleichung <em>Leben = Tod</em>. Eine verführerische Gedankenspielerei.) Möglich ist so etwas, weil zusammengesetzte Wörter im Deutschen nicht immer nach dem gleichen Muster gestrickt werden. (Darüber habe ich <a href="http://verstaendlich.ch/2009/04/29/zusammensetzungen-hartgummi-oder-kinder/" target="_blank">hier</a> schon einmal geschrieben.) So bezeichnet der erste Teil der <em>Lebensgefahr</em> das gefährdete Objekt, während die <em>Todesgefahr</em> das Resultat vor Augen führt.</p>
<p>Bleibt die Frage, was denn nun angemessener ist. Und da muss ich zugeben, dass mir die eigenwillige deutsche Linie nur als zweitbeste Variante erscheint. Für diese Beurteilung ist der Kontext entscheidend, denn hier geht es ja nicht um eine Beschreibung, sondern um eine Warnung. Eine Warnung muss wirken. Und wirken wird sie wohl dann, wenn sie Emotionen erzeugt – und zwar ungute. <em>Todesgefahr</em> scheint mir schneller und direkter ein abschreckendes Bild vor Augen zu malen als <em>Lebensgefahr</em>. So empfinde ich das jedenfalls.</p>
<p>Wie sieht es in anderen Sprachen aus? Ich bitte meine fremdsprachenbegnadeten Leser, in den Kommentaren Varianten zu ergänzen. Es wäre doch interessant zu sehen, wie einsam das Deutsche mit seiner <em>Lebensgefahr</em> in der europäischen und globalen Sprachlandschaft tatsächlich dasteht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/07/11/das-gegenteil-ist-dasselbe/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>8</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ärztedeutsch</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/06/05/rztedeutsch/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/06/05/rztedeutsch/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2009 12:48:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Durchbruchschmerz]]></category>
		<category><![CDATA[Fachsprache]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=390</guid>
		<description><![CDATA[Fachsprachen haben es an sich, dass sie von nicht Eingeweihten nur schwer verstanden werden. Das gilt auch für den Mediziner-Jargon, ein Thema, das mich speziell interessiert, weil Verständigungsschwierigkeiten hier besonders belastend sein können. Die medizinische Fachsprache ist vor allem deshalb für Laien schwer verständlich, weil sie voll von Fremdwörtern ist. Da kann ein überraschendes deutsches [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fachsprachen haben es an sich, dass sie von nicht Eingeweihten nur schwer verstanden werden. Das gilt auch für den Mediziner-Jargon, ein Thema, das mich speziell interessiert, weil Verständigungsschwierigkeiten hier besonders belastend sein können. Die medizinische Fachsprache ist vor allem deshalb für Laien schwer verständlich, weil sie voll von Fremdwörtern ist. Da kann ein überraschendes deutsches Wort einschlagen wie eine Bombe, was mir (wie <a href="http://verstaendlich.ch/2009/02/13/erschlagen-von-einem-wort/" target="_blank">hier</a> berichtet) vor einigen Monaten geschah, als ich medizinische Texte überarbeitete. Nun wurde ich darauf aufmerksam gemacht (herzlichen Dank Rahel!), dass es neben dem dort entdeckten <em>Vernichtungsschmerz</em> auch den so genannten <em>Durchbruchschmerz </em>gibt. <em>palliative ch</em>, die Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung, behandelt dieses Thema in ihrer Frühlingsausgabe. Durchbruchschmerz wird dort definiert als</p>
<blockquote><p>&#8230; ein vorübergehender, starker Schmerzanstieg bei sonst gut kotrolliertem Basisschmerz.</p></blockquote>
<p>Die Art, wie der Artikel formuliert ist, lässt keinen Zweifel daran, dass es sich um einen Fachartikel handelt. Da heisst es zum Beispiel:</p>
<blockquote><p>Qualität und Ursprung: Einfach oder gemischt neuropathisch, nozizeptiv, somatisch oder viszeral (kolikartig oder nicht kolikartig).</p></blockquote>
<p>Und im Zentrum dieses für mich schwer zugänglichen Textes steht nun ein sehr deutsches, handfestes, überhaupt nicht gebildet klingendes Wort. Durchbruchschmerz. Ich frage mich: Warum? Sicher hätte ein Arzt einen angemessenen lateinisch- oder griechischstämmigen Begriff gefunden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass <em>Durchbruchschmerz</em> eine Notlösung ist. Aber vielleicht war denen, die diesen Begriff installiert haben, auch klar, dass kein Fremdwort einen Deutsch sprechenden Menschen spüren lassen kann, was er spürt, wenn er <em>Durchbruchschmerz</em> oder <em>Vernichtungsschmerz </em>hört. Ob mit der Wahl des Fachbegriffes dieser Effekt beabsichtigt wurde? Ich weiss es nicht, könnte es mir aber vorstellen. Schliesslich geht es um Kommunikation, darum, etwas zu vermitteln. Und dabei kommt nicht nur das Hirn als Empfangsorgan zum Einsatz, sondern auch der Bauch. Warum sollte er da nicht gezielt angesprochen werden, um eine Botschaft nicht nur verständlich, sondern eben spürbar zu machen?</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/06/05/rztedeutsch/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Zusammensetzungen: Hartgummi oder Kinder?</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/04/29/zusammensetzungen-hartgummi-oder-kinder/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/04/29/zusammensetzungen-hartgummi-oder-kinder/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 08:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Kompositum]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammensetzung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=333</guid>
		<description><![CDATA[Die Schweiz ist im Eishockeyfieber, ein bisschen jedenfalls. In unseren Stadien läuft die Weltmeisterschaft, und die Neue Zürcher Zeitung bietet nun täglich mehr oder weniger interessante Hintergrundinformationen zu diesem Sport, der meiner Meinung nach nicht so richtig zum gerade angebrochenen Frühling passen will. In der heutigen Ausgabe geht es um den Puck. Seine Entwicklung wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweiz ist im Eishockeyfieber, ein bisschen jedenfalls. In unseren Stadien läuft die Weltmeisterschaft, und die <a href="http://www.nzz.ch" target="_blank">Neue Zürcher Zeitung</a> bietet nun täglich mehr oder weniger interessante Hintergrundinformationen zu diesem Sport, der meiner Meinung nach nicht so richtig zum gerade angebrochenen Frühling passen will. In der heutigen Ausgabe geht es um den Puck. Seine Entwicklung wird an einer Reihe verschiedener Modelle gezeigt:</p>
<blockquote><p>Holzpuck – Lederpuck – Hartgummipuck – Kinderpuck</p></blockquote>
<p><em>Kinderpuck?</em> Der will nicht so recht in die Reihe passen. Meinem Empfinden nach erzeugt er kombiniert mit <em>Lederpuck</em> sogar sehr ungute Gefühle. Der Grund ist schnell erkannt: In den ersten drei Varianten bezeichnet der erste Teil des Wortes das Material, beim Kinderpuck aber die beabsichtigten Verwender. So ist das mit so genannten “Komposita”, also Wörtern, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt werden: Sie funktionieren unterschiedlich, wobei immer das erste Glied der Verbindung für diese Nuancen verantwortlich ist. Das zweite Glied (auch “Grundwort” genannt) bezeichnet zuverlässig, worum es eigentlich geht. In unserem Fall also um einen Puck. Der Puck-Artikel in der NZZ bietet eine weitere Variante und erwähnt den 1886 eingeführten <em>Achtkantpuck</em>. Hier bezeichnet das erste Glied weder Material noch Zielgruppe, sondern die Form.</p>
<p>Die innige Beziehung, die zwei Wörter eingehen, um ein neues Wort zu bilden, kann also sehr unterschiedliche Gründe haben. Immer jedoch dient das erste Wort dem zweiten als Ergänzung oder Präzisierung: Es kann das verwendete Material bezeichnen (<em>Hartgummipuck</em> oder <em>Strohdach</em> – nicht aber <em>Flachdach </em>oder <em>Kaffeekanne</em>), die Zielgruppe (<em>Kinderpuck</em> oder <em>Hundehütte</em> – nicht aber <em>Holzhütte</em> oder <em>Hundedreck</em>), die Form (<em>Achtkantpuck</em> oder <em>Kreissäge</em> – nicht aber <em>Stichsäge</em> oder <em>Küchenmesser</em>), den Zweck (<em>Teetasse</em> oder <em>Fleischmesser </em>– nicht aber <em>Springmesser </em>oder <em>Holzhammer</em>).</p>
<p>Die Reihe liesse sich noch lange fortsetzen. Zu bedenken wären beispielsweise: Taschenmesser, Küchenmesser, Handtasche, Streitlust, Heimweh, Abschlusszeugnis, Autoreifen, Bildungsreform …</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/04/29/zusammensetzungen-hartgummi-oder-kinder/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erschlagen von einem Wort</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/02/13/erschlagen-von-einem-wort/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/02/13/erschlagen-von-einem-wort/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 13 Feb 2009 06:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Wörter]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=263</guid>
		<description><![CDATA[In einem medizinischen Text (über Aortenaneurysmen, falls das jemanden interessiert) bin ich vor einigen Tagen auf ein Wort gestossen, das mich beinahe umgehauen hat, wie einer einen Baum umhaut. Vernichtungsschmerz Dieses Wort macht das Gemeinte (seine Bedeutung, wenn man so will) nicht nur versteh-, sondern spürbar. Dieses Wort tut weh. Als ich es las, fühlte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einem medizinischen Text (über Aortenaneurysmen, falls das jemanden interessiert) bin ich vor einigen Tagen auf ein Wort gestossen, das mich beinahe umgehauen hat, wie einer einen Baum umhaut.</p>
<blockquote><p>Vernichtungsschmerz</p></blockquote>
<p>Dieses Wort macht das Gemeinte (seine Bedeutung, wenn man so will) nicht nur versteh-, sondern <em>spürbar</em>. Dieses Wort tut weh. Als ich es las, fühlte ich das Kaputtgehen fast am eigenen Leib.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/vernichtungsschmerz-web.jpg" target="_blank"><img style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;" title="vernichtungsschmerz_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/vernichtungsschmerz-web-thumb.jpg" border="0" alt="vernichtungsschmerz_web" width="454" height="340" /></a></p>
<p>Erstaunlich, was ein Wort leisten kann, wieviel Kommunikationskraft in einem einfachen Begriff liegt. Ich will diese Wirkung hier nicht analysieren, nur feststellen. Bereits in früheren Beiträgen habe ich erwähnt, für wie wichtig ich das Bauchgefühl halte, wenn es darum geht, die Wirkung eines sprachlichen Ausdrucks zu beurteilen. Der <em>Vernichtungsschmerz </em>bestätigt das. Als ich einem Freund davon erzählte und das Wort nannte, verzog er sein Gesicht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/02/13/erschlagen-von-einem-wort/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Gut gerutscht?</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/01/07/gut-gerutscht/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/01/07/gut-gerutscht/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Jan 2009 08:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[rutschen]]></category>
		<category><![CDATA[theolobias]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=220</guid>
		<description><![CDATA[Natürlich gibt es immer wieder einmal Glatteis im Winter – also auch rund um den Jahreswechsel herum. Dass die verbreitete Rutscherei ins neue Jahr damit jedoch nichts zu tun hat, dafür aber mit etwas ganz anderem, klärt theolobias in einem kleinen feinen Beitrag zum Jahresende. Allen alles Gute für 2009!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/gut-gerutscht-web.jpg"><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; display: block; float: none; margin-left: auto; border-left: 0px; margin-right: auto; border-bottom: 0px" title="gut_gerutscht_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/gut-gerutscht-web-thumb.jpg" border="0" alt="gut_gerutscht_web" width="454" height="340" /></a></p>
<p>Natürlich gibt es immer wieder einmal Glatteis im Winter – also auch rund um den Jahreswechsel herum. Dass die verbreitete Rutscherei ins neue Jahr damit jedoch nichts zu tun hat, dafür aber mit etwas ganz anderem, klärt <a href="http://www.theolobias.de" target="_blank">theolobias</a> in einem <a href="http://www.theolobias.de/2008/12/31/einen-guten-rutsch/" target="_blank">kleinen feinen Beitrag</a> zum Jahresende.</p>
<p>Allen alles Gute für 2009!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/01/07/gut-gerutscht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein Wort zum Anfassen</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2008/12/24/ein-wort-zum-anfassen/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2008/12/24/ein-wort-zum-anfassen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 24 Dec 2008 07:24:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Zitate]]></category>
		<category><![CDATA[Johannesevangelium]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>
		<category><![CDATA[Wort]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=193</guid>
		<description><![CDATA[Das Ereignis, das dem Weihnachtsfest zugrunde liegt, wird im Johannesevangelium so knapp auf den Punkt gebracht, dass es beinahe schmerzt: Und das Wort wurde Fleisch. Wer an Sprache interessiert ist, muss ob diesem Satz in Verzückung geraten. Erstens liegt in der Kürze bekanntlich die Würze, und zweitens wird hier beschrieben, was sich jeder wünscht, der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Ereignis, das dem Weihnachtsfest zugrunde liegt, wird im Johannesevangelium so knapp auf den Punkt gebracht, dass es beinahe schmerzt:</p>
<blockquote><p>Und das Wort wurde Fleisch.</p></blockquote>
<p>Wer an Sprache interessiert ist, muss ob diesem Satz in Verzückung geraten. Erstens liegt in der Kürze bekanntlich die Würze, und zweitens wird hier beschrieben, was sich jeder wünscht, der redet oder schreibt: Das Wort wird fassbar. Lebendig. Aus dem Abstrakten wird etwas Konkretes.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/wort-zum-anfassen1.jpg" target="_blank"><img style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;" title="wort_zum_anfassen" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/wort-zum-anfassen-thumb1.jpg" border="0" alt="wort_zum_anfassen" width="454" height="340" /></a></p>
<p>Zurück zu Weihnachten: Das Johannesevangelium beginnt mit dem liebsten Bibelvers jedes Sprachwissenschaftlers:</p>
<blockquote><p>Am Anfang war das Wort.</p></blockquote>
<p>Dass dieses Wort, das immer schon dagewesen war, nun “Fleisch” wird, bildet den Kern des Weihnachtsgeschehens. Die Theologie nennt dieses Ereignis <em>Fleischwerdung</em> oder <em>Inkarnation</em>. (Das Mittelstück ist übrigens dasselbe wie im Chili con <em>Carne </em>– sprachlich jedenfalls.) In Jesus von Nazareth wurde der unfassbare Gott fassbar. Und wer das Ende der Geschichte kennt, weiss, dass das durchaus wörtlich zu verstehen ist. Dieses Wort ist daher Vorbild für viele weitere Wörter, die ebenfalls fassbar werden und Spuren hinterlassen sollen. Auf diesem Weg ermöglichen Wörter Kommunikation, Verständnis, Gemeinschaft. Auch das ist gut zu erkennen an Jesus von Nazareth, der – wie es scheint – mehr Zeit mit Essen und Trinken als mit Predigen verbrachte.</p>
<p>Frohe Weihnachten!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2008/12/24/ein-wort-zum-anfassen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wenn W&#246;rter Abstand schaffen</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2008/12/17/wenn-wrter-abstand-schaffen/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2008/12/17/wenn-wrter-abstand-schaffen/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2008 07:58:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Distanzsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Nähe]]></category>
		<category><![CDATA[Schulz von Thun]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=178</guid>
		<description><![CDATA[Aus dem fernen Kiew hat mich vor zwei Tagen ein Mail meiner Schwägerin erreicht. Es enthielt unter anderem auch sprachlich Bedenkenswertes: Und zum Abschluss schicke ich dir noch einen Gedanken zu meinem Büropostfach, in dem ich vor einigen Wochen eine Nachricht mit der Bitte um &#8220;zeitnahe&#8221; Antwort fand. Dieses Wort ist mir schon öfters untergekommen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Aus dem fernen Kiew hat mich vor zwei Tagen ein Mail meiner Schwägerin erreicht. Es enthielt unter anderem auch sprachlich Bedenkenswertes:</p>
<blockquote><p>Und zum Abschluss schicke ich dir noch einen Gedanken zu meinem Büropostfach, in dem ich vor einigen Wochen eine Nachricht mit der Bitte um &#8220;zeitnahe&#8221; Antwort fand. Dieses Wort ist mir schon öfters untergekommen und wirkt auf mich sicher nicht beschleunigend, es stimmt eher nachdenklich. Leben wir etwa in einem Vakuum oder abgetrennt von der Zeit, hasten wir der Zeit tatsächlich andauernd hinterher oder sind ihr voraus? Können wir die Distanz zur Zeit beeinflussen?</p></blockquote>
<p>Ich muss zugeben, dass mir das Wort <em>zeitnah</em> überhaupt nicht geläufig ist. Das liegt wohl am schweizerischen Umfeld, denn auch ich lebe durchaus in einer Welt, in der man es oft eilig hat. Und genau darum scheint es bei <em>zeitnah</em> zu gehen. Die Bedeutung des Wortes ist also immerhin recht schnell – zeitnah eben – zu erfassen. Abgesehen davon beschleicht jedoch auch mich Unbehagen bei der Vorstellung, um eine zeitnahe Antwort gebeten zu werden. Das Wort wirkt auf mich unsympathisch und steril – und dies nicht nur, weil seine Bauweise etwas irritiert. (Nahe an der Zeit? An welcher Zeit denn?)</p>
<p>Erstens weckt es mein Misstrauen. Warum kann man nicht <em>baldig</em> sagen? Oder <em>schnell</em>? Was ist denn an diesen Wörtern nicht mehr gut genug? Welcher Unterschied besteht zwischen folgenden zwei Sätzen:</p>
<ol>
<li>Ich bitte Sie um eine schnelle Antwort.</li>
<li>Ich bitte Sie um eine zeitnahe Antwort.</li>
</ol>
<p>Bei 2 habe ich den Eindruck, dass der Verfasser zwar <em>schnell</em> meint, das Wort aber nicht verwenden will. Vielleicht scheint es ihm zu direkt, und er hat Angst, unhöflich zu wirken. Dabei ist unsere Sprache doch genau dafür da: Sie hilft uns zu sagen, was wir meinen. Und da ist der direkte Weg meist der ehrlichste. Ein solcher Satz steht ja auch in einem Kontext, welcher deutlich macht, wie höflich oder unhöflich eine Aussage gemeint ist.</p>
<p>Zweitens klingt <em>zeitnah</em> für mich nach typischem Bürokratenjargon, der von Wörtern und Formulierungen strotzt, die nach mehr klingen als sie bedeuten. Auf den ersten Blick erwecken sie den Eindruck, dass sich jemand ganz besonders gewählt und gehoben auszudrücken weiss. Dabei verbirgt sich hinter diesen Blähformulierungen nicht mehr als ein in heisse Luft gehülltes einfacheres Wort. Das unsympathische <em>Zeitnah</em> ist ein klares, sauberes <em>Schnell</em> mit einem Minderwertigkeitskomplex. Leider erzielen diese aufgeblasenen Formulierungen jedoch oft die gewünschte Wirkung: Sie machen Eindruck. Gleichzeitig vermitteln sie ein Gefühl von Distanz. Satz 1 von oben ist nicht nur klarer und mit weniger Aufwand zu verstehen, er gibt mir auch das Gefühl, dass der Verfasser mir näher steht als jener von Satz 2. Das künstlich wirkende <em>zeitnah</em> rückt den Verfasser (und damit auch sein Anliegen) in die Ferne. Den gleichen Effekt stellte ich vorhin beim Radiohören fest, als eine Sprecherin der Polizei vom “grossen Verkehrsaufkommen” redete. Warum sagt sie nicht einfach “viel Verkehr”? Ich vermute, um ihren Expertenstatus zu unterstreichen und den Eindruck zu vermitteln, dass sie weiss, wovon sie spricht. Im Gegensatz zum Zuhörer.</p>
<p>Der deutsche Psychologie Friedemann Schulz von Thun beschreibt in seinem Klassiker <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499174898?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499174898" target="_blank">Miteinander reden, Band 1</a> ausführlich die distanzierende Wirkung gewisser Formulierungen (er nennt dies “Imponier-“ und “Fassadentechniken”), welche sowohl bewusst wie auch unbewusst eingesetzt werden. Seine Ausführungen helfen dabei, die eigene Sprache deutlicher wahrzunehmen und so zu gestalten, dass das geschieht, was geschehen soll, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen: eine Annäherung.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2008/12/17/wenn-wrter-abstand-schaffen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>und</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2008/07/08/und/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2008/07/08/und/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2008 12:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://gleiser.ch/WordPress/?p=9</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Mit &#8216;und&#8217; beginnt man keinen Satz!&#8221; Das hatte ich in der Schule gelernt. Als ich mir vor kurzem wieder einmal &#8220;The Queen and the Soldier&#8221; der amerikanischen Liedermacherin Suzanne Vega anhörte, fiel mir auf, wie grosszügig Frau Vega ihre kurzen Hauptsätze mit dem angeblich unwerten weil unpräzisen Wort verbindet. Mir fiel auch auf, welchen Effekt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Mit &#8216;und&#8217; beginnt man keinen Satz!&#8221; Das hatte ich in der Schule gelernt. Als ich mir vor kurzem wieder einmal &#8220;The Queen and the Soldier&#8221; der amerikanischen Liedermacherin Suzanne Vega anhörte, fiel mir auf, wie grosszügig Frau Vega ihre kurzen Hauptsätze mit dem angeblich unwerten weil unpräzisen Wort verbindet. Mir fiel auch auf, welchen Effekt das bei mir hatte. Zum Beispiel in der fünften Strophe:</p>
<blockquote><p>Well the young Queen she fixed him with an arrogant eye.<br />
She said: &#8220;You won&#8217;t understand and you may as well not try.&#8221;<br />
But her face was a child&#8217;s and he thought she would cry.<br />
And she closed herself up like a fan.</p></blockquote>
<p>Und meine etwas holprige Übersetzung:</p>
<blockquote><p>Die junge Königin sah ihn arrogant an.<br />
Sie sagte: &#8220;Das verstehst du nicht, musst es gar nicht erst versuchen.&#8221;<br />
Doch ihr Gesicht war das eines Kindes und er dachte, sie würde weinen.<br />
Und sie verschloss sich wie ein Fächer.</p></blockquote>
<p>Das &#8220;Und&#8221; in der letzten Zeile wirkt überhaupt nicht schwach. Schon gar nicht weckt es den Eindruck, Frau Vega habe halt nichts Treffenderes gefunden. Vielmehr verstärkt diese neutrale Verknüpfung die Spannung zwischen den letzten beiden Sätzen, ja, ich möchte sagen, es verhilft ihnen erst zur vollen Schönheit, lässt sie ihre Kraft ganz entfalten &#8211; viel mehr, als es mit &#8220;aber&#8221; oder &#8220;jedoch&#8221; möglich gewesen wäre. Das schwache &#8220;Und&#8221; stellt sich ganz in den Dienst der Sätze, die es zueinander in Beziehung bringt. Schön.</p>
<p>Und hier noch die musikalische Inspiration zu diesem Artikel:</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/Dt0sXRBLfJM&amp;hl=en&amp;fs=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/Dt0sXRBLfJM&amp;hl=en&amp;fs=1" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Und jetzt beginnt dieser Blog.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2008/07/08/und/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

