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	<title>verständlich</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Wie man eine kraftlose Bildsprache entwickelt.</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 10:04:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Widerspruch]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine grosse, klaffende, rot-schwarze Wunde, aus der binnen Sekunden das Leben herausgesickert sein musste. Was stimmt an dieser Beschreibung (aus dem Hörbuch &#8220;Die Anstalt&#8221; von John Katzenbach) nicht? – Dasselbe wie an diesem Bild: Ein grünes Verbotsschild? Das geht doch nicht! Der (man würde denken offensichtliche) Widerspruch zwischen Grün und Durchgestrichen sabotiert die Wirkung des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Eine grosse, klaffende, rot-schwarze Wunde, aus der binnen Sekunden das Leben herausgesickert sein musste.</p></blockquote>
<p>Was stimmt an dieser Beschreibung (aus dem Hörbuch &#8220;Die Anstalt&#8221; von John Katzenbach) nicht? – Dasselbe wie an diesem Bild:</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/gruenes-rauchverbot.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1479" title="Rauchverbot in Grün" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/gruenes-rauchverbot-300x235.jpg" alt="Rauchverbot in Grün" width="300" height="235" /></a>Ein grünes Verbotsschild? Das geht doch nicht! <strong>Der (man würde denken offensichtliche) Widerspruch zwischen Grün und Durchgestrichen sabotiert die Wirkung des Schildes</strong>, welches statt Gehorsam eher Verwirrung stiften dürfte. (Man könnte sich zum Beispiel fragen, ob es vielleicht darum geht, dass Nichtrauchen erlaubt ist?) <strong>Das Resultat: Die Nachricht kommt nur über Umwege ans Ziel.</strong> Wen wundert es da, dass mit dem roten Aufkleber die Unsicherheit  beseitigt werden musste, damit auch jeder versteht: Es ist tatsächlich  ein Verbot!</p>
<p>Auch der eingangs zitierte Text enthält einen solchen <strong>inneren Widerspruch, der die Wirkung der an sich drastischen Beschreibung bremst. </strong><span id="more-1478"></span>Da ist zunächst von einer &#8220;grossen, klaffenden&#8221; Wunde (im Hals übrigens) die Rede, aus der das Blut und damit das Leben nur so heraus– ja, was jetzt? <em>Sickert</em> jedenfalls sicher nicht. Denn sickern geht langsam. Langsam ist ein fester Bestandteil der Bedeutung von <em>sickern</em>. Ein weiterer wäre (jedenfalls meinem Sprachempfinden nach), dass eine Flüssigkeit sich beim Sickern einen Weg sucht, der eigentlich nicht direkt frei ist. Wasser sickert zum Beispiel durch den Boden des Badezimmers ins Wohnzimmer des Nachbarn unter mir. Oder die nicht über alle Zweifel erhabene Substanz aus den nur notdürftig verscharrten und durchgerosteten Fässern sickert ins Grundwasser. Aber ganz bestimmt würde kein Fluss der Welt durch sein Bett sickern. Auch ein Wasserfall sickert nie und nimmer in die Tiefe, genauso wenig wie aus einem angezapften Fass Bier oder sonst etwas sickert. Eine Flüssigkeit sickert dann, wenn sie einen Weg findet, wo eigentlich keiner ist. Im Bild, das hier in üppiger (und nach meinem Geschmack etwas schwülstiger) Sprache heraufbeschworen wird, geht es aber genau ums Gegenteil: Die Wunde bedeutet freie Bahn für das Blut! Das sprudelt dann nur so. Oder spritzt. Oder strömt. Sicher aber sickert es nicht.</p>
<p>Sich bildhaft auszudrücken, ist eine der grössten sprachlichen Tugenden. Eine bildhafte Sprache macht das Lesen oder Zuhören viel interessanter und auch fruchtbarer: Es bleibt einfach viel mehr im Gedächtnis haften als bei abstrakten Formulierungen. <strong>Wer bildhaft redet, hat zudem die Chance, seine Botschaft bei Lesern und Zuhörern richtig tief zu verankern.</strong> Das hat dann nicht mehr in erster Linie mit Denken und Argumenten zu tun, sondern mit Bildern, die ich platziere und die im Kopf oder im Bauch ihre Wirkung entfalten.</p>
<p>Ein Beispiel aus dem fiktiven Jahresbericht einer fiktiven Reinigungsfirma, die in eine Flotte des Staubsaugers &#8220;Sucker V-21&#8243; (mit Pollen- und Milbenfilter und kosmischer Saugleistung) investiert hat:</p>
<blockquote><p>Die Geschäftsleitung ist überzeugt, mit dieser Entscheidung den Grundstein für den Weg zur Nummer 1 unter den Schweizer Reinigungsunternehmen gelegt zu haben.</p></blockquote>
<p>Diesen Satz kann man so zur Kenntnis nehmen, ohne sich an irgendetwas zu stören. Und doch: eine vertane Chance. Denn dynamisch ist das nicht. Das Bild vom Weg zur Nummer 1, das Bewegung bedeutet und die Dynamik des Unternehmens unterstreichen soll, wird sabotiert vom Bild des Grundsteins. Der Grundstein nämlich ist der Inbegriff von Stabilität. Er <em>darf</em> sich nicht bewegen, alle anderen Steine, die auf ihm liegen, verlassen sich darauf! Deshalb vermittelt der Grundstein das Gegenteil von Dynamik und ist hier vor allem einmal Klotz am Fuss dessen, was eigentlich kommuniziert werden will: Wir bewegen uns!</p>
<p><strong>Eine kraftlose Bildsprache entwickelt man am einfachsten, indem man Bilder kombiniert, die sich widersprechen.</strong> Je massiver der Widerspruch, desto gründlicher die Neutralisierung. Solche Bilder zu kombinieren ist noch nicht einmal aufwändig. In der Regel geht das von ganz alleine, wenn man einen Text mit den erstbesten bildhaften Begriffen anreichert.</p>
<p><strong>Wesentlich aufwändiger ist es, eine starke Bildsprache zu entwickeln und zu pflegen.</strong> Die Geschäftsleitung unseres Reinigungsunternehmens ist herausgefordert, ihre Gedanken über Zukunft, Entwicklung, Vorangehen und Wachstum konsequent mit dynamischen Begriffen zu unterstreichen und so das Bild zu vermitteln, das sie vermitteln will:</p>
<p>Wir gehen voran!</p>
<p>Mehr dazu demnächst.</p>
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		<title>Übersetzt – doch wohin?</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/08/28/ubersetzt-%e2%80%93-doch-wohin/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Aug 2010 07:18:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[übersetzen]]></category>
		<category><![CDATA[Internetübersetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein anstrengender Tag liegt hinter mir. Daher heute einfach nochmals ein Fundstück. Die Ferien sind in dieser Hinsicht ja sehr ergiebig, weil es gerade in Tourismusgebieten immer wieder sprachliche Kuriositäten zu entdecken gibt. Man hat schliesslich viel mitzuteilen und will von allen verstanden werden. Diese Aufnahme hat hat mir Stefan zugeschickt (Danke!). Sie demonstriert die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/drahtseilbahn.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1472" title="Keiner Abonnements rechtsgültig!" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/drahtseilbahn-300x225.jpg" alt="Keiner Abonnements rechtsgültig!" width="300" height="225" /></a>Ein anstrengender Tag liegt hinter mir. Daher heute einfach nochmals ein Fundstück. Die Ferien sind in dieser Hinsicht ja sehr ergiebig, weil es gerade in Tourismusgebieten immer wieder sprachliche Kuriositäten zu entdecken gibt. Man hat schliesslich viel mitzuteilen und will von allen verstanden werden. Diese Aufnahme hat hat mir Stefan zugeschickt (Danke!). Sie demonstriert die Abgründe, die sich auftun, wenn wir uns bei der Übersetzungsarbeit auf das Internet verlassen.</p>
<p>Das Beispiel zeigt auch, dass ein Satz eben mehr ist als eine Aneinanderreihung von Wörtern. Darum bedeutet Übersetzen auch mehr, als für eine Reihe von Wörtern ein jeweils gleichbedeutendes zu finden.</p>
<p>Übrigens: Auch die englische Version hat einen hohen Unterhaltungswert.</p>
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		<title>richtig – richtiger &#8211; am richtigsten</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Aug 2010 06:59:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Steigerung]]></category>
		<category><![CDATA[verbale Watte]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt verschiedene Gründe, einen Missgriff nicht einfach als &#8220;Fehler&#8221; oder als &#8220;falsch&#8221; zu bezeichnen. Und es gibt verschiedene Methoden, einen klaren kritischen Positionsbezug mehr oder weniger elegant zu umschiffen. Blick.ch zitiert den Bischofsvikar des Bistums Chur mit einem Kommentar zur Anstellung eines Priesters, der sich über Jahre  sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Auf die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt verschiedene Gründe, einen Missgriff nicht einfach als &#8220;Fehler&#8221; oder als &#8220;falsch&#8221; zu bezeichnen. Und es gibt <strong>verschiedene Methoden, einen klaren kritischen Positionsbezug mehr oder weniger elegant zu umschiffen.</strong></p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/richtiger.png"><img class="alignleft size-medium wp-image-1449" title="richtiger" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/richtiger-300x291.png" alt="" width="300" height="291" /></a>Blick.ch zitiert den Bischofsvikar des Bistums Chur mit einem Kommentar zur Anstellung eines Priesters, der sich über Jahre  sexueller Übergriffe schuldig gemacht hat. Auf die Frage, ob er vom Verhalten des Klosters enttäuscht sei, welches von den Übergriffen gewusst, das Bistum aber nicht informiert hatte, antwortet der Bischofsvikar:</p>
<blockquote><p>Natürlich wäre es richtiger gewesen, man hätte uns darüber informiert.</p></blockquote>
<p>Richtiger?</p>
<p>Was lässt sich aus dieser eigenartigen Steigerung von &#8220;richtig&#8221; folgern? – <strong>Dass es so, wie es gelaufen ist, auch richtig war, aber halt eben etwas weniger richtig.</strong> Vielleicht auch nur ein bisschen richtig oder durchschnittlich richtig. Auf jeden Fall aber auch richtig – und damit nicht falsch.</p>
<p>Es hat also niemand einen Fehler gemacht. Wir sind erleichtert.<span id="more-1448"></span></p>
<p>Hätte Casetti gesagt: &#8220;Natürlich wäre es richtig gewesen, man hätte uns darüber informiert&#8221;, dann hätte er damit ausgedrückt, dass das Vorgehen nicht richtig gewesen war. <strong>Und <em>nicht richtig</em> bedeutet <em>falsch.</em></strong></p>
<p>Aua.</p>
<p>Ich weiss nicht, ob er das nicht sagen wollte oder konnte oder durfte. Doch sicher wäre es die angemessene Art gewesen, von solchem Versagen zu sprechen.</p>
<p>Und die korrekte. Denn &#8220;richtiger&#8221; ist ja eigentlich eine ziemlich widersinnige Verlegenheitssteigerung. Das wird spätestens dann klar, wenn man die ganze Steigerungsfolge ansieht:</p>
<p>richtig – richtiger – am richtigsten</p>
<p>In der Schule war ich wiederholt mit meinen Lehrern aneinandergeraten, weil sie partout nicht einsehen wollten, dass ich wenn auch nicht die richtigste, so doch immerhin eine richtige Lösung vorgelegt hatte. Jedenfalls sicher eine richtigere als manch anderer in meiner Klasse. Doch es half alles nichts: Für sie war immer nur das Beste (also das Richtigste) gut genug.</p>
<p><strong>Wer <em>richtig</em> steigert, begeht Selbstwiderspruch.</strong> Das Wort trägt in sich einen radikalen Kontrastwert, der ausser Schwarz und Weiss nichts zulässt. Wer &#8220;richtig&#8221; sagt, sagt darum meistens auch &#8220;falsch&#8221; – wenn auch nicht explizit. Die Äusserung des Bischofsvikars zeigt dies: Hätte er &#8220;richtig&#8221; gesagt (statt &#8220;richtiger&#8221;), wäre daraus auch deutlich &#8220;falsch&#8221; zu hören gewesen.<em> Richtig</em> und <em>falsch</em> bilden ein unzertrennliches Paar, das es sich an den gegenüberliegenden Enden eines langen Tisches bequem gemacht hat und nicht voneinander lassen will. <strong><em>Richtig</em> und <em>falsch</em> sind Gegenteile, zwischen denen keine Grautöne liegen.</strong> (Ganz anders zum Beispiel als <em>gross</em> und <em>klein</em>.) Genau diese Grautöne sind es jedoch, die bei einer Steigerung ausgedrückt werden.</p>
<p>Dank an Roman für die Anregung zu diesem Beitrag.</p>
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		<title>Schmetterlingsverbot für Zombies</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 06:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[missverständn]]></category>
		<category><![CDATA[Schmetterlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Zombies]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Schmetterlinge-tot-oder-lebendig-web.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1440" title="Schmetterlinge tot oder lebendig web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Schmetterlinge-tot-oder-lebendig-web.jpg" alt="" width="610" height="425" /></a></p>
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		<title>Lange Wörter sind wichtige Wörter. – Wirklich?</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/08/03/lange-worter-sind-wichtige-worter-%e2%80%93-wirklich/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Aug 2010 10:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blähsprache]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Leider weiss ich nicht mehr, über welchen Newsletter-Kanal mich diese Empfehlung erreicht hat. Man verzeihe mir daher bitte die fehlende Quellenangabe. Das Rezept ist einfach: Ein über die Seite gezogenes Lineal gibt immer eine Textzeile frei, die dann von den Augen ganz schnell erfasst werden muss. So wird das Lesen schneller und effektiver. Erstaunt hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lange-Woerter-wichtige-Woerter.png"><img class="alignleft size-full wp-image-1414" title="lange Woerter - wichtige Woerter" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lange-Woerter-wichtige-Woerter.png" alt="" width="281" height="165" /></a>Leider weiss ich nicht mehr, über welchen Newsletter-Kanal mich diese Empfehlung erreicht hat. Man verzeihe mir daher bitte die fehlende Quellenangabe.</p>
<p>Das Rezept ist einfach: Ein über die Seite gezogenes Lineal gibt immer eine Textzeile frei, die dann von den Augen ganz schnell erfasst werden muss. <strong>So wird das Lesen schneller und effektiver.</strong></p>
<p>Erstaunt hat mich der Hinweis im letzten Abschnitt:</p>
<blockquote><p>Geübte Anwender dieser Methode erfassen mit einem Blick alle langen – das heisst für das Verständnis eines Textes wichtigen – Wörter auf 1 Blick.</p></blockquote>
<p><strong>Die langen Wörter sollen zwingend auch die wichtigen sein?</strong> Was ist denn das für eine eigenartige Logik?</p>
<p>Das will ich ausprobieren. Und welcher Text wäre dafür besser geeignet als der, der dieses Vorgehen empfiehlt? Welches sind seine wichtigen Wörter? Ich gehe dabei ganz mechanisch vor und <strong>bestimme pro Zeile die zwei längsten Wörter.</strong> (Ja, genau, ich messe die Pixel nach.) Das Resultat:<span id="more-1413"></span></p>
<blockquote><p>langsam, gezogen – Vorschein, Augen – huschen, Präpositionen – übersehen, automatisch – zusammengefügt, Anwender – Methode, erfassen – Verständnis, wichtigen</p></blockquote>
<p>Ich gebe zu, dass da einiges Relevantes enthalten ist. Und doch bezweifle ich, dass wir hier ein nachvollziehbares Konzentrat vor uns haben.</p>
<p>Jetzt versuche ich es einmal, indem ich mich von meinem Bauch leiten lasse und <strong>die beiden wichtigsten Wörter pro Zeile auswähle, ganz nach meinem Geschmack </strong>und ganz ohne auf die Länge zu achten:</p>
<blockquote><p>Lineal, gezogen – Zeile, Vorschein – grossen Worte – Gehirn, automatisch – Ganzen, zusammengefügt – Blick (auf dieser Zeile reicht 1 Wort) – wichtigen Wörter</p></blockquote>
<p>Diese Wortkette (obwohl um einen Begriff kürzer) gibt den Inhalt des Abschnittes viel zuverlässiger wieder. Das geht also auch mit kurzen Wörtern! Wer hätte das gedacht?</p>
<p>Ich will nicht unfair sein und gestehe darum gerne (halbwegs wenigstens) ein, dass die Empfehlung, auf die langen Wörter zu achten, durchaus auch etwas Sinnvolles hat. Sie kann mir bei der visuellen Orientierung auf einer beschriebenen Seite helfen, am Kleinkram vorbeizulesen (im Text werden &#8220;Artikel und Präpositionen&#8221; genannt). Und das wiederum kann das Lesen tatsächlich beschleunigen.</p>
<p>Und doch:</p>
<p><strong>Die Gleichung &#8220;lange Wörter = wichtige Wörter&#8221; halte ich für Unsinn.</strong> Sie müsste eigentlich mit einer Packungsbeilage versehen werden: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine regelmässig auftretende Nebenwirkung sind  Verbalblähungen.</p>
<p>Und mehr als das:</p>
<p><strong>Zu welcher Art von Reden und Schreiben  führt eine solche Faustregel?</strong> Mögen wir vor jenen bewahrt bleiben, die glauben, etwas Wichtiges zu sagen zu haben und das in Zukunft mit möglichst langen Wörtern tun wollen!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>César Keiser: d Macht vom Dialäggt</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Jul 2010 05:46:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schweizerdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[César Keiser]]></category>
		<category><![CDATA[Dialekt]]></category>
		<category><![CDATA[Kabarett]]></category>
		<category><![CDATA[Mundart]]></category>

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		<description><![CDATA[Um die Sommerlöcher im Programm zu stopfen, haben die Archivare beim Schweizer Fernsehen offenbar tief gegraben. Dabei ist auch dieses Juwel des grossen Schweizer Kabarettisten César Keiser (1925 &#8211; 2007)  ans Tageslicht befördert worden. Mir war die Nummer bisher nicht bekannt: eine rasante Fahrt durch das Bermudadreieck der Schweizer Dialekte: Basel &#8211; Bern &#8211; Zürich. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Um die Sommerlöcher im Programm zu stopfen, haben die Archivare beim Schweizer Fernsehen offenbar tief gegraben. Dabei ist auch dieses Juwel des grossen Schweizer Kabarettisten <a href="http://www.cesarkeiser.ch/">César Keiser</a> (1925 &#8211; 2007)  ans Tageslicht befördert worden. Mir war die Nummer bisher nicht bekannt: eine rasante Fahrt durch das Bermudadreieck der Schweizer Dialekte: Basel &#8211; Bern &#8211; Zürich. Und auch die Übersetzung ins Hochdeutsche fehlt nicht.<br />
<object style="width: 640px; height: 386px;" classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="100" height="100" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="data" value="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/e0fbefea-bea2-416e-9a83-5e8a2babe49a" /><param name="quality" value="high" /><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="src" value="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/e0fbefea-bea2-416e-9a83-5e8a2babe49a" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed style="width: 640px; height: 386px;" type="application/x-shockwave-flash" width="100" height="100" src="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/e0fbefea-bea2-416e-9a83-5e8a2babe49a" allowfullscreen="true" quality="high" data="http://www.sf.tv/videoplayer/embed/e0fbefea-bea2-416e-9a83-5e8a2babe49a"></embed></object></p>
<p><a href="http://www.videoportal.sf.tv/sendung?id=67d390eb-4b5d-4d33-a4fd-89db0f45d521" target="_blank">Hier</a> gibt es noch mehr davon. (Aber erst nach Feierabend ansehen, gället!)</p>
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		</item>
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		<title>Der 100. Artikel: Ein spezielles Geschenk!</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 05:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Feier des 100. Artikels nehme ich heute einen halben Tag frei. Auf bald!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/artikel100-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1322" title="Der 100. Artikel" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/artikel100-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Zur Feier des 100. Artikels nehme ich heute einen halben Tag frei.</p>
<p>Auf bald!</p>
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		</item>
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		<title>Wie wir uns verstehen: Sprache als Vereinbarung</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/07/23/wie-wir-uns-verstehen-sprache-als-vereinbarung/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 09:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Buchstaben]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdsprache]]></category>
		<category><![CDATA[Korea]]></category>
		<category><![CDATA[Piktogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Schrift]]></category>
		<category><![CDATA[Schriftzeichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Aus Korea hat mich dieses Foto erreicht (Danke, Simon!), das neben seinem Unterhaltungswert auch viel über die Funktionsweise unserer Sprache verrät, besonders unserer geschriebenen Sprache. Dass der koreanische Schriftenmaler (oder wie auch immer der Gestalter dieser Tafel zu nennen ist) sich hier vertan hat, ist lustig, stellt uns aber als Touristen in Korea vor keinerlei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/korea-restdurdnt-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1370" title="Restdurdnt in Korea" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/korea-restdurdnt-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Aus Korea hat mich dieses Foto erreicht (Danke, Simon!), das neben seinem Unterhaltungswert auch <strong>viel über die Funktionsweise unserer Sprache verrät</strong>, besonders unserer geschriebenen Sprache.</p>
<p>Dass der koreanische Schriftenmaler (oder wie auch immer der Gestalter dieser Tafel zu nennen ist) sich hier vertan hat, ist lustig, stellt uns aber als Touristen in Korea vor keinerlei Probleme. <strong>Nicht einmal Kopfzerbrechen ist nötig, um sofort zu verstehen, dass hier nicht ein Restdurdnt, sondern ein Restaurant zu finden ist.</strong> Für diese blitzschnelle Klärung gibt es verschiedene Gründe:</p>
<ul>
<li>Es sind nur 2 von 10 Buchstaben falsch. Das Wort ist lange genug, dass wir von den korrekten Teilen das Ganze ableiten können.</li>
<li>Der gleiche Fehler kommt zweimal vor, es ist also eigentlich nur ein Fehler.</li>
<li>Das Piktogramm mit Messer und Gabel räumt alle Zweifel aus.</li>
<li><em>d</em> sieht fast gleich aus wie <em>a</em>, das eigentlich hier stehen müsste.</li>
</ul>
<p>Dem letzten Grund möchte ich noch etwas nachhängen.<span id="more-1369"></span></p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000EOUKCU?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000EOUKCU"><img class="alignright" style="border: 0pt none;" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/51GokXXFnSL._SL160_.jpg" border="0" alt="" width="113" height="160" /></a>Als vor acht oder so Jahren die Komödie &#8220;<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000EOUKCU?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000EOUKCU" target="_blank">My Big Fat Greek Wedding</a>&#8221; in den Kinos lief, wurde in der Typografie auf den Plakaten mit dem gleichen Effekt gespielt. Dort hiess es: MY BIG FAT GRΣΣK WEDDING. Das E wurde mit dem griechischen Σ ersetzt. Dies allein aufgrund der optischen Ähnlichkeit, denn Σ steht für einen s-Laut. Ein für Griechisch Sprechende etwas irritierender Effekt. (Aus zuverlässiger Quelle weiss ich jedoch, dass das nicht der Grund dafür war, dass die Griechen an dem Film keine Freude hatten. Er war einfach zu nahe an der Wirklichkeit.)</p>
<p>Die Ähnlichkeit zwischen <em>a</em> und <em>d</em> ist sicher auch der Grund für den Fehler. <strong>Der Gestalter hat sich einfach vertan, als er die für ihn fremden Buchstaben ihrer Form nach erkennen musste.</strong> Mir ginge es genau gleich, müsste ich koreanisch schreiben. Wenn ich mir die Schriftzeichen über dem Restdurdnteingdng ansehe, sehe ich keine Buchstaben, sondern Kombinationen von Strichen, Kreisen und Bögen. Müsste ich sie kopieren, wären Fehler sehr wahrscheinlich. Mir bliebe nämlich nichts anderes übrig, als hochkonzentriert Strich um Strich möglichst präzise nachzumalen. Ganz anders mit &#8220;meinem&#8221; Alphabet. Da weiss ich genau, worauf es bei jedem Zeichen ankommt und welchen Spielraum ich für meine persönliche Handschrift habe. (Manchmal reize ich diesen Spielraum allerdings etwas aus.) In meiner eigenen Schrift ist mir überhaupt nicht mehr bewusst, was mir das Nachmalen unvertrauter Schriftzeichen deutlich zu spüren gibt: <strong>Buchstaben sind Zeichnungen.</strong></p>
<p>Buchstaben beruhen auf willkürlichen Beziehungen (zwischen einem Zeichen und dem Laut, für den es steht), auf welche die Sprachbenützer sich geeinigt haben. Der Vergleich zwischen <em>Restdurdnt</em> und dem Piktogramm auf dem Foto macht das fassbar: <strong>Beide &#8220;Zeichen&#8221; sagen dasselbe. Das eine jedoch beruht auf Ähnlichkeit mit der realen Umgebung, das andere auf Vereinbarungen der Sprachbenutzer.</strong> Wer diese Vereinbarungen nicht kennt, hat und ist verloren. Die koreanischen Zeichen im Bild vermitteln genau dieses Gefühl: Ganz egal, wie konzentriert ich sie betrachte, ihre Bedeutung ist für mich nicht abzuleiten.</p>
<p>Was bedeutet das für den Sprachgebrauch im Alltag? <strong>Wir können einander nur verstehen, wenn wir uns nach den gleichen Vereinbarungen richten. </strong>Das können die gleichen Buchstaben und Laute sein, genauso aber auch die gleichen Wörter. Entscheide ich mich aus einer Laune heraus, heute einmal <em>i</em> durch <em>u</em> zu ersetzen und somit <em>Tisch</em> als <em>Tusch</em> aus- und <em>Kinder</em> als <em>Kunder</em> anzusprechen, dann wird das meinen Kommunikationserfolge schmerzhaft reduzieren. Wenn ich dazu noch aus dem <em>T</em> ein <em>N</em> mache oder aus dem <em>M</em> ein <em>O,</em> wird die Verständigung noch schwieriger und irgendwann unmöglich.</p>
<p><strong>Wer verstanden werden will, muss sich an Konventionen halten:</strong> Buchstaben, die verstanden werden; Wörter, die verstanden werden; Sätze, die verstanden werden; Abschnitte und Texte, die verstanden werden.</p>
<p>Λ &lt; &lt; £ §   I&lt; &lt; Λ ® ?</p>
<p>Λ &lt; &lt; £ §   K &lt; Λ ® ?</p>
<p>Λ L L £ §   K L Λ ® ?</p>
<p>Λ L L £ S   K L Λ ® ?</p>
<p>A L L E S   K L A R ?</p>
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		<item>
		<title>Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (2)</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 09:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Orte, an denen man Bücher zu Ende liest]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Leselust]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant. Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant.</strong> Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen hat es mir angetan. Eine ausgezeichnete Umgebung, um ein Buch fertigzulesen.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lesen-im-cafe-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1362" title="Lesen im Café" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lesen-im-cafe-web-300x225.jpg" alt="Orte, an denen man Bücher zu Ende liest: im Café" width="300" height="225" /></a>Das Café ist vor allem deswegen geeignet, <strong>weil ich mich hier als Teil einer grösseren Geschichte erlebe.</strong> Wenn ich zuhause im Bett lese, bin ich einigermassen vom Leben um mich herum isoliert. Allein. Doch allein schreibt man keine grossen Geschichten. Geschichten ereignen sich zwischen Menschen. Und im Café sind Menschen, und ich bin mittendrin. Das erinnert mich daran, dass das Leben auch eine Geschichte ist, und die Geschichte, die ich gerade zu Ende lese, Teil dieser Geschichte. <strong>Die Grenzen zwischen literarischer Geschichte und Lebensgeschichte verschwimmen.</strong> Erfundenes und Reales sind nicht mehr klar zu unterscheiden. So muss Lesen sein!</p>
<p><strong>Weitere Vorteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:<span id="more-1355"></span></strong></p>
<ul>
<li><strong>Ich kann mir ganz nach meiner momentanen Lust etwas Feines bestellen.</strong> Das ist genussvoll. Und auch Lesen hat mit Genuss zu tun. Wenn mehr Sinne geniessen, wird darum auch die Leseerfahrung umfassender.</li>
<li><strong>Das fremde Umfeld reduziert die Ablenkung. </strong>Trotz der bewegten  Umgebung fühle ich mich in einem Café in der Regel fokussierter als daheim oder im Büro.</li>
<li>Ich habe die <strong>Möglichkeit, einem wildfremden Menschen mein Herz über das gerade gelesene Buch auszuschütten.</strong> Ich kann vorschwärmen oder über das Leben und den Tod philosophieren oder mich als eine der Figuren aus meinem Buch ausgeben – und das ganz ohne Angst vor Konsequenzen. (Ich gebe zu: Das habe ich noch nie gemacht, aber ich könnte!)</li>
</ul>
<p><strong>Nachteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li><strong>&#8220;Ist hier noch frei?&#8221; </strong>Diese Frage könnte ausgerechnet dann ertönen, wenn ich gerade in den letzten Abschnitt (oder gar den letzten Satz) meines Buches eingetreten bin. Dann darf ich aber nicht mehr unterbrochen werden! (Dieser Punkt ist gleichzeitig ein Vorteil, weil er den Nervenkitzel erhöht.)</li>
<li>Ich bin <strong>gehemmt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.</strong> In einem Café werde ich weder herumtanzen noch jubeln noch weinen. (Nicht, dass jedes Buch eine so dramatische Reaktion verlangt, aber es kann ja mal vorkommen.) So bleibt eine angemessene Antwort möglicherweise unterdrückt. Und diese Antwort lässt sich später nicht mehr nachholen, weil die Gefühle sich schnell wieder legen.</li>
<li>Immerhin bietet das Café eine <strong>ausgezeichnete Umgebung, um mit einigen Sätzen im Notizbuch zu antworten</strong>. Ich schlage mein Buch zu, atme durch, bestelle mir nochmals einen Kaffee und schreibe einige spontane Zeilen an eine der Figuren aus dem Buch, an den Autor oder an mich selbst.</li>
</ul>
<p>Hoppla, das war ja schon wieder ein Vorteil.</p>
<p>Ich sollte mehr in Cafés lesen.</p>
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		<item>
		<title>Wie ich ein guter Zuhörer werde.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/07/09/wie-ich-ein-guter-zuhorer-werde/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 08:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Dracula]]></category>
		<category><![CDATA[Frankenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Orientteppiche]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[zuhören]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor? Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten Tipps dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann. Wie werde ich ein guter Zuhörer? Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor?</p></blockquote>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1337" title="Der perfekte   Zuhörer" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten <a href="http://verstaendlich.ch/2010/05/07/publikumswirksame-selbstsabotage/">Tipps</a> dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann.</p>
<p><strong>Wie werde ich ein guter Zuhörer? </strong>Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt – weniger oft stelle als die nach dem guten Redner.</p>
<p>Um die enorm weite Frage etwas einzugrenzen, wende ich mich einmal mehr kurz der klassischen Rhetorik zu. Sie hat für den Redenanfang 3 Ziele definiert, die der Redner für die Gestaltung des Redeanfangs zu berücksichtigen hat. Er muss</p>
<ol>
<li>Interesse für sein Thema wecken, damit die Zuhörer neugierig und  aufnahmebereit werden.</li>
<li>das Wohlwollen der Zuhörer gewinnen, damit sie bereit sind, ihm –  und <em>gerade</em> ihm – zuzuhören.</li>
<li>den Hauptteil inhaltlich vorbereiten, also ins Thema einführen.</li>
</ol>
<p>Diese 3 Ziele sind ein guter Ausgangspunkt für ein <strong>Profil des guten Zuhörers</strong>. Ein solcher ist</p>
<ol>
<li><strong>wach und aufmerksam,</strong></li>
<li><strong>dem Redner gegenüber offen und wohlwollend und<br />
</strong></li>
<li><strong>am Thema interessiert.</strong></li>
</ol>
<p><span id="more-1333"></span>Gut, ein schlafendes oder zumindest dösendes Publikum kann auch entspannend wirken und die Redeangst verfliegen lassen, aber gewöhnlich wünsche ich mir als Redner doch, dass meine Worte auf wache Ohren stossen. Doch wie zeige ich – im Publikum sitzend und in meinen Ausdrucksmöglichkeiten auf meinen Körper beschränkt – dass ich wach und aufmerksam bin? Sicher nicht, indem ich mehr horizontal als vertikal in meinem Sessel hänge. <strong>Eine aufrechte Haltung und angmessene Körperspannung zeigen, dass ich in Erwartungsposition bin, dass ich ganz hier bin.</strong> <strong>Das wichtigste Signalwerkzeug des Zuhörers jedoch sind die Augen.</strong> Hier kommt die Wachheit am klarsten zum Ausdruck. Also entscheide ich mich für einen solch wachen Blick und gegen die dämmernden Schlafzimmeraugen. Ein guter Redner pflegt intensiven Augenkontakt mit seinem Publikum. Dabei will ich ihm begegnen und ihm etwas zurückgeben. Wenn ich rede, suche ich mir gezielt solche Menschen im Publikum, weil sie mich motivieren und inspirieren. Und wenn ich Zuhörer bin, dann will ich vom Redner im Publikum als solche Person entdeckt werden.</p>
<p>Wir lieben Schubladen. Auch Vorurteile sind Schubladen – Schubladen mit unendlich viel Platz in Schubladenmöbeln, die unendlich erweiterbar sind. Wenn ich einen sehe, für den ich noch keine Schublade habe, dann eröffne ich einfach eine neue. So einfach geht das! Auch beim Zuhören zeigt sich dieser Hang zum Etikettieren: Meine Güte, die Krawatte! Meine Güte, der hat nicht einmal eine Krawatte an! Meine Güte, der hat eine Krawatte an! – Es gibt 100o Gründe, jemandem mit Vorbehalt zu begegnen. Ich rede aber lieber vor Menschen, die mir gegenüber offen und unvoreingenommen sind. <strong>Und ein solcher Zuhörer möchte ich auch sein. Nicht nur unvoreingenommen, sondern wohlwollend, also positiv voreingenommen.</strong> Dazu muss ich bereit sein, mir etwas sagen zu lassen, mich vom Gedanken verabschieden, eh alles besser zu wissen. Dieser Gedanke ist die beste Voraussetzung dafür, nichts dazuzulernen. Und zwar eben nicht, weil ich eh schon alles weiss, sondern weil ich zu blockiert bin, etwas Neues aufzunehmen. <strong>Und wo findet diese Offenheit ihren Ausdruck? – In einem Lächeln (und natürlich auch in den Augen).<br />
</strong></p>
<p>Auch fehlendes Interesse kann meine Lernfähigkeit reduzieren oder gar vernichten. Dabei bin ich der Meinung, <strong>dass man sich wirklich für alles interessieren kann, wenn man will. </strong>Natürlich ist das viel einfacher, wenn ich einem Referat über mein Lieblingsthema lauschen darf. Wenn es zum Beispiel darum geht, ob Dracula einen Kampf gegen Frankensteins Monster gewinnen könnte (was natürlich absoluter Blödsinn ist, Frankensteins Monster wäre der sichere Sieger), dann bin ich ganz Ohr, voll aufnahmefähig – und der Referent wird mir das auch ansehen. Anders jedoch, wenn ich zu einer Weiterbildung über die verschiedenen Knüpftechniken von Orientteppichen gezwungen werde. Mein natürliches Interesse ist hier eher gering. Deshalb habe ich aber noch lange nicht verloren. Es braucht einfach etwas mehr, um in den Zustand echten Interesses zu geraten. <strong>Dazu befasse ich mich schon im Voraus mit dem Thema und überlege mir einige Fragen. </strong>(Das heisst nicht, dass ich ein Buch über Orientteppiche lese. Ich schalte einfach mein Hirn ein und denke mich etwas in das Gebiet hinein.)<strong><br />
</strong></p>
<ul>
<li>Zum Beispiel könnte mich interessieren, wie man den Wert eines geerbten Teppichs bestimmt.</li>
<li>Oder wie lange das Knüpfen eines Quadratmeters Teppich dauert.</li>
<li>Oder 0b Teppichmuster sich an traditionellen Motiven orientieren oder einfach Lust und Launen des Knüpfers folgen.</li>
<li>Oder wie Orienttepppiche zu ihrem guten Ruf gekommen sind, während kein Mensch sich für die Teppichknüpfkunst des Zürcher Oberlandes interessiert.</li>
</ul>
<p><strong>So werde ich zu einem aktiven Zuhörer</strong>, der die präsentierten Informationen laufend verarbeitet. Und natürlich sieht mir das der Redner an.</p>
<p>Eine reizvolle und gedankenerweiternde Hirnübung kann darin bestehen, eine Brücke zu schlagen vom scheinbar uninteressanten Thema zu einem &#8220;meiner&#8221; Themen. Allenfalls bringen Erkenntnisse über das Teppichknüpfen mich der Antwort auf die monumentale Frage näher, ob Dracula Frankensteins Monster besiegen könnte. Würde es einen Vorteil für einen der Kämpfer bedeuten, wenn die Begegnung auf einem Teppich stattfindet?</p>
<p>Und das Beste zum Schluss. Die Frage nach dem guten Zuhörer ist in zwei Schritten ganz schnell zu beantworten:</p>
<ol>
<li><strong>Welche Zuhörer sind mir die liebsten, wenn ich rede?</strong></li>
<li><strong>Was macht mich zu einem solchen Zuhörer?</strong></li>
</ol>
<p>Und übrigens: Es ist durchaus erlaubt, dieses Prinzip auch auf ganz normale Gespräche anzuwenden. Dazu brauche ich keinen grossen Auftritt.<strong><br />
</strong></p>
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