Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (4)

Zum ersten Mal habe ich mich auf ein umfangreiches Hörbuch eingelassen: Darkside Park von Ivar Leon Menger und fünf weiteren Autoren, die er für dieses Projekt engagiert hatte.

Über Wochen hatten mich die Geschichten um die eigenartige Stadt Porterville auf meinem iPod begleitet, und letzten Dienstag dann war das Ende ganz nahe gerückt. Leider aber bot der Dienstag keine Gelegenheit, sich gemütlich zurückzulehnen um die letzte Stunde mit voller Aufmerksamkeit geniessen zu können; meine Agenda war voll, ich hatte Termin nach Termin und konnte meine Abstecher nach Porterville deshalb nur sehr zerhackt dazwischenschieben.

Und dann, ganz am Schluss, blieben noch 4 Minuten. Ich war gerade mit dem Auto auf den Parkplatz gefahren, deponierte meine Tasche im Büro und machte mich dann zu Fuss auf den Weg, um bei Freunden zu essen. Auf diesem Weg würde ich die 4 Minuten gerade unterbringen können. Doch wollte ich das? So nebenbei?

Es erschien mir unwürdig, nachdem ich nun über Wochen immer wieder in dieser Geschichte versunken war und doch mit einiger Spannung auf den Schluss wartete. Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (3)

Hornby im ZugEs musst ja wieder einmal soweit kommen. Den grössten Teil meiner Lesearbeit leiste ich unterwegs, und das bedeutet, dass ein grosser Teil dieses grössten Teiles beim Zugfahren geschieht. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder einmal ein Buch im Zug zu Ende las. Es war About a Boy von Nick Hornby. Letzte Woche.

Nun habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zum Lesen im Zug. Einerseits gibt es kaum etwas Entspannenderes. Bei einer längeren Zugfahrt ein gutes Buch zu lesen, ist für mich wie Ferien. Andererseits sind die wenigsten meiner Zugfahrten länger. Als ich About a Boy zu Ende las, war ich unterwegs von Zürich nach Thalwil. Das sind 9 Minuten. Von Abschalten kann unter diesen Bedingungen keine Rede sein, denn im Hinterkopf sitzt konstant der Gedanke ans Aussteigen. Das nervt; vor allem in der letzten Phase der Lektüre, wenn ich mich – wie den Lesern dieser Rubrik inzwischen klar sein dürfte – von nichts und niemandem stören lassen will. Der Autor hat an den letzten Abschnitten und Sätzen seiner Geschichte sicherlich besonders sorgfältig gearbeitet, und so habe ich das Gefühl, ihm gerade hier meine besonders ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen zu müssen. Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (2)

Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant. Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen hat es mir angetan. Eine ausgezeichnete Umgebung, um ein Buch fertigzulesen.

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest: im CaféDas Café ist vor allem deswegen geeignet, weil ich mich hier als Teil einer grösseren Geschichte erlebe. Wenn ich zuhause im Bett lese, bin ich einigermassen vom Leben um mich herum isoliert. Allein. Doch allein schreibt man keine grossen Geschichten. Geschichten ereignen sich zwischen Menschen. Und im Café sind Menschen, und ich bin mittendrin. Das erinnert mich daran, dass das Leben auch eine Geschichte ist, und die Geschichte, die ich gerade zu Ende lese, Teil dieser Geschichte. Die Grenzen zwischen literarischer Geschichte und Lebensgeschichte verschwimmen. Erfundenes und Reales sind nicht mehr klar zu unterscheiden. So muss Lesen sein!

Weitere Vorteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese: Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (1)

Gestern habe ich die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson zu Ende gelesen. Ich gehöre jetzt also auch dazu. Der Erfolg dieser Bücher ist ja eindrücklich, darüber werde ich womöglich an einem anderen Tag noch schreiben.

Ein Buch fertigzulesen ist immer ein spezielles Erlebnis. Fast ein bisschen feierlich ist mir dann jeweils zumute. Die äussere Umgebung entspricht diesem Empfinden jedoch nur selten. Ein Buch fertiglesen kann man schliesslich an jedem Ort, ganz egal wie profan er ist. Und doch empfinde ich, dass ein Ort zu einem besonderen Ort wird, wenn ich dort ein Buch fertiglese. Ihm wird eine spezielle Würde zuteil.

Dabei kann ich die Wahl eines solchen Ortes nur sehr begrenzt kontrollieren. Grundsätzlich gilt: Wenn ich zur letzten Seite, zum letzten Satz eines Buches komme, dann habe ich mir den Ort, an dem das passiert, nicht ausgewählt. (Wenn ich den Schluss eines Buches aufschieben kann, um ihn an einem speziellen Ort zu erleben, dann muss es tatsächlich um einen besonders speziellen Ort gehen, oder mit dem Buch stimmt etwas nicht.) Es geschieht dort, wo ich eben gerade bin. Orte, an denen ich ein Buch fertiglese, sind daher Schicksalsorte.

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Bücher für Sprachgestalter

– und sind wir das nicht alle? Wir alle sind schliesslich konstant herausgefordert, uns sprachlich auszudrücken und so unserem Inneren eine verständliche und nachvollziehbare Form zu geben.

“Ich kann mit Grammatik und so nicht viel anfangen. Kannst du mir ein Buch empfehlen, das mir hilft, mein Deutsch zu verbessern?” Solche Fragen höre ich immer mal wieder, und deshalb stelle ich hier kurz eine Handvoll Bücher vor, die bei mir in Griffnähe stehen, weil ich sie hilfreich oder inspirierend oder gar beides finde. Vor einigen Tagen habe ich in der Seitenspalte meines Blogs ein entsprechendes Widget installiert, das ebenfalls auf diese Titel hinweist. Aber da ich die kahlen Links gerne noch mit einigen Sätzen ergänze und weil Leser, die verständlich.ch über RSS oder E-Mail verfolgen, meine Seitenspalten gar nie zu Gesicht bekommen, folgt hier der Post zur Linkliste.

Deutsch fürs Leben von Wolf Schneider empfehle ich gerne und oft und überzeugt. Wolf Schneider spielt mit unserer Freude an den Fehlern anderer. Wer sich das nicht eingestehen kann, sollte seine Bücher vielleicht eher nicht lesen. Das jedoch wäre schade, weil man hier wirklich viel lernen kann – und zwar von den Fehlern anderer (was im Leben sonst ja kaum gelingt.) In diesem Buch präsentiert Schneider 50 handfeste und wirklich hilfreiche Regeln für besseres Deutsch (je etwa 4 Seiten) in unterhaltsamen Lektionen, die angereichert sind mit Zitaten von Menschen (meist Journalisten), die es auch nicht besser wussten.

Schneider_Leben

Duden (Band 9): Richtiges und gutes Deutsch. Mein Lieblingsband aus der Dudenreihe. Gut, das Layout ist nicht gerade innovativ, aber hier findet man schnell Orientierung in vielen sprachlichen Zweifels- und Verzweiflungsfällen. Die Organisation der Einträge ist gleichzeitig sinnvoll und gewöhnungsbedürftig. Natürlich gibt es Einträge zu Stichwörtern, die Schwierigkeiten machen können. So erfahre ich unter “Autor” sofort, dass es im Dativ richtig “dem Autor” heisst und nicht etwas “dem Autoren”. Zu komplexeren Fragen und Themen finden sich umfangreichere Artikel, etwa zur Indirekten Rede (Verwendung des Konjunktivs usw.),  Gross- oder Kleinschreibung oder zum Erstellen eines vernünftigen Briefes. Solche Artikel werden mit einer hilfreichen Liste häufig gestellter Fragen zum Thema eingeleitet. Diesen Dudenband gibt es übrigens auch elektronisch im Paket des Duden Korrektor Plus (für MS Office und Open Office / StarOffice).

Duden9

Richtiges Deutsch von Heuer, Flückiger und Gallmann bietet in etwas dasselbe wie Duden 9, ist aber systematisch nach den Themen der Grammatik aufgebaut. Doch keine Angst: Das Buch ist voll von praktischen Beispielen und hilft mit einem umfassenden Register, schnell zu Antworten zu kommen. Auf den Grammatikteil folgen 60 Seiten zu häufigen Fehlern und Zweifelsfällen – zum Beispiel zum Unterschied zwischen scheinbar und anscheinend. Das Layout finde ich sehr ansprechend (viel luftiger und zugänglicher als Duden 9). Auf Rund 20 Seiten im Anhang werden dem Leser zudem sprachliche Zweifelsfälle als Quiz präsentiert. Da kann man sein sprachliches Gespür und Wissen unterhaltsam testen. Die Lösungen sind selbstverständlich dabei.

Heuer

Böse Sprüche für jeden Tag von Dietmar Bittricht benötigt wohl keine grossen Erläuterungen. Nur soviel: Viele meiner Zitate des Augenblicks in der Seitenspalte kommen aus dieser Quelle. Die belebende Kraft dieser spitzen Weisheiten lässt sich treffend mit Henri Matisse erklären: “Oft sieht man etwas hundert Mal, bevor man merkt, wie uninteressant es ist.”

Boese_Sprueche

Deutsch für Profis. Nochmals Wolf Schneider. Nochmals unterhaltsam. Nochmals viele Fehltritte vor allem aus der Journalistenzunft (oft aus dem Spiegel oder der FAZ, und auch die NZZ kommt nicht ungeschoren davon). Hier richtet sich Schneider etwas deutlicher an Menschen, die im Beruf viel schreiben dürfen oder müssen.

Schneider_Profis

On Writing von Stephen King (deutsch: Das Leben und das Schreiben). King schreibt über das Schreiben. Und auch wenn er sich dabei in erster Linie an hoffnungsvolle Nachwuchsschriftsteller richtet, vermittelt er doch ganz grundsätzlich Lust am Schreiben (und damit automatisch Lust am Lesen). Der Autor hat das Buch zweigeteilt (daher auch der deutsche Titel), gibt im ersten Teil Einblick in seine Biografie und im zweiten in sein Handwerk. Leben und Schreiben gehören zusammen. Ich liebe dieses Buch, bin überhaupt seit vielen Jahren ein Fan von Stephen King, seit er in den Sommerferien 1985 meine Leidenschaft fürs Geschichtenerzählen  geweckt hat. (On Writing ist auch als Hörbuch erhältlich – gelesen vom Autor, zum Beispiel bei iTunes.)

King_Writing

King_Schreiben