Eine Rede bauen 2: dispositio

dispositio_webNachdem ich nun viel Material gesammelt habe, besteht die Herausforderung darin, es in eine sinnvolle Ordnung zu bringen. Dieser zweite Arbeitsschritt auf dem Weg zur Rede wird klassisch dispositio genannt, und da klingt natürlich unsere Disposition an. Da ich über die Gliederung der Gedanken vor einigen Monaten bereits eine Artikelreihe veröffentlicht habe, möchte ich mich heute auf das Grundsätzliche konzentrieren. Der Schritt aus der inventio in die dispositio macht klar, dass die klassische Unterteilung in 5 Arbeitsschritte als Hilfe zu verstehen ist, die der Realität nur unvollkommen entspricht. Besonders diese ersten beiden Schritte sind eng miteinander verbunden. Eine gewisse Ordnungsarbeit wird bereits beim Sammeln geleistet (wenn auch nur im Kopf), und das Erstellen der Gliederung wird Löcher in den Gedanken sichtbar machen, die gestopft werden müssen – und zwar durch erneutes Sammeln.

Als Grundlage für die Gliederung einer Rede dient das einfache Schema, das auf die antike Gerichtsrede zurückgeht:

  1. Einleitung (exordium)
  2. Erzählung (narratio)
  3. Beweisführung (argumentatio)
  4. Schluss (peroratio)

In früheren Beiträgen habe ich bereits darüber geschrieben, wie wichtig Gliederungen sind und wie man sie erstellen kann. Dort ging es vor allem um den Hauptteil der Rede, der hier aus Erzählung und Beweisführung besteht, den man aber natürlich auch ganz anders aufbauen kann. Heute stehen Anfang und Schluss einer Rede im Mittelpunkt, die auf den ersten Blick vielleicht unscheinbar wirken und im Umfang natürlich auch weit weniger gewichtig sind als der Hauptteil. Doch täuschen wir uns nicht. Besonders der Redeanfang entscheidet über Sieg oder Niederlage des Redners.

Anfang (exordium)

Logisch eigentlich, dass der Anfang entscheidend ist. Einen ersten Eindruck kann man nur einmal machen, und man macht ihn am Anfang. Hier entscheidet der Zuhörer, ob er mitkommen will oder nicht. Die klassische Rhetorik beschreibt drei Aufgaben, die der Redner in dieser ersten und entscheidenden Phase zu erfüllen hat. Er muss

  1. Interesse für sein Thema wecken, damit die Zuhörer neugierig und aufnahmebereit werden.
  2. das Wohlwollen der Zuhörer gewinnen, damit sie bereit sind, ihm – und gerade ihm – zuzuhören.
  3. den Hauptteil inhaltlich vorbereiten, also ins Thema einführen.

Punkt 3 ist einigermassen offensichtlich, dafür ist eine Einführung da. Er scheint mir von den dreien aber der unwichtigste. Ich kann durchaus eine faszinierende Rede aufbauen, ohne eingangs davon zu sprechen, was ich im Detail vorhabe. Viel entscheidender ist, dass ich die Zuhörer für mich und mein Thema faszinieren kann. Und leider geschieht das in der Regel nicht automatisch. Natürlich ist es schön, wenn ein Redner von seinem Thema begeistert ist. Es ist aber ein Irrtum, zu glauben: “Meine Materie ist so spannend – die spricht für sich.” Das Interesse der Zuhörer will geweckt werden – zum Beispiel durch eine unwiderstehlich spannende Frage zum Thema. Damit ist dann allenfalls auch gleich der Hauptteil vorbereitet. Doch nicht nur sein Thema, auch sich selbst muss der Redner ins beste Licht stellen. Wie wichtig das ist, zeigt die einfache Kontrollfrage: “Wem höre ich gerne zu?” Die Antwort auf diese Frage enthält wichtige Hinweise für die Gestaltung des Einstiegs in die eigene Rede. Für diese Selbstdarstellung gibt es tausend Wege – und einmal mehr hängt die Entscheidung eng damit zusammen, wer meine Zuhörer sind. Während bei einem Publikum schon eine freundliche Begrüssung reicht, ist es bei einem anderen wichtig zu unterstreichen, warum ich zu diesem Thema überhaupt etwas zu sagen habe. Die Betonung der eigenen Fachkompetenz kann bei wieder anderen aber den genau gegenteiligen Effekt haben, wenn sie sich denken: “Meine Güte, wieder so ein abgehobener Fachidiot, der keine Ahnung vom Leben hat.” Es lohnt sich also, schon früh in der Vorbereitung die Frage zu beantworten: “Wie kann ich bei diesem Publikum landen?”

Schluss (peroratio)

Aus klassischer Perspektive hat der Redner am Schluss noch zwei Dinge zu tun:

  1. Zusammenfassung
  2. Affekterregung

Das klingt dramatisch. Doch Affekterregung heisst letztlich nichts anderes als den Zuhörern nochmals ordentlich einzuheizen. Es kann ja nicht in meinem Interesse sein, das sie nach meiner Rede gleichgültig dasitzen und den Dreck unter den Fingernägeln hervorkratzen. Der Redeschluss ist meine letzte Chance, einen emotionalen Impuls zu setzen, der nachklingt. Der eine oder andere Zuhörer darf darüber gerne auch am Abend noch nachdenken, wenn er im Bett liegt und auf den Schlaf wartet. Wenn die Rede abgeschlossen ist, ist sie abgeschlossen. Dann gebe ich das Publikum wieder aus der Hand. Je länger der letzte Impuls daher nachklingt, desto besser.

Mit der Zusammenfassung am Schluss biete ich dem Hörer nochmals die weite Perspektive über meine Gedanken. Das war ja jetzt eigentlich alles ein bisschen viel für ihn. Keiner kann sich an alle Punkte eines halbstündigen Referates erinnern. So helfe ich gerne, damit auch sicher das im Gedächtnis bleibt, was mir am wichtigsten ist. Ein positiver Nebeneffekt davon ist, dass ich mir diese Frage selbst auch stellen muss (natürlich bereits in der Vorbereitung!). Das hilft beim Fokussieren.

Zwei Punkte zum Redeschluss möchte ich noch ergänzen. Erstens schliesse ich in der Regel am Ende einer Rede einen Kreis. Das heisst, ich komme irgendwie wieder auf den Anfang zurück. Das kann geschehen, indem ich

  • eine Frage beantworte, die ich am Anfang gestellt habe.
  • eine Geschichte wieder aufnehme, mit der ich das Referat eingeführt habe.
  • eine besonders einprägsame Formulierung wiederhole, mit der ich am Anfang einen Akzent gesetzt habe.

Dadurch bekommt der Zuhörer ein Gefühl von “rundem Abschluss”. Und damit bin ich bereits beim zweiten Punkt: Bitte nur ein Schluss! Sobald der Redner den Schluss angekündigt hat, muss der Schluss auch kommen, und ich würde sagen: innerhalb von maximal 3 Minuten. Eine Ankündigung des Schlusses kann ausdrücklich (“Ich komme zum Schluss”) oder auch ganz beiläufig geschehen, da reicht oft schon ein entsprechend betontes Also. Ich muss daher darauf achten, dass mir dieses Also nicht einfach so herausrutscht und den Zuhörern ein falsches Gefühl von Zuspitzung auf das Ende hin vermittelt. Das ist mit ein Grund, weshalb der Schluss (wie auch der Anfang) besonders gründlich vorbereitet werden muss. Es gibt kaum etwas Schmerzhafteres als ein ausgefranstes Redeende: Man spürt, dass der Redner eigentlich am Schluss (oder am Ende) ist, doch er weiss nicht genau, wie er jetzt genau aufhören soll. Vielleicht ist er auch unsicher, ob er genügend klar betont hat, was ihm wichtig ist. Und dann redet er weiter. Und mit jedem Wort und mit jedem Satz wird es schlimmer und schmerzhafter. Er findet sie einfach nicht: die Formulierung, die würdig ist, den unwiderruflichen Schlusspunkt unter seine Ausführungen zu setzen. Eine solche Formulierung fällt einem in der Regel auch nicht beim Reden zu. Sie muss vorbereitet sein. Und wenn die Vorbereitung stimmt, setzt man diesen Punkt im richtigen Moment. Entschlossen. Endgültig.

Und das war’s dann.

Dispositionen erstellen: angemessen

Nachdem ich vor 2 Wochen für einfache Dispositionen plädiert habe, begründe ich jetzt gerne noch meine Empfehlung, Gliederungen dem Thema angemessen zu gestalten.

Dispositionen werden eigentlich nicht gemacht. Sie werden vielmehr gefunden. Ich bin überzeugt: Wenn das Thema feststeht und ich Material zu diesem Thema gesammelt habe, dann liegt in diesem Haufen von Informationen bereits eine Struktur verborgen, eine Gliederung, die dem Thema entspricht. Ich muss sie nur finden, und das kann einfacher oder schwieriger sein.

Erstes Beispiel

Ich schreibe einen Aufsatz über Mutter Teresa. Bei einer solchen biografischen Arbeit liegt eine chronologische Anordnung der Informationen nahe. Deshalb ist die Gliederung des Wikipedia-Artikels über Mutter Teresa durchaus angemessen:

  1. Frühe Jahre und Ausbildung
  2. Arbeit in Indien
  3. Tod und Seligsprechung

Für eine chronologische Gliederung werden die Informationen in sinnvolle Epochen geteilt, die dann als Bausteine dienen.

Zweites Beispiel

Auf eine Variante der chronologischen Anordnung habe ich im Artikel über einfache Dispositionen hingewiesen:

  1. Einführung
  2. Wie es war.
  3. Wie es heute ist.
  4. Wie es werden soll.
  5. Schluss

Eine solche Gliederung kann als Grundlage eines Plädoyers für Veränderung wirkungsvoll sein.

Drittes Beispiel

Auch für diesen Artikel habe ich eine Disposition erstellt. Die Chronologie hat mir dabei jedoch keine Hilfe geboten. Deshalb habe ich mich gefragt: Was will ich mit diesem Beitrag erreichen? Die Antworten:

A. Impulse für die Praxis geben.

B. Erklären, was ich unter einer angemessenen Disposition verstehe.

C. Meine Überzeugung unterstreichen, dass nicht nur der Inhalt einer Mitteilung etwas kommuniziert, sondern auch ihre Form.

A ist mein Hauptanliegen und geschieht am besten durch Beispiele. B ist grundlegend und bietet sich für die Einleitung an und C kann als Schlussimpuls den Kreis schliessen. So ergibt sich folgende Gliederung:

  1. Einführung: Gliederungen werden nicht gemacht, sondern entdeckt.
  2. Beispiele für die Praxis
    Erstes Beispiel
    Zweites Beispiel
    Drittes Beispiel
    Viertes Beispiel
  3. Schluss: Auch die Form kommuniziert.

Viertes Beispiel

Beim Reden über ein zwiespältiges, spannungsgeladenes Thema kann eine angemessene Disposition Zuhörer oder Leser die Spannung spüren lassen. Wenn ich kontinuierlich zwischen Schwarz und Weiss hin- und herspringe, dann ist das viel wirkungsvoller, als wenn ich zuerst lange über Weiss und dann lange über Schwarz spreche. Ein Wechselspiel von Vor- und Nachteilen einer Sache lässt den Zuhörer ein Dilemma viel stärker spüren als eine Aneinanderreihung zuerst der Vor- und dann der Nachteile. (Eine solche Gliederung ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn ich die Spannung vermitteln und stehen lassen will. Sobald ich entweder von Vor- oder Nachteilen überzeugen will, die einen also gegen die anderen ausspielen, muss ich anders gliedern, um meine Argumenten gegenüber anderen ins bessere Licht zu stellen.)

Längst nicht immer geht es jedoch um Vor- und Nachteile. Gegensätze können sich ja auch gleichwertig gegenüber stehen und dennoch Gegensätze bleiben. Spannung gehört schliesslich zum Leben. Nehmen wir an, ich hätte eine Traupredigt zu halten und möchte dabei etwas vom Facettenreichtum der Ehe zum Ausdruck bringen; auch davon, welche Spannungen dieser Reichtum mit sich bringt. Folgende Disposition wäre denkbar und würde mein Anliegen gut unterstützen:

  1. Einführung
  2. Die Ehe ist ein Geschenk.
  3. Die Ehe ist harte Arbeit.
  4. Die Ehe ermöglicht Entfaltung.
  5. Die Ehe verlangt Selbstbeschränkung.
  6. Die Ehe fördert meine Stärken.
  7. Die Ehe zeigt mir meine Schwächen.
  8. Schluss

2 und 3, 4 und 5, 6 und 7 bilden jeweils Gegensatzpaare. Das Wechselbad einer solchen Disposition wird für die Zuhörer spürbar. Hier wird nicht nur von Spannung geredet, hier wird sie auf der Ebene der Struktur auch vermittelt.

Die Gliederung zu entdecken, die im Thema bereits verborgen liegt, gelingt in der Regel nicht auf den ersten Blick. Es gilt, nicht zu schnell aufzugeben, denn auch die Form, in die wir unsere Botschaft packen, teilt etwas mit; und ein Aspekt dieser Form ist die Gliederung der Gedanken. Eine angemessene Disposition spiegelt das Wesen der Botschaft wieder und vermag sie dadurch kräftig zu unterstreichen.

Dispositionen erstellen: einfach

Wie vor einigen Tagen versprochen erläutere ich gerne näher, wie ich die zwei wichtigsten Eigenschaften einer guten Disposition (Gliederung) verstehe. Heute geht es zunächst um die ersten der beiden genannten Qualitäten: Einfachheit.

Es gibt viele Möglichkeiten, im Umgang mit Sprache kreativ zu sein. Die Gliederung eines Textes gehört jedoch nicht dazu. Hier halte ich es gerne sehr einfach. Und der Grund dafür ist ebenfalls einfach: Eine komplexe Gliederung kann leicht dazu führen, dass Leser oder Zuhörer die Übersicht und damit den roten Faden verlieren. In der frei vorgetragenen Rede erhöht sie zudem dasselbe Risiko für den Redner.

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Wie aber baut man eine einfache Disposition? Ich möchte das an einigen Beispielen zeigen:

Die unspektakulärste Variante ist eine einfache Dreigliederung:

  1. Einführung
  2. Hauptteil
  3. Schluss

Kann man das schon eine Disposition nennen? Natürlich. Wer gewohnt ist, seine Ausführungen (schriftlich oder mündlich) mit Hilfe dieser drei Bestandteile zu ordnen, trägt bereits viel dazu bei, dass Zuhörer und Leser leichter folgen können. In der Einführung lege ich den Grund, führe ins Thema ein, wecke Interesse für meine Botschaft. Im Hauptteil führe ich meine Gedanken aus. Der Schluss bietet eine knappe Zusammenfassung und vielleicht einige Ansätze zum Weiterdenken.

Die klassische Rhetorik bietet – angelehnt an die Gerichtsrede – ein viergliedriges Grundschema (in Klammern die rhetorischen Fachbegriffe):

  1. Einführung (exordium)
  2. Die Schilderung des Sachverhaltes (narratio)
  3. Argumentation und Beweisführung (argumentatio)
  4. Schluss (perlocutio)

Hier wird der Hauptteil aufgeteilt, wobei in einer ersten Phase die Sachlage geschildert und in einer zweiten die eigene Meinung zu dieser Sachlage begründet wird. Dieses simple Schema kann zum Beispiel in der Vorbereitung einer Überzeugungsrede hilfreich sein, indem sie mir hilft, zwischen der Beschreibung des Zustandes und meinen Argumenten zu unterscheiden. Das ist nämlich nicht dasselbe.

Für Texte, die überzeugen wollen, kann auch folgendes ebenfalls sehr simple Schema hilfreich sein:

  1. Einführung
  2. Wie es war.
  3. Wie es heute ist.
  4. Wie es werden soll.
  5. Schluss

Stellen wir uns hier zum Beispiel ein Plädoyer für den Bau eines Spielplatzes in der Wohnsiedlung vor. Wie es war: Früher hatten Kinder viel Platz zum Spielen, weil noch viel weniger Autos unterwegs und die Gegend nicht so zugebaut war. Wie es ist: Kinder haben wegen des Verkehrs und fehlender Grünflächen kaum mehr die Möglichkeit, draussen zu spielen. Wie es werden soll: Ein grosszügig gestalteter Spielplatz bietet den dringend benötigten Raum, dass Kinder auch im Freien unbeschwert und durch den Verkehr nicht gefährdet spielen können.

Ich spreche mich auch deshalb so stark für einfache Gliederungen aus, weil ich ein radikaler Verfechter der freien Rede bin – kein Manuskript, keine Notizkarten. Beim Einprägen der Rede leistet eine einfache Gliederung unschätzbare Dienste. Ein Redner, der die Gliederung seiner Ausführungen ständig vor dem inneren Auge hat, behält den Überblick und folgt beim Sprechen dem roten Faden (und nicht etwa dem Wortlaut). Eine solche Orientierung am roten Faden erlaubt grössere Freiheit und Flexibilität, so dass zum Beispiel ein spontan zugefallenes Argument oder eine illustrierende Geschichte eingebaut werden können.

Praktische Rhetorikbücher bieten übrigens in der Regel einen Katalog an Dispositionen für verschiedene Redeanlässe. Solche Vorschläge orientieren sich vielleicht nicht immer an der Qualität der Einfachheit, können aber dennoch helfen, ein Gespür für das Erstellen von Gliederungen zu entwickeln – dafür, wie einfach man es sich hier machen kann.

Disposition: schön der Reihe nach

Wenn wir Gedanken in eine sprachliche Form bringen, um sie jemandem mitteilen zu können, dann ist die Reihenfolge, die wir dafür wählen, nicht egal. Sie kann sogar sehr entscheidend sein, wie schon mancher Erzähler festgestellt hat, der einen kürzlich gehörten Witz zum Besten geben wollte und nach dem dritten Satz bemerkte, dass er die Pointe bereits verblasen hatte.

Die Herausforderung besteht darin, dass in unserer komplexen Welt die Dinge selten in einfachen und überschaubaren Beziehungen zueinander stehen. Es ist leider nicht so, dass es für jedes Ereignis eine klare Ursache und eine klare Folge gibt. Wenn wir komplexe Zusammenhänge sprachlich ausdrücken wollen, ganz egal ob gesprochen oder geschrieben, sind wir jedoch gezwungen, sie in eine lineare Abfolge zu bringen. Das gilt für einen Geschäftsbericht, eine Diplomarbeit, einen Blogartikel. Beim Reden oder Schreiben muss eines nach dem anderen kommen, auch wenn es in der wahren Welt nicht ganz so einfach ist. Als Schüler war das im Geschichtsunterricht mein Verhängnis: Ich brauchte fast die ganze Schulzeit, um zu begreifen, dass das Bild ordentlich aufeinander folgender Jahreszahlen nicht der Wirklichkeit entsprach. Die Ereignisse des Weltgeschehens standen und stehen nicht in Reih und Glied. Es herrscht ein Durcheinander. Das gilt für die ganz grossen Zusammenhänge wie auch für viele kleinere.

Wenn ich nun aber reden oder schreiben will, muss ich mich dennoch für eine Reihenfolge entscheiden. Doch für welche? Da keine Reihenfolge den in Wirklichkeit kreuz und quer verknüpften Zusammenhängen ganz entspricht, muss ich hier grundlegende Überlegungen anstellen und Entscheidungen treffen. Das Resultat dieser Überlegungen und Entscheidungen, die Reihenfolge, die ich für die Präsentation meiner Gedanken festlege, nennt man Disposition. Dieses lateinische Wort bedeutet “Anordnung” oder “Gliederung”. Die Disposition dient als Grundlage und Leitlinie für die Ausformulierung der Gedanken. Ihr entlang verläuft der rote Faden.

Die Aufgabe, eine Gliederung zu erstellen, die dann als verlässliche Grundlage für die weitere Arbeit dienen kann, wird leicht unterschätzt. Hier geschieht bereits ganz Entscheidendes. Und wer die Ausformulierung eines Referates (zum Beispiel) auf einer soliden Disposition aufbauen kann, hat das schwerste Stück des Weges bereits hinter sich. Doch wie sieht eine solche solide Disposition aus? Ich beantworte diese Frage mit zwei Wörtern:

  • einfach
  • angemessen

Eine Gliederung, die einfach und angemessen ist, macht nicht nur dem Verfasser die Arbeit leichter. Sie ermöglicht auch dem Leser oder Zuhörer einen bequemeren Zugang zum Inhalt. Was es nun konkret bedeutet, eine Disposition einfach und angemessen zu gestalten, werde ich in zwei Folgeartikeln beschreiben: hier und hier. (Die Artikelreihe steht ausserdem als PDF auf der Downloadseite zur Verfügung.)

eines nach dem anderen