<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>verständlich&#187; Hochdeutsch</title>
	<atom:link href="http://verstaendlich.ch/tag/hochdeutsch/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://verstaendlich.ch</link>
	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 Jan 2012 09:49:20 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.1</generator>
		<item>
		<title>Das Mass ist voll: Dasselbe ist das Gegenteil.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 08:16:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Bier]]></category>
		<category><![CDATA[Hochdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Mass]]></category>
		<category><![CDATA[Masse]]></category>
		<category><![CDATA[Schweizerdeutsch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=1325</guid>
		<description><![CDATA[Ach, ihr armen, bemitleidenswerten Menschen, die ihr Deutsch als Fremdsprache zu lernen habt! Nicht nur, dass in dieser herausfordernden Sprache das Gegenteil dasselbe sein kann (wie ich hier beschrieben habe). Nein. Manchmal ist es auch umgekehrt: Dasselbe ist dann das Gegenteil. Furchtbar. Vor einiger Zeit meldete &#8220;20 Minuten&#8221;, dass Bier gesund sei. Endlich! Unter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ach, ihr armen, bemitleidenswerten Menschen, die ihr <strong>Deutsch als Fremdsprache zu lernen habt! </strong>Nicht nur, dass in dieser herausfordernden Sprache das Gegenteil dasselbe sein kann (wie ich <a href="http://verstaendlich.ch/2009/07/11/das-gegenteil-ist-dasselbe/">hier</a> beschrieben habe). Nein. Manchmal ist es auch umgekehrt: Dasselbe ist dann das Gegenteil.</p>
<p>Furchtbar.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/bier-in-massen-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1326" title="Bier in Massen" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/bier-in-massen-web-300x211.jpg" alt="Zeitungsausschnitt: &quot;Bier in Massen getrunken ...&quot;" width="300" height="211" /></a>Vor einiger Zeit meldete &#8220;20 Minuten&#8221;, dass Bier gesund sei. Endlich! Unter dem Bild einer biertrinkenden Frau stand geschrieben:</p>
<blockquote><p>Bier – in Massen genossen – ist gesünder, als bisher angenommen wurde.</p></blockquote>
<p>So erfreulich die Nachricht ist, sie lässt mich rätseln: Dass ich Bier trinken soll, ist immerhin klar. Doch soll ich es gut dosiert trinken? Oder in rauhen Mengen?</p>
<h3>Das Drama der gleich lautenden Mehrzahl</h3>
<p>Der Satz kann tatsächlich beides bedeuten, und ganz allein für diese Doppeldeutigkeit verantwortlich ist das Wort <em>Massen</em>. Es ist <strong>eine Mehrzahlform, die sich zwei Wörter teilen:</strong></p>
<ul>
<li>das Mass (1)</li>
<li>die Masse (2)</li>
</ul>
<p>(Um die Verwirrung nicht über ein zumutbares Mass steigen zu lassen, versehe ich die Varianten mit Nummern.)</p>
<p>Sowohl <em>Mass</em> (1) wie auch <em>Masse</em> (2) werden in der Mehrzahl zu <em>Massen</em>. Zu unterscheiden sind sie dann nur noch <span id="more-1325"></span>durch ein langes oder kurzes A, was aber natürlich nur in der gesprochenen Sprache weiterhilft. Hier also nicht.</p>
<p>Steht das Mass (1) mit langem A hinter <em>in Massen</em>, bedeutet der Ausdruck soviel wie &#8220;massvoll&#8221;, also in vernünftigem Mass.</p>
<p>Steckt in <em>in Massen</em> jedoch die Masse (2, mit kurzem A), dann kann es gar nicht genug sein. &#8220;In rauhen Mengen&#8221;, soll das Bier dann getrunken werden.</p>
<p>Und das Drama: <strong>Im Schriftbild sind die beiden nicht zu unterscheiden.</strong></p>
<h3>Und als ob das noch nicht genug wäre: Mass (3)</h3>
<p>Deutsche Leser mögen sich nun ins Fäustchen lachen und denken: &#8220;Das habt Ihr  nun davon, dass ihr das ß nicht verwendet.&#8221; Tatsächlich hilft das hochdeutsche Eszett (so nennt man den mit ß geschriebenen Buchstaben) in diesem Fall bei der Unterscheidung: Das <em>Mass</em> (1) nämlich wird in Deutschland <em>Maß</em> (1) geschrieben, die <em>Masse</em> (2) aber wie in der Schweiz mit ss. Entsprechend <strong>könnte die Zweideutigkeit des Texts in Deutschland mit <em>in Maßen </em>(1) oder <em>in Massen</em> (2) vermieden werden.</strong></p>
<p>Oder?</p>
<p><strong>Zu früh gefreut!</strong></p>
<p>Im bierfreudigen Deutschland wird das Bier nämlich in einer Einheit serviert, die durch imposante Glaskrüge von 1 Liter Inhalt beeindruckt und <em>Mass</em> genannt wird. (Ich gebe dem Krug die Nummer 3.) In der Schweiz würde man <em>Mass</em> (3) schreiben (und die Verwirrung bei der Interpretation der Bildunteschrift mit dieser dritten Variante ins endgültig unerträgliche Mass (1) steigern). In Deutschland aber schreibt man den Bierkrug <em>Maß </em>(3) und in der Mehrzahl wird daraus <em>Maße</em> (3). Da hilft es auch wenig, dass es in der Einzahl <em>die Maß</em> (3) heisst und das Wort sich immerhin in seinem Geschlecht vom Mass/Maß (1) unterscheidet. <strong>In der Mehrzahl ist die Eindeutigkeit von Neuem dahin.</strong></p>
<p>Schreibt ein Deutscher also <em>in Maßen</em>, ist wohl klar, dass es nicht heissen kann, Bier sei in rauhen Mengen zu trinken (der Bezug auf <em>Masse</em> (2) ist dank ß ausgeschlossen). Er hat aber immerhin noch die Qual der Wahl zwischen dem Trinken in massvollen Mengen (1) oder in Mengen, die in gigantischen Krügen serviert werden (3). Letzteres dürfte man inhaltlich dann wohl ohne Gewaltanwendung mit (2) gleichsetzen</p>
<p>Daher: Egal ob diesseits oder jenseits unserer nördlichen Grenze: Zu bedauern bist du, der du dir das Deutsche als Fremdsprache erarbeiten musst; besonders, wenn du dabei gerne ab und zu ein Bier trinkst.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2011/06/03/das-mass-ist-voll-dasselbe-ist-das-gegenteil/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Schweizerdeutscher Bananenschutz</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/11/27/schweizerdeutscher-bananenschutz/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/11/27/schweizerdeutscher-bananenschutz/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 15:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schweizerdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Hochdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://verstaendlich.ch/?p=861</guid>
		<description><![CDATA[Über das (nicht nur sprachlich) manchmal nicht ganz unkomplizierte Miteinander von Deutschen und Schweizern wurde ja schon viel geschrieben und diskutiert. Ist es da wirklich nötig, dass ich meinen Senf auch noch dazugebe? Klar! In einem Katalog bin ich auf dieses Bilderbuchbeispiel gestossen, das kräftig illustriert, wie tückisch die Sache mit dem Hochdeutschen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über das (nicht nur sprachlich) manchmal nicht ganz unkomplizierte Miteinander von Deutschen und Schweizern wurde ja schon viel geschrieben und diskutiert. Ist es da wirklich nötig, dass ich meinen Senf auch noch dazugebe?</p>
<p>Klar!</p>
<p>In einem Katalog bin ich auf dieses Bilderbuchbeispiel gestossen, das kräftig illustriert, wie tückisch die Sache mit dem Hochdeutschen in der Schweiz sein kann. Dramatisch ist das allerdings nicht, denn diese Probleme scheinen mir durchaus auch integrierendes Potenzial zu haben. Immerhin betreffen sie ja ebenso Schweizer, die sich hochdeutsch ausdrücken wollen oder müssen wie Deutsche, die in der Schweiz mit diesen Versuchen konforntiert sind.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/DSCN69161.jpg" target="_blank"><img class="alignnone" style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="DSCN6916" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/DSCN6916_thumb1.jpg" border="0" alt="DSCN6916" width="454" height="341" /></a></p>
<p>Die in einem Katalog angepriesene Plastikdose in Bananenform soll nun dazu beitragen, dass keine Bananen mehr verdrückt werden. Und jetzt wird es doch etwas dramatisch, denn hier verkehrt der Missgriff die Aussage beinahe in ihr Gegenteil. Wenn ich das Konzept nämlich richtig verstehe, dann besteht die beabsichtigte Wirkung der Dose doch vielmehr darin, dass <em>mehr</em> Bananen verdrückt werden. Vor allem jene Bananen, die ohne diese Dose zerdrückt worden wären und daher kaum mehr mit Freude hätten verdrückt werden können.</p>
<p><span id="more-861"></span>Der Kern des Problemes liegt in der Vorsilbe. Wir Schweizer sagen gerne ver-, wo die Deutschen mit zer- einleiten. Das ginge ja noch. Nun ist es aber leider so, dass es im Hochdeutschen die Kombination mit ver- oft auch gibt, jedoch mit anderer Bedeutung. Im illustrierten Fall ergibt das folgende Verwicklung:</p>
<p>Hochdeutsch <em>zerdrücken</em> bedeutet, etwas mit Krafteinwirkung flach machen. Schweizerdeutsch heisst das <em>vertrucke.</em> Dies kann vermeintlich mit hochdeutsch <em>verdrücken</em> wiedergegeben werden. Diese Überlegung ist eigentlich recht schlau (wie wir Schweizer eben sind), klappt aber nicht, weil <em>verdrücken</em> im Hochdeutschen bereits mit einer Bedeutung belegt ist – und zwar leider mit einer anderen als <em>vertrucke</em>. <em>Verdrücken </em>ist ein umganssprachliches Wort für <em>essen.</em></p>
<p>“Er verdrückte genüsslich eine Banane” ist daher überhaupt nicht dasselbe wie “Er* zerdrückte genüsslich eine Banane.” Und definitiv klar sollte der Unterschied werden, wenn einer freudig berichtet: “Nachdem ich die Banane zerdrückt hatte, verdrückte ich sie genüsslich.” (Es soll auch Erwachsene geben, die so etwas mögen.)</p>
<p>Das Muster ist also einfach:</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerschneiden</em> – die Schweizer sagen <em>verschneiden</em>.</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerreiben</em> – die Schweizer sagen <em>verreiben</em>.</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerbrechen</em> – die Schweizer sagen <em>verbrechen</em>. (Achtung, Missverständnis in Reichweite! Und blöderweise sagen die Schweizer zu Hochdeutsch <em>verbrechen</em> ebenfalls <em>verbrechen</em>.)</p>
<p>Wenn die Schweizer Ver-Versionen keine eigene hochdeutsche Bedeutung haben, bringen gelegentliche Misstritte in der Regel keine Probleme mit sich. Eine Warnung muss ich aber doch an alle lernfreudigen Schweizer richten, die aus diesen Beobachtungen nun gerne eine Regel ableiten möchten. Das klappt leider nur sehr unvollkommen: So heisst es schweizerdeutsch zwar <em>verbrannt</em>, hochdeutsch deswegen aber noch lange nicht <em>zerbrannt</em>, sondern eben auch <em>verbrannt</em>. Auch aus <em>verfolgen</em> wird trotz obiger Beobachtung leider nicht <em>zerfolgen.</em></p>
<p>Manchmal könnte man fast zerzweifeln.</p>
<p>* Weil zwischen den Anführungszeichen ein vollständiger Satz steht, wird <em>Er</em> hier grossgeschrieben, obwohl kein Punkt vorausgeht.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://verstaendlich.ch/2009/11/27/schweizerdeutscher-bananenschutz/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

