Wer liest, wird ein besserer Mensch

Titelseite NZZ am Sonntag vom 26. März 2012Die NZZ am Sonntag (25. März 2012, Seite 76) berichtet Interessantes über das Lesen. Kurz zusammengefasst:

Wer liest, wird ein besserer Mensch.

Dass der Artikel keine Quellenangabe enthält, ist eine sträfliche Unterlassung. Ich ergänze sie mit meiner eigenen Bequemlichkeit und verzichte auf eine Recherche. Stattdessen habe ich den Artikel abgetippt:

Dies ist nicht das Zeitalter, in dem man noch grosse Romane liest. Wem sollten seitenlange erfundene Dialoge oder – noch anstrengender! – detaillierte Beschreibungen heute nützen? Nun, der Beweglichkeit des Gehirns vielleicht. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wörter wie Lavendel, Zimt oder Harz beim Lesen die gleichen Gehirnaktivitäten in Gang setzten wie die entsprechenden Gerüche. Ebenso aktivieren Bewegungsverben die gleichen Regionen wie die Bewegungen selbst: Wenn der Stürmer auf dem Papier mit Vollrist abzieht, zuckt es den Leser im Fuss. Ist die Sprache anschaulich, unterscheidet das Gehirn also nicht zwischen Leseerfahrung und realem Erleben. Romane bieten zudem den Vorteil, dass sie die Realität nicht nur simulieren, sondern überhöhen. Sie lassen Leser Gefühlsbewegungen nachvollziehen die ihre Erfahrungswelten transzendieren. Als Folge davon – das hat ein Psychologe der York University in Kanada gezeigt – können Menschen, die Romane lesen, sich im realen Sozialleben besser in andere einfühlen und deren Gefühle und Handlungsmotive besser nachvollziehen. Und dies nicht nur, weil sie entsprechend veranlagt sind – der Vorsprung vergrössert sich mit jedem weiteren gelesenen Buch.

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (4)

Zum ersten Mal habe ich mich auf ein umfangreiches Hörbuch eingelassen: Darkside Park von Ivar Leon Menger und fünf weiteren Autoren, die er für dieses Projekt engagiert hatte.

Über Wochen hatten mich die Geschichten um die eigenartige Stadt Porterville auf meinem iPod begleitet, und letzten Dienstag dann war das Ende ganz nahe gerückt. Leider aber bot der Dienstag keine Gelegenheit, sich gemütlich zurückzulehnen um die letzte Stunde mit voller Aufmerksamkeit geniessen zu können; meine Agenda war voll, ich hatte Termin nach Termin und konnte meine Abstecher nach Porterville deshalb nur sehr zerhackt dazwischenschieben.

Und dann, ganz am Schluss, blieben noch 4 Minuten. Ich war gerade mit dem Auto auf den Parkplatz gefahren, deponierte meine Tasche im Büro und machte mich dann zu Fuss auf den Weg, um bei Freunden zu essen. Auf diesem Weg würde ich die 4 Minuten gerade unterbringen können. Doch wollte ich das? So nebenbei?

Es erschien mir unwürdig, nachdem ich nun über Wochen immer wieder in dieser Geschichte versunken war und doch mit einiger Spannung auf den Schluss wartete. Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (3)

Hornby im ZugEs musst ja wieder einmal soweit kommen. Den grössten Teil meiner Lesearbeit leiste ich unterwegs, und das bedeutet, dass ein grosser Teil dieses grössten Teiles beim Zugfahren geschieht. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder einmal ein Buch im Zug zu Ende las. Es war About a Boy von Nick Hornby. Letzte Woche.

Nun habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zum Lesen im Zug. Einerseits gibt es kaum etwas Entspannenderes. Bei einer längeren Zugfahrt ein gutes Buch zu lesen, ist für mich wie Ferien. Andererseits sind die wenigsten meiner Zugfahrten länger. Als ich About a Boy zu Ende las, war ich unterwegs von Zürich nach Thalwil. Das sind 9 Minuten. Von Abschalten kann unter diesen Bedingungen keine Rede sein, denn im Hinterkopf sitzt konstant der Gedanke ans Aussteigen. Das nervt; vor allem in der letzten Phase der Lektüre, wenn ich mich – wie den Lesern dieser Rubrik inzwischen klar sein dürfte – von nichts und niemandem stören lassen will. Der Autor hat an den letzten Abschnitten und Sätzen seiner Geschichte sicherlich besonders sorgfältig gearbeitet, und so habe ich das Gefühl, ihm gerade hier meine besonders ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen zu müssen. Weiterlesen:

Lange Wörter sind wichtige Wörter. – Wirklich?

Leider weiss ich nicht mehr, über welchen Newsletter-Kanal mich diese Empfehlung erreicht hat. Man verzeihe mir daher bitte die fehlende Quellenangabe.

Das Rezept ist einfach: Ein über die Seite gezogenes Lineal gibt immer eine Textzeile frei, die dann von den Augen ganz schnell erfasst werden muss. So wird das Lesen schneller und effektiver.

Erstaunt hat mich der Hinweis im letzten Abschnitt:

Geübte Anwender dieser Methode erfassen mit einem Blick alle langen – das heisst für das Verständnis eines Textes wichtigen – Wörter auf 1 Blick.

Die langen Wörter sollen zwingend auch die wichtigen sein? Was ist denn das für eine eigenartige Logik?

Das will ich ausprobieren. Und welcher Text wäre dafür besser geeignet als der, der dieses Vorgehen empfiehlt? Welches sind seine wichtigen Wörter? Ich gehe dabei ganz mechanisch vor und bestimme pro Zeile die zwei längsten Wörter. (Ja, genau, ich messe die Pixel nach.) Das Resultat: Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (2)

Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant. Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen hat es mir angetan. Eine ausgezeichnete Umgebung, um ein Buch fertigzulesen.

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest: im CaféDas Café ist vor allem deswegen geeignet, weil ich mich hier als Teil einer grösseren Geschichte erlebe. Wenn ich zuhause im Bett lese, bin ich einigermassen vom Leben um mich herum isoliert. Allein. Doch allein schreibt man keine grossen Geschichten. Geschichten ereignen sich zwischen Menschen. Und im Café sind Menschen, und ich bin mittendrin. Das erinnert mich daran, dass das Leben auch eine Geschichte ist, und die Geschichte, die ich gerade zu Ende lese, Teil dieser Geschichte. Die Grenzen zwischen literarischer Geschichte und Lebensgeschichte verschwimmen. Erfundenes und Reales sind nicht mehr klar zu unterscheiden. So muss Lesen sein!

Weitere Vorteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese: Weiterlesen:

Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (1)

Gestern habe ich die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson zu Ende gelesen. Ich gehöre jetzt also auch dazu. Der Erfolg dieser Bücher ist ja eindrücklich, darüber werde ich womöglich an einem anderen Tag noch schreiben.

Ein Buch fertigzulesen ist immer ein spezielles Erlebnis. Fast ein bisschen feierlich ist mir dann jeweils zumute. Die äussere Umgebung entspricht diesem Empfinden jedoch nur selten. Ein Buch fertiglesen kann man schliesslich an jedem Ort, ganz egal wie profan er ist. Und doch empfinde ich, dass ein Ort zu einem besonderen Ort wird, wenn ich dort ein Buch fertiglese. Ihm wird eine spezielle Würde zuteil.

Dabei kann ich die Wahl eines solchen Ortes nur sehr begrenzt kontrollieren. Grundsätzlich gilt: Wenn ich zur letzten Seite, zum letzten Satz eines Buches komme, dann habe ich mir den Ort, an dem das passiert, nicht ausgewählt. (Wenn ich den Schluss eines Buches aufschieben kann, um ihn an einem speziellen Ort zu erleben, dann muss es tatsächlich um einen besonders speziellen Ort gehen, oder mit dem Buch stimmt etwas nicht.) Es geschieht dort, wo ich eben gerade bin. Orte, an denen ich ein Buch fertiglese, sind daher Schicksalsorte.

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