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	<title>verständlich&#187; Literatur</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Wer liest, wird ein besserer Mensch</title>
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		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 07:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die NZZ am Sonntag (25. März 2012, Seite 76) berichtet Interessantes über das Lesen. Kurz zusammengefasst: Wer liest, wird ein besserer Mensch. Dass der Artikel keine Quellenangabe enthält, ist eine sträfliche Unterlassung. Ich ergänze sie mit meiner eigenen Bequemlichkeit und verzichte auf eine Recherche. Stattdessen habe ich den Artikel abgetippt: Dies ist nicht das Zeitalter, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/NZZaS-2012-03-26.jpg"><img class="size-medium wp-image-2713 alignright" title="Titelseite NZZ am Sonntag vom 26. März 2012" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/NZZaS-2012-03-26-204x300.jpg" alt="Titelseite NZZ am Sonntag vom 26. März 2012" width="204" height="300" /></a>Die <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/nzzas" target="_blank">NZZ am Sonntag</a> (25. März 2012, Seite 76) berichtet Interessantes über das Lesen. Kurz zusammengefasst:</p>
<p><strong>Wer liest, wird ein besserer Mensch.</strong></p>
<p>Dass der Artikel keine Quellenangabe enthält, ist eine sträfliche Unterlassung. Ich ergänze sie mit meiner eigenen Bequemlichkeit und verzichte auf eine Recherche. Stattdessen habe ich den Artikel abgetippt:</p>
<blockquote><p>Dies ist nicht das Zeitalter, in dem man noch grosse Romane liest. Wem sollten seitenlange erfundene Dialoge oder – noch anstrengender! – detaillierte Beschreibungen heute nützen? Nun, der Beweglichkeit des Gehirns vielleicht. Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Wörter wie Lavendel, Zimt oder Harz beim Lesen die gleichen Gehirnaktivitäten in Gang setzten wie die entsprechenden Gerüche. Ebenso aktivieren Bewegungsverben die gleichen Regionen wie die Bewegungen selbst: Wenn der Stürmer auf dem Papier mit Vollrist abzieht, zuckt es den Leser im Fuss. Ist die Sprache anschaulich, unterscheidet das Gehirn also nicht zwischen Leseerfahrung und realem Erleben. Romane bieten zudem den Vorteil, dass sie die Realität nicht nur simulieren, sondern überhöhen. Sie lassen Leser Gefühlsbewegungen nachvollziehen die ihre Erfahrungswelten transzendieren. Als Folge davon – das hat ein Psychologe der York University in Kanada gezeigt – können Menschen, die Romane lesen, sich im realen Sozialleben besser in andere einfühlen und deren Gefühle und Handlungsmotive besser nachvollziehen. Und dies nicht nur, weil sie entsprechend veranlagt sind – der Vorsprung vergrössert sich mit jedem weiteren gelesenen Buch.</p></blockquote>
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		<title>Sunset Park von Paul Auster: Was bleibt, ist die Leere.</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Jun 2011 05:09:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Leselust]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Auster]]></category>

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		<description><![CDATA[In der Regel kauft und liest man Bücher wegen der Wörter, die in ihnen stehen, die auf ihren Seiten abgedruckt sind. Was auf diesen Seiten weiss geblieben ist, wird hingegen kaum beachtet. Ich erwarte auch nichts von diesen freien, weissen Orten. Sie leisten keinen Beitrag an die Geschichte. Umso stärker ist mir der Schluss von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Paul-Auster-Sunset-Park-last-words-web.jpg"><img class="size-medium wp-image-2119 alignleft" title="Paul Austers &quot;Sunset Park&quot;: die letzte Seite" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Paul-Auster-Sunset-Park-last-words-web-226x300.jpg" alt="Die letzte Seite von Paul Austers Roman &quot;Sunset Park&quot;" width="226" height="300" /></a><strong>In der Regel kauft und liest man Bücher wegen der Wörter,</strong> die in ihnen stehen, die auf ihren Seiten abgedruckt sind. Was auf diesen Seiten weiss geblieben ist, wird hingegen kaum beachtet. Ich erwarte auch nichts von diesen freien, weissen Orten. Sie leisten keinen Beitrag an die Geschichte.</p>
<p>Umso stärker ist mir der Schluss von Paul Austers aktuellem Roman <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0571258816/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0571258816">Sunset Park</a></em> unter die Haut gefahren. Die Kraft ergab sich aus dem <strong>Zusammenspiel der letzten Wörter mit dem freigebliebenen Papier</strong> auf der letzten Seite.</p>
<p><strong>Spoilerwarnung:</strong> Da ich über den Schluss dieses Romanes schreibe, werde ich nicht darum herumkommen, zu verraten, wie die Geschichte ausgeht. Wer trotzdem weiterliest, nehme dies in Kauf und verzichte auch darauf, das nebenstehende Foto genauer zu betrachten.</p>
<p><span id="more-2117"></span>Zunächst: Das Buch hat mich nicht umgehauen. Irgendwie hat es mich nicht in dem Masse eingenommen, wie ich es sonst von Auster gewöhnt bin. Aber der Schluss – <strong>der Schluss hat mich dann für alles entschädigt</strong>. Und dass dieser Schluss eine solche Wirkung entfalten konnte, nachdem die vorangehenden 300 Seiten mich einigermassen kalt gelassen hatten, unterstreicht seine Kraft noch mehr.</p>
<h3>Ein Mann auf der Flucht</h3>
<p><strong>Der Roman folgt der Geschichte des jungen Miles Heller</strong>, der nach einem dramatischen Unfall, bei dem er den Tod seines Stiefbruders verschuldet, aus seiner Lebensumgebung ausbricht und alles hinter sich lässt, um an einem neuen Ort ganz neu anzufangen. Tatsächlich findet er in der Beziehung zu einer Frau eine neue Perspektive. Gezwungen, sich für einige Monate von seiner grossen Liebe zu trennen, lebt er in der Hoffnung, nach der Trennung mit ihr ein gemeinsames Leben aufzubauen. Diese Hoffnung bewegt ihn auch dazu, sich den alten Wunden zu stellen und neu den Kontakt mit seinen Eltern aufzunehmen, die er vor Jahren ohne Angabe eines Grundes verlassen hat.</p>
<p>Soweit so gut. Doch dann, 10 Seiten vor dem Schluss, passiert wieder einmal <strong>einer dieser unerwarteten, blöden, alles vernichtenden Zwischenfälle, für die ich Austers Arbeit so liebe, weil sie ist wie das Leben.</strong> Und dann geht ganz schnell ganz viel kaputt.</p>
<h3>Am Ende die Leere</h3>
<p>Der Roman lässt uns zurück mit einem Bild von Miles Heller, der in einem Taxi unterwegs ist zu seinem Vater, der ihm in der neuen bedrohlichen Situation seine Hilfe angeboten hat. Doch dieses Angebot steht nicht im Vordergrund. Dort steht stattdessen <strong>der komplette Verlust aller Hoffnung</strong>. Der letzte Satz von <em>Sunset Park</em> zieht sich über beinahe eineinhalb Seiten, ein Gedankenschwall, der nicht abreissen will und dem ich mich nicht entziehen kann. Und am Schluss steht das (Übersetzung durch mich. Aus mir unbekannten Gründen ist das Buch noch nicht auf Deutsch erschienen):</p>
<blockquote><p>… and he wonders if it is worth hoping for a future when there is no future, and from now on, he tells himself, he will stop hoping for anything and live only for now, this moment, this passing moment, the now that is here and then not here, the now that is gone forever.</p>
<p>… und er fragt sich, ob es sich lohnt, auf eine Zukunft zu hoffen, wenn es doch keine Zukunft gibt, und von jetzt an, so sagt er sich selbst, wird er nichts mehr hoffen und nur noch für den Moment leben, diesen Augenblick, diesen vergänglichen Augenblick, das Jetzt, das hier ist und dann fort, das Jetzt, das für immer vergangen ist.</p></blockquote>
<p>Und dann sind drei Viertel der Seite leer (siehe Abbildung).</p>
<p>Wow.</p>
<p><strong>Diese Leere verbündet sich mit den letzten Wörtern, dem letzten Gedanken der Geschichte</strong></p>
<blockquote><p>the now that is gone forever</p>
<p>das Jetzt, das für immer vergangen ist</p></blockquote>
<p><strong>zu einem Schlag in die Magengrube.</strong> So jedenfalls fühlte ich mich. Vielleicht ein bisschen wie Miles Heller, der Protagonist: schwer getroffen, alleingelassen, orientierungslos, plötzlich vor dem Nichts stehend.</p>
<p>Schmerzhaft.</p>
<p><strong>Auch so kann Literatur sein. Auch das vermag Sprache.</strong></p>
<p>Wer keine Bücher liest, verpasst so einiges.</p>
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		<title>Interview mit Paul Auster (MP3)</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Oct 2010 07:02:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Von den Besten lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Auster]]></category>
		<category><![CDATA[Podcast]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[In irgendeiner Ecke des Internets bin ich auf dieses faszinierende Interview mit Paul Auster gestossen (englisch, 57 Min., aus der Podcastreihe 92nd Street Y). Der amerikanische Autor spricht ausführlich über die handwerklichen Aspekte seiner Arbeit (mit Füllfederhalter und Schreibmaschine), über seine Leben als Schriftsteller und den Weg dahin. Bestechend klar, offen, sympathisch, packend und witzig. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In irgendeiner Ecke des Internets bin ich auf dieses faszinierende <a href="http://castroller.com/podcasts/NdStreetY/1453365-92Y%20Podcast%20From%20the%20Poetry%20Center%20Archive%20Paul%20Auster%20A%20Buzz%20in%20the%20Head" target="_blank">Interview</a> mit Paul Auster gestossen (englisch, 57 Min., aus der Podcastreihe 92nd Street Y). Der amerikanische Autor spricht ausführlich über die handwerklichen Aspekte seiner Arbeit (mit Füllfederhalter und Schreibmaschine), über seine Leben als Schriftsteller und den Weg dahin. Bestechend klar, offen, sympathisch, packend und witzig. Einfach inspirierend.</p>
<p>Und unerhört gut.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (3)</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/10/08/orte-an-denen-man-bucher-zu-ende-liest-3/</link>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 12:17:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Orte, an denen man Bücher zu Ende liest]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Leselust]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Nick Hornby]]></category>

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		<description><![CDATA[Es musst ja wieder einmal soweit kommen. Den grössten Teil meiner Lesearbeit leiste ich unterwegs, und das bedeutet, dass ein grosser Teil dieses grössten Teiles beim Zugfahren geschieht. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder einmal ein Buch im Zug zu Ende las. Es war About a Boy von Nick Hornby. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Hornby-im-Zug-web.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-1649" title="Hornby im Zug" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Hornby-im-Zug-web-300x225.jpg" alt="Hornby im Zug" width="300" height="225" /></a>Es musst ja wieder einmal soweit kommen. Den grössten Teil meiner Lesearbeit leiste ich unterwegs, und das bedeutet, dass ein grosser Teil dieses grössten Teiles beim Zugfahren geschieht. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis ich <strong>wieder einmal ein Buch im Zug zu Ende las</strong>. Es war <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3526523703?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3526523703" target="_blank">About a Boy</a></em> von Nick Hornby. Letzte Woche.</p>
<p>Nun habe ich ein <strong>zwiespältiges Verhältnis zum Lesen im Zug</strong>. Einerseits gibt es kaum etwas Entspannenderes. Bei einer längeren Zugfahrt ein gutes Buch zu lesen, ist für mich wie Ferien. Andererseits sind die wenigsten meiner Zugfahrten länger. Als ich <em>About a Boy</em> zu Ende las, war ich unterwegs von Zürich nach Thalwil. Das sind 9 Minuten. Von Abschalten kann unter diesen Bedingungen keine Rede sein, denn im Hinterkopf sitzt konstant der Gedanke ans Aussteigen. Das nervt; vor allem in der letzten Phase der Lektüre, wenn ich mich – wie den Lesern dieser Rubrik inzwischen klar sein dürfte – von nichts und niemandem stören lassen will. Der Autor hat an den letzten Abschnitten und Sätzen seiner Geschichte sicherlich besonders sorgfältig gearbeitet, und so habe ich das Gefühl, ihm gerade hier meine besonders ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen lassen zu müssen.<span id="more-1648"></span></p>
<p>Ich war an diesem Abend also etwas in der Klemme, neugierig auf den Schluss des Buches, das schon so lange auf meiner Lektüreliste gestanden hatte (die <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000067FYM?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000067FYM" target="_blank">Verfilmung</a> schaue ich mir seit Jahren in regelmässigen Abständen immer wieder an), und gleichzeitig unsicher, ob denn die 9-Minuten-Fahrt ausreichen würde, um den Abschluss würdig zu begehen. Aber: <strong>Ist es nicht gerade diese Zittrigkeit, die das Leseerlebnis noch einen Hauch intensiver macht?</strong> Wie Autofahren ohne Sicherheitsgurte. (Achtung: Nur ein Beispiel. Ich mache das nie und es soll bitte auch niemand auf die Idee kommen. Jedenfalls nicht aufgrund dieses Artikels.) In meiner Klemme siegte natürlich die Leselust. Und es ging auf. Nicht einmal knapp war es, so dass ich das Buch ruhig zur Seite legen konnte, mich entspannt in die Sofa-Ecke (Intercity-Doppelstöcker oben gleich nach der Treppe) fläzen und sogar noch ein Foto von Buch und SBB-Bistrotisch schiessen. Schön war das. Mein Mut hatte sich gelohnt, und der Nervenkitzel (reicht es, reicht es nicht?) verfehlte auch nicht seine Wirkung. Wenn das Leben nur immer so wäre!</p>
<p><strong>Weitere Vorteile des Zuges als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li>Der Ort, an dem ich den definitiv letzten Satz zu mir nehme, ist weitgehend vom Zufall bestimmt. Deshalb ist er auch <strong>nicht reproduzierbar</strong>. Ich kann das Buch zwar nochmals lesen, werde es aber nie mehr am exakt gleichen Ort zu Ende lesen können. Das ist wie im Leben. Und Literatur ist Leben.</li>
<li>Ich sitze inmitten einer <strong>zusammengewürfelten Weggemeinschaft</strong>. Da geht es mir genau gleich wie den Figuren in den Geschichten, die ich lese. Und auch das ist wie im richtigen Leben.</li>
<li>Zugfahren entspannt. Das regelmässige Rauschen (früher kam dazu noch das Pochen auf den Gleisnähten, wie ein Herzschlag) <strong>kann den Leser in eine Art Trance versetzen.</strong> Da gibt es dann nicht mehr viel anderes als mich und mein Buch.</li>
<li>Wenn ich dann tatsächlich fertig bin und das Buch zur Seite lege, <strong>kann ich die letzten Sätze ausgiebig in mir nachklingen lassen</strong>. Nichts kann sich in diese Stille drängen, denn ich bin ja noch nicht dort, wo ich hin will. Ich bin eigentlich nirgends, irgendwo dazwischen. Was soll ich dort anderes tun als dasitzen und aus dem Fenster sehen? Und der Welt zuschauen, die an mir vorbeizieht wie eine Geschichte.</li>
</ul>
<p><strong>Nachteile des Zuges als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li>Der <strong>Kaffee</strong>.</li>
<li>Wenn es dann doch einmal nicht aufgeht, ist es höchst ärgerlich, entweder <strong>das Buch 6 Zeilen vor Schluss nochmals wegpacken </strong>oder eine Station weiterfahren und dann wieder umkehren zu müssen.</li>
<li><strong>Ein unsensibler Schaffner könnte mich in der sensiblen Phase schroff ansprechen</strong> und den Lesefluss stören. Dabei sollten Leser im Zug mindestens ebenso zärtlich auf die Billetkontrolle hingewiesen werden wie schlafende Passagiere. (&#8220;Dürfte ich vielleicht ihr Billet sehen, wenn Sie mit diesem Kapitel fertig sind?&#8221;)</li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (2)</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/07/16/orte-an-denen-man-bucher-zu-ende-liest-2/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 09:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Orte, an denen man Bücher zu Ende liest]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Leselust]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant. Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Einer meiner liebsten Orte, um ein Buch fertigzulesen, ist ein Café oder ein Restaurant.</strong> Vorzugsweise ein Café – und es muss noch nicht einmal Starbucks sein. Ich sitze ohnehin gerne in Cafés, weil ich mich hier vom Leben umgeben fühle und Dinge beobachten kann, die mir sonst komplett verborgen blieben. Das unberechenbare Gewimmel von Menschen hat es mir angetan. Eine ausgezeichnete Umgebung, um ein Buch fertigzulesen.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lesen-im-cafe-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1362" title="Lesen im Café" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/lesen-im-cafe-web-300x225.jpg" alt="Orte, an denen man Bücher zu Ende liest: im Café" width="300" height="225" /></a>Das Café ist vor allem deswegen geeignet, <strong>weil ich mich hier als Teil einer grösseren Geschichte erlebe.</strong> Wenn ich zuhause im Bett lese, bin ich einigermassen vom Leben um mich herum isoliert. Allein. Doch allein schreibt man keine grossen Geschichten. Geschichten ereignen sich zwischen Menschen. Und im Café sind Menschen, und ich bin mittendrin. Das erinnert mich daran, dass das Leben auch eine Geschichte ist, und die Geschichte, die ich gerade zu Ende lese, Teil dieser Geschichte. <strong>Die Grenzen zwischen literarischer Geschichte und Lebensgeschichte verschwimmen.</strong> Erfundenes und Reales sind nicht mehr klar zu unterscheiden. So muss Lesen sein!</p>
<p><strong>Weitere Vorteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:<span id="more-1355"></span></strong></p>
<ul>
<li><strong>Ich kann mir ganz nach meiner momentanen Lust etwas Feines bestellen.</strong> Das ist genussvoll. Und auch Lesen hat mit Genuss zu tun. Wenn mehr Sinne geniessen, wird darum auch die Leseerfahrung umfassender.</li>
<li><strong>Das fremde Umfeld reduziert die Ablenkung. </strong>Trotz der bewegten  Umgebung fühle ich mich in einem Café in der Regel fokussierter als daheim oder im Büro.</li>
<li>Ich habe die <strong>Möglichkeit, einem wildfremden Menschen mein Herz über das gerade gelesene Buch auszuschütten.</strong> Ich kann vorschwärmen oder über das Leben und den Tod philosophieren oder mich als eine der Figuren aus meinem Buch ausgeben – und das ganz ohne Angst vor Konsequenzen. (Ich gebe zu: Das habe ich noch nie gemacht, aber ich könnte!)</li>
</ul>
<p><strong>Nachteile des Cafés als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li><strong>&#8220;Ist hier noch frei?&#8221; </strong>Diese Frage könnte ausgerechnet dann ertönen, wenn ich gerade in den letzten Abschnitt (oder gar den letzten Satz) meines Buches eingetreten bin. Dann darf ich aber nicht mehr unterbrochen werden! (Dieser Punkt ist gleichzeitig ein Vorteil, weil er den Nervenkitzel erhöht.)</li>
<li>Ich bin <strong>gehemmt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.</strong> In einem Café werde ich weder herumtanzen noch jubeln noch weinen. (Nicht, dass jedes Buch eine so dramatische Reaktion verlangt, aber es kann ja mal vorkommen.) So bleibt eine angemessene Antwort möglicherweise unterdrückt. Und diese Antwort lässt sich später nicht mehr nachholen, weil die Gefühle sich schnell wieder legen.</li>
<li>Immerhin bietet das Café eine <strong>ausgezeichnete Umgebung, um mit einigen Sätzen im Notizbuch zu antworten</strong>. Ich schlage mein Buch zu, atme durch, bestelle mir nochmals einen Kaffee und schreibe einige spontane Zeilen an eine der Figuren aus dem Buch, an den Autor oder an mich selbst.</li>
</ul>
<p>Hoppla, das war ja schon wieder ein Vorteil.</p>
<p>Ich sollte mehr in Cafés lesen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Orte, an denen man Bücher zu Ende liest (1)</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/05/28/orte-an-denen-man-bucher-zu-ende-liest-1/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 15:15:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Orte, an denen man Bücher zu Ende liest]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Leselust]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern habe ich die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson zu Ende gelesen. Ich gehöre jetzt also auch dazu. Der Erfolg dieser Bücher ist ja eindrücklich, darüber werde ich womöglich an einem anderen Tag noch schreiben. Ein Buch fertigzulesen ist immer ein spezielles Erlebnis. Fast ein bisschen feierlich ist mir dann jeweils zumute. Die äussere Umgebung entspricht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich die Millenium-Trilogie von Stieg Larsson zu Ende gelesen. Ich gehöre jetzt also auch dazu. Der Erfolg dieser Bücher ist ja eindrücklich, darüber werde ich womöglich an einem anderen Tag noch schreiben.</p>
<p><strong>Ein Buch fertigzulesen ist immer ein spezielles Erlebnis.</strong> Fast ein bisschen feierlich ist mir dann jeweils zumute. Die äussere Umgebung entspricht diesem Empfinden jedoch nur selten. Ein Buch fertiglesen kann man schliesslich an jedem Ort, ganz egal wie profan er ist. Und doch empfinde ich, dass ein Ort zu einem besonderen Ort wird, wenn ich dort ein Buch fertiglese. Ihm wird eine spezielle Würde zuteil.</p>
<p>Dabei kann ich die Wahl eines solchen Ortes nur sehr begrenzt kontrollieren. Grundsätzlich gilt: Wenn ich zur letzten Seite, zum letzten Satz eines Buches komme, dann habe ich mir den Ort, an dem das passiert, nicht ausgewählt. (Wenn ich den Schluss eines Buches aufschieben kann, um ihn an einem speziellen Ort zu erleben, dann muss es tatsächlich um einen besonders speziellen Ort gehen, oder mit dem Buch stimmt etwas nicht.) Es geschieht dort, wo ich eben gerade bin. <strong>Orte, an denen ich ein Buch fertiglese, sind daher Schicksalsorte.</strong></p>
<p><span id="more-1233"></span>Ganz im Gegensatz zu Orten, an denen ich ein Buch beginne. Das ist ja lange eingefädelt: Ich nehme zum Beispiel ein Buch mit in die Ferien. Oder ich packe es am Morgen in meine Tasche, um während einer langen Zugfahrt in die Geschichte einzusteigen. Oder ich nehme es am Abend mit ins Bett.</p>
<p><strong>Das Ende ist viel weniger planbar. </strong>Weiss ich, ob ich während meinen Ferien fertig werde? Oder ob die Dauer der Zugfahrt reicht? Oder wie lange es dauert, bis ich im Bett einschlafe?</p>
<p>Dass ein Ort, an dem ich ein Buch fertiglese, ein Schicksalsort ist, hat auch damit zu tun, dass er eine wichtige Rolle dabei spielt, eine Geschichte zu einem Teil meiner Geschichte zu machen. Die Emotionen, die ich nach Abschluss der Lektüre empfinde, sind mit dem Ort verbunden. Vor allem aber beeinflusst der Ort, meine ersten Reaktionen nach dem letzten Satz. Und genau darum geht es hier. Genau darum habe ich mich entschieden, den Orten, an denen ich ein Buch fertiggelesen habe (oder fertiglesen könnte oder möchte oder nicht möchte), eine Artikelreihe zu widmen.</p>
<p>Nun muss ich diese Reihe leider eher unspektakulär eröffnen. Den dritten Band der Millenium-Trilogie, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3453434064?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3453434064" target="_blank"><em>Vergebung</em></a>, habe ich nämlich gestern Abend ausgerechnet im Bett fertiggelesen. Im Licht der Taschenlampe immerhin, das war wenigstens ein bisschen abenteuerlich. <strong>Der grosse Vorteil der Bettlektüre besteht ja in der Chance, dass die Geschichte einen in den Schlaf verfolgen könnte.</strong> Doch gestern hoffte ich vergeblich darauf. Weder Lisbeth Salander noch Ronald Niedermann machten sich im meiner Traumwelt bemerkbar. Jedenfalls konnte ich mich heute Morgen nicht daran erinnern. Und wenn sie aufgetaucht wären &#8211; das hätte ich bestimmt nicht vergessen.</p>
<p><strong>Weitere Vorteile des Bettes als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li>Ich bin <strong>verletzlich und offen</strong> für die Geschichte und ihre Figuren, für das besonders emotionale Ende. (Ich habe ja nur einen Pyjama an.)</li>
<li>Ich kann mich in dieser Umgebung <strong>uneingeschränkt meinen Gedanken hingeben</strong>, meine ganze Aufmerksamkeit den Personen zuwenden, von denen ich mich jetzt verabschieden muss. Ich kann nochmals über die Geschichte nachdenken, mich an die stärksten, die schönsten, die irritierendsten Momente erinnern.</li>
<li>Das Risiko, einzuschlafen, birgt <strong>Potenzial für besonderen Nervenkitzel</strong>. (Halte ich bis zum Schluss durch?)</li>
</ul>
<p><strong>Nachteile des Bettes als Ort, an dem ich ein Buch zu Ende lese:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Der Schlaf könnte mich überwältigen</strong> &#8211; und zwar zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Zum Beispiel zwei Seiten vor Schluss. Das kann die Dramaturgie der letzten Ereignisse zerstören.</li>
<li>Ich kann meinen <strong>Gefühlen nach Abschluss der Lektüre kaum Ausdruck verleihen</strong>. Weder werde ich mir die Mühe machen, ein Notizbuch zu greifen und etwas aufzuschreiben, noch stehe ich auf, um mir etwas zu trinken zu genehmigen. Auch kann ich kaum jemandem von meinem möglicherweise enorm aufwühlenden Leseerlebnis berichten. Einzig leises Weinen oder Lachen könnten möglich sein.</li>
<li>Es ist einfach etwas <strong>langweilig</strong>.</li>
</ul>
<p>Weitere Orte, die ich in dieser Reihe zu beschreiben gedenke:</p>
<ul>
<li>Zug</li>
<li>Wartezimmer beim Arzt</li>
<li>Heimweg von der Arbeit (zu Fuss)</li>
<li>WC</li>
<li>Parkbank</li>
<li>Eine fremde Stadt</li>
<li>Café</li>
<li>Skilift</li>
<li>Flugzeug</li>
<li>Bus (nicht identisch mit Zug, weil mir beim Lesen im Bus schlecht wird)</li>
</ul>
<p>Ausserdem berichte ich selbstverständlich auch über die Orte, die mir das Schicksal bei meinen nächsten Büchern zuspielt.</p>
<p>Und gerne höre ich in den Kommentaren von den Orten, an denen meine Leser ihre Bücher fertiglesen. Oder gerne fertiglesen würden. Oder keinesfalls fertiglesen wollen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Paul Auster: Invisible (Unsichtbar)</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/04/25/paul-auster-invisible-unsichtbar/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 09:59:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Von den Besten lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Invisible]]></category>
		<category><![CDATA[lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Auster]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Story-Telling]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor drei Tagen habe ich den neuen Roman von Paul Auster zu Ende gelesen: Invisible (deutsch Unsichtbar). Die letzten Seiten einer Erzählung sind immer ein besonderes Erlebnis. Was macht der Autor nun aus der Welt, die er erschaffen und gestaltet hat? Wie lässt er sie zurück? Wie wird es den Menschen in dieser Geschichte ergehen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/auster-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1177" title="Paul Auster" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/auster-web-300x225.jpg" alt="Paul Auster" width="300" height="225" /></a>Vor drei Tagen habe ich den neuen Roman von Paul Auster zu Ende gelesen: <a href="http://www.amazon.de/gp/product/0805090800?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0805090800" target="_blank"><em>Invisible</em></a> (deutsch <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3498000810?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3498000810" target="_blank">Unsichtbar</a></em>).</p>
<p>Die letzten Seiten einer Erzählung sind immer ein besonderes Erlebnis. Was macht der Autor nun aus der Welt, die er erschaffen und gestaltet hat? Wie lässt er sie zurück? Wie wird es den Menschen in dieser Geschichte ergehen, die mir vertraut geworden sind?</p>
<p>Das Buch hat mich begeistert. Einmal mehr ist es mir mit einem Roman von Auster so ergangen.</p>
<p>Dass Schriftsteller über Schriftsteller schreiben ist ja nun beileibe nichts Neues. Doch Auster vermag aus diesem alten Thema heraus eine besondere Nähe zum Leser zu erzeugen. Diese Nähe fördert und fordert. <strong>Das Leseerlebnis wird intensiver und dadurch sowohl schöner (darum geht es ja vor allem) wie auch ertragreicher. </strong>Fast kommt es mir so vor, als würde nicht nur ich den Auster lesen, sondern der Auster auch ein bisschen mich.</p>
<p><span id="more-1176"></span>Mein erstes Buch von Paul Auster erstand ich vor sechs Jahren in Freiburg im Breisgau. Kurz zuvor hatte ich eine Rezension seines aktuellen Romanes <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0571216978?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0571216978" target="_blank">Oracle Night</a></em> (<em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499239876?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499239876" target="_blank">Die Nacht des Orakels</a></em>, übrigens mein Favorit unter Austers Erzählungen) gelesen und war neugierig geworden. In den Ferien wollte ich mir <em>Oracle Night</em> besorgen, hatte aber Pech; es war in der Buchhandlung nicht vorrätig. So griff ich halt zum erstbesten, das sich als Ersatz anbot. (In meinem Fall heisst das gewöhnlich: das mit dem ansprechendsten Umschlag.) Ich kaufte also <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0571200583?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0571200583" target="_blank">The New York Trilogy</a></em> (<em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/349912548X?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=349912548X" target="_blank">Die New York Trilogie</a></em>), eine Sammlung von drei kürzeren Erzählungen.</p>
<p><strong>Das Lesen der ersten dieser Erzählungen (<em>City of Glass, Stadt aus Glas</em>) wurde zum Abenteuer; zu jener Art von Abenteuer, die Lesen eigentlich immer sein sollte. </strong><em>City of Glass</em> veränderte meine Sicht vom Lesen und vom Schreiben und davon, was man mit einer Geschichte machen kann.</p>
<p>Doch eigentlich will ich nicht über <em>City of Glass</em> schreiben, sondern über <em>Invisible</em>.</p>
<p>Auster schreibt oft, sehr oft, über das Schreiben, über die Entstehung von Büchern. Auch bei <em>Invisible</em> steht ein Buch im Zentrum. Die Geschichte wird dabei von drei verschiedenen Erzählern berichtet, wobei sich dabei nicht einfach ein Bericht an den anderen reiht. Die verschiedenen Perspektiven überlagern sich vielmehr. So besteht zum Beispiel ein Teil des Buches aus einem Bericht, den einer der Erzähler aufgrund der Notizen eines anderen verfasst hat.</p>
<p>Paul Austers Stimme als &#8220;eigentlicher&#8221; Autor dieses Buches ist überhaupt nicht zu vernehmen. <strong>Es gibt ihn hier nicht, den klassischen allwissenden Erzähler, der nicht selbst Teil der Geschichte ist.</strong> Auch das ist nichts Besonderes. Besonders ist aber, dass die Sprache von <em>Invisible</em> dies nicht immer offenbar macht. Es gibt wohl Sequenzen, die in der 1. Person erzählt werden, aus der Sicht eines Ich-Erzählers also. In diesen Passagen ist offensichtlich, dass hier eine Figur der Erzählung aus ihrer Sicht beschreibt, mit all den persönlichen Unschärfen, die diese Sicht mit sich bringt. Dann aber wird auch &#8220;klassisch&#8221; in der 3. Person (&#8220;er, sie&#8221;) berichtet &#8211; und auch hier aus der Sicht eines der Erzähler im Buch, nicht aus der eines allwissenden Autors. Und schliesslich gibt es auch einen Bericht in der 2. Person (&#8220;du&#8221;). Das ist höchst gewöhnungsbedürftig, löste in mir aber ganz besondere Reaktionen aus, <strong>weil ich mich als Leser konstant direkt angesprochen fühlte und mich daher ebenso konstant distanzieren musste. Schliesslich war nicht ich gemeint. &#8211; Oder etwa doch?</strong></p>
<p>Kein klassischer allwissender Erzähler. Paul Auster ist in diesem Buch ganz unsichtbar &#8211; invisible. Gut möglich, dass er sich auf diese Weise selbst in den Titel hineingeschrieben hat. (Wie bei Auster üblich ist zwischen dem Titel und der Geschichte kein eindeutiger Zusammenhang erkennbar. Jedenfalls nicht auf den ersten Blick.)</p>
<p>Dieses gegenseitige Durchdringen von Erzähler- und Erzählungsebenen hat auf mich die Wirkung, dass ich als Leser selbst Teil der Geschichte werde. <strong>Es ist 3-D-Kino in Buchform.</strong> Letztlich ist das Buch, dessen Entstehung im Roman thematisiert wird, das Buch, das ich physisch in Händen halte. (Das erinnerte mich an den genialen Charlie-Kaufman-Film <em><a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00008KJUX?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B00008KJUX" target="_blank">Adaption</a></em>, der die Entstehung des eigenen Drehbuchs zum Thema hat und die verschiedenen Ebenen so gekonnt und wild durcheinanderwirbelt, dass einem schwindlig wird.)</p>
<p>Klingt kompliziert und verwickelt?</p>
<p>Dieser (von mir allerdings nur vermutete) Einwand bringt mich zum springenden Punkt:</p>
<p>Paul Auster vermittelt die Zusammenhänge der verschiedenen Erzähl(er)ebenen mit einer solchen Leichtigkeit und in solch schlichter Sprache, dass es eine wahre Freude ist. <strong>Hier ist nicht grosses Kopfzerbrechen angesagt, sondern zuhören. Auster ist ein Geschichtenerzähler, und ein Geschichtenerzähler will verstanden werden. Auster ist daher auch ein genialer Kommunikator.</strong></p>
<p>Ich liebe Geschichten. Dabei habe ich noch nicht einmal überhöhte Ansprüche. Die Geschichte muss einfach in sich wahr sein. Die Figuren müssen sich glaubwürdig verhalten, das heisst, sich selbst und ihren tiefsten Motiven treu sein. Das reicht mir eigentlich schon. Und dann lasse ich mich gerne darauf ein.</p>
<p>Vermutlich bin ich mit diesem Bedürfnis nicht allein. Der Hype, der in den letzten Jahren rund um &#8220;Story-Telling&#8221; entstanden ist, scheint das zu bestätigen. Es werden Bücher geschrieben und Seminare organisiert und besucht.</p>
<p><strong>Lieber als ein Buch über Story-Telling lese ich aber ein Buch mit einer guten Story.</strong> Von den Besten lernen &#8211; warum nicht auf diesem Weg?</p>
<p>So stelle ich sicher, dass ich die Kraft starker Geschichten immer wieder am eigen Leib erfahre.</p>
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		<title>Dickens zum Anfassen (fast jedenfalls)</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/12/24/dickens-zum-anfassen-fast-jedenfalls/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Dec 2009 15:08:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Manuskript]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Engländer Charles Dickens (1812 &#8211; 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman &#8220;Oliver Twist&#8221; wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Engländer Charles Dickens (1812 &#8211; 1870) gehört zu den bedeutendsten Autoren der Literaturgeschichte. Sein wohl populärster Roman &#8220;Oliver Twist&#8221; wie auch viele andere seiner Geschichten sind nicht zuletzt dank regelmässiger Verarbeitungen für Kino und Fernsehen nach wie vor präsent. Und Weihnachten ist immer auch ein bisschen Dickens-Zeit, weil auf vielen Fernsehkanälen eine der zahlreichen Verfilmungen seiner berühmten Erzählung <em>A Christmas Carol</em> (deutsch <em>Eine Weihnachtsgeschichte </em>oder auch <em>Weihnachtslied</em>) ausgestrahlt wird.</p>
<p><em>A Christmas Carol </em>erzählt die Geschichte des griesgrämigen und verbitterten Ebenezer Scrooge. (Diese Schöpfung von Dickens wurde so berühmt, dass ihr Name es in den englischen Wortschatz und ins Wörterbuch schaffte als allgemeine Bezeichnung für einen bitteren bösartigen Zeitgenossen.) Scrooge hasst Weihnachten und lässt das seine Umwelt gerne und deutlich spüren. Dann aber wird er in der Nacht von drei Geistern heimgesucht, die ihm lebensverändernde Einblicke gewähren: in eine vergangene, die gegenwärtige und eine  zukünftige Weihnacht. Diese erschütternde Erfahrung läutert Scrooge quasi vom Saulus zum Paulus.</p>
<p>Als Dickens diese Geschichte 1843 schrieb, tat er dies mit der Feder und von Hand. Schreibmaschinen gab es noch nicht und Computer erst recht nicht. So entstand ein einziges Manuskript von <em>A Christmas Carol, </em>das heute in der Morgan Library in Manhattan aufbewahrt und jährlich um Weihnachten herum ausgestellt wird. Dann ist jeweils eine Seite zu sehen. Nun aber hat die New York Times das ganze Manuskript <a href="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1">elektronisch zugänglich gemacht</a> und gewährt damit einen faszinierenden Einblick in die Entstehungsgeschichte dieser &#8211; Geschichte.</p>
<p><a rel="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1" href="http://documents.nytimes.com/looking-over-the-shoulder-of-charles-dickens-the-man-who-wrote-of-a-christmas-carol#p=1" target="_blank"><img class="alignnone size-large wp-image-908" title="a christmas carol manuscript nyt" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/greenshot_2009-12-24_000005-1024x640.jpg" alt="" width="1024" height="640" /></a><span id="more-902"></span>Dickens hatte es mit der der Publikation ziemlich eilig. Erstens ist eine Weihnachtsgeschichte im Frühling schwer zu vermarkten und zweitens brauchte er dringend Geld. Seine Eile zeigt sich in einem Manuskript, das nicht ins Reine geschrieben wurde und daher reich an Korrekturen und Änderungen. Es gewährt deshalb einen tiefen Einblick in die Arbeitsweise dieses grossen Autors. Die Herausgeber haben einige Stellen des Manuskriptes kommentiert und weisen den Leser so auf speziell aufschlussreiche Passagen hin. So ist gleich auf der ersten Seite zu erfahren, dass Dickens eine Stelle strich, in der er sich negativ über die intellektuellen Fähigkeiten des Prinzen Hamlet äusserte. Offenbar erschien es ihm bei der Überarbeitung doch nicht angemessen, sich über eine so populäre Figur Shakespeares lustig zu machen.</p>
<p>In einer Zeit, in der kaum noch von Hand geschrieben wird, ist der Blick in ein 69-seitiges Manuskript befremdend und anziehend zugleich. Die präzise und regelmässige Handschrift, die Korrekturen als Zeugnisse eines kreativen Prozesses und schliesslich der erzählerische Reichtum &#8211; ich kann mich daran kaum sattsehen.</p>
<p>Den Volltext von <em>A Christmas Carol</em> gibt es <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&amp;xid=432&amp;kapitel=1#gb_found">hier</a> auf Deutsch und <a href="http://en.wikisource.org/wiki/A_Christmas_Carol">hier</a> oder <a href="http://www.open-bks.com/library/classics/dickens_charles_carol/carol-cover.html">hier</a> auf Englisch. Auch verschiedene Hörbuchversionen (in unterschiedlicher Qualität) sind via Google leicht zu finden.</p>
<p>Frohe und gesegnete Weihnachtstage!</p>
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