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	<title>verständlich&#187; Missverständnis</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Notvolle Kommunikation</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Jun 2011 06:10:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Notauf]]></category>
		<category><![CDATA[Notfall]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Anblick dieser Beschriftung auf einem (Licht-? Strom-? Wasser-? Falltürauslöse-?) Schalter kann ich nur hoffen, dass nie ein Notfall eintritt. Mindestens ich persönlich wäre in erheblicher Gefahr, entscheidende Sekunden verstreichen zu lassen und darüber zu brüten, was hier gemeint sein könnte. Notaufnahme? – Kaum, der Schalter befindet sich im Gang eines Hotels. Notaufgang? – Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/notauf.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-2095" title="Notauf" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/notauf-248x300.jpg" alt="Beschriftung &quot;Notauf&quot; auf einem Schalter" width="248" height="300" /></a>Beim Anblick dieser Beschriftung auf einem (Licht-? Strom-? Wasser-? Falltürauslöse-?) Schalter kann ich nur hoffen, dass nie ein Notfall eintritt.</p>
<p>Mindestens ich persönlich wäre in erheblicher Gefahr, entscheidende Sekunden verstreichen zu lassen und darüber zu brüten, was hier gemeint sein könnte.</p>
<p><strong>Notaufnahme?</strong> – Kaum, der Schalter befindet sich im Gang eines Hotels.</p>
<p><strong>Notaufgang?</strong> – Doch nach oben geht es nirgends. Ausserdem will ich in akuter Not ohnehin eher nach unten und draussen.</p>
<p>Vielleicht ist &#8220;Notauf&#8221; die einzige auf den Schalter passende Kurzform für <strong>&#8220;Notöffnung&#8221;</strong>. In diesem Fall hätte ich dann aber eher auf Verständlichkeit gesetzt und die Ästhetik des Schalters mit einem diagonal aufgeklebten Schriftzug geopfert. Die Frage bliebe: <em>Was</em> öffnet sich in der Not? <span id="more-2087"></span>Der Schalter befindet sich auf einer Wand ohne Tür in Sicht- oder Reichweite.</p>
<p>Dass das Ding wie ein Lichtschalter aussieht, erleichtert die Sache auch nicht. Denn zwischen der Assoziation &#8220;Licht&#8221; und der Beschriftung kann ich beim besten Willen keinen Zusammenhang herstellen.</p>
<p>So wird die Not grösser und grösser, während ich verwirrter und verwirrter vor dem Schalter stehe.</p>
<p>Soll ich es wagen, einfach mal zu drücken?</p>
<p>Natürlich nicht. Denn &#8220;Not&#8221; impliziert höchste Dramatik, da spielt man nicht herum. Vielleicht bin ich ja in der falschen Art von Not. Da will man keinen Fehler machen.</p>
<h3>Kommunikation unter dramatischen Umständen</h3>
<p>Wer unter Druck verstanden werden will (um seiner selbst oder der anderen Willen), ist in der Regel gezwungen, noch klarer, noch sauberer und daher noch aufwändiger zu kommunizieren als unter harmloseren Umständen.</p>
<p>Die Anforderungen sind hoch: Präzision, Kürze, Verständlichkeit* müssen augenblicklich erfassen lassen, was hier gesagt wird – Leitlinien, für die man eigentlich nicht unbedingt auf eine Not warten muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>*Hier dürfte auch &#8220;Unmissverständlichkeit&#8221; stehen. Doch mit den doppelten Verneinungen habe ich es nicht so.</p>
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		<title>Begründet missverstanden</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/12/06/begrundet-missverstanden/</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 06:32:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein kurzer Impuls zum Wochenbeginn. Dieses Foto habe ich in einem Zürcher Tram aufgenommen. Ich fand’s lustig. So demonstrativ verkehrt. Und jetzt stellt mir das Bild zwei Fragen: Erstens: Was ist der Grund für diese Verdrehung? Ein alltägliches Missverständnis (schliesslich ist die Aufschrift englisch)? Gleichgültigkeit? (Die Aufschrift wurde vielleicht gar nicht gelesen?) Ein fehlgeleiteter Ausbruch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein kurzer Impuls zum Wochenbeginn.</p>
<p>Dieses Foto habe ich in einem Zürcher Tram aufgenommen. Ich fand’s lustig. So demonstrativ verkehrt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Top-End.jpg"><img class="size-large wp-image-1771  aligncenter" title="Top End" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Top-End-768x1024.jpg" alt="Top End" width="384" height="512" /></a></p>
<p>Und jetzt stellt mir das Bild zwei Fragen:</p>
<p><span id="more-1770"></span>Erstens: <strong>Was ist der Grund für diese Verdrehung?</strong></p>
<ul>
<li>Ein <em>alltägliches</em> Missverständnis (schliesslich ist die Aufschrift englisch)?</li>
<li>Gleichgültigkeit? (Die Aufschrift wurde vielleicht gar nicht gelesen?)</li>
<li>Ein fehlgeleiteter Ausbruch von Witzigkeit?</li>
<li>Ein <em>bewusstes</em> „Missverständnis“ (Rebellion)?</li>
</ul>
<p>Und zweitens: <strong>Was hat das mit meinem Kommunizieren zu tun?</strong></p>
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		<title>Schmetterlingsverbot für Zombies</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/08/11/schmetterlingsverbot-fur-zombies/</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 06:58:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundsachen]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Schmetterlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Zombies]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Schmetterlinge-tot-oder-lebendig-web.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1440" title="Schmetterlinge tot oder lebendig web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Schmetterlinge-tot-oder-lebendig-web.jpg" alt="" width="610" height="425" /></a></p>
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		<title>Schweizerdeutscher Bananenschutz</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/11/27/schweizerdeutscher-bananenschutz/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 15:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Schweizerdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Hochdeutsch]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Über das (nicht nur sprachlich) manchmal nicht ganz unkomplizierte Miteinander von Deutschen und Schweizern wurde ja schon viel geschrieben und diskutiert. Ist es da wirklich nötig, dass ich meinen Senf auch noch dazugebe? Klar! In einem Katalog bin ich auf dieses Bilderbuchbeispiel gestossen, das kräftig illustriert, wie tückisch die Sache mit dem Hochdeutschen in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Über das (nicht nur sprachlich) manchmal nicht ganz unkomplizierte Miteinander von Deutschen und Schweizern wurde ja schon viel geschrieben und diskutiert. Ist es da wirklich nötig, dass ich meinen Senf auch noch dazugebe?</p>
<p>Klar!</p>
<p>In einem Katalog bin ich auf dieses Bilderbuchbeispiel gestossen, das kräftig illustriert, wie tückisch die Sache mit dem Hochdeutschen in der Schweiz sein kann. Dramatisch ist das allerdings nicht, denn diese Probleme scheinen mir durchaus auch integrierendes Potenzial zu haben. Immerhin betreffen sie ja ebenso Schweizer, die sich hochdeutsch ausdrücken wollen oder müssen wie Deutsche, die in der Schweiz mit diesen Versuchen konforntiert sind.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/DSCN69161.jpg" target="_blank"><img class="alignnone" style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="DSCN6916" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/DSCN6916_thumb1.jpg" border="0" alt="DSCN6916" width="454" height="341" /></a></p>
<p>Die in einem Katalog angepriesene Plastikdose in Bananenform soll nun dazu beitragen, dass keine Bananen mehr verdrückt werden. Und jetzt wird es doch etwas dramatisch, denn hier verkehrt der Missgriff die Aussage beinahe in ihr Gegenteil. Wenn ich das Konzept nämlich richtig verstehe, dann besteht die beabsichtigte Wirkung der Dose doch vielmehr darin, dass <em>mehr</em> Bananen verdrückt werden. Vor allem jene Bananen, die ohne diese Dose zerdrückt worden wären und daher kaum mehr mit Freude hätten verdrückt werden können.</p>
<p><span id="more-861"></span>Der Kern des Problemes liegt in der Vorsilbe. Wir Schweizer sagen gerne ver-, wo die Deutschen mit zer- einleiten. Das ginge ja noch. Nun ist es aber leider so, dass es im Hochdeutschen die Kombination mit ver- oft auch gibt, jedoch mit anderer Bedeutung. Im illustrierten Fall ergibt das folgende Verwicklung:</p>
<p>Hochdeutsch <em>zerdrücken</em> bedeutet, etwas mit Krafteinwirkung flach machen. Schweizerdeutsch heisst das <em>vertrucke.</em> Dies kann vermeintlich mit hochdeutsch <em>verdrücken</em> wiedergegeben werden. Diese Überlegung ist eigentlich recht schlau (wie wir Schweizer eben sind), klappt aber nicht, weil <em>verdrücken</em> im Hochdeutschen bereits mit einer Bedeutung belegt ist – und zwar leider mit einer anderen als <em>vertrucke</em>. <em>Verdrücken </em>ist ein umganssprachliches Wort für <em>essen.</em></p>
<p>“Er verdrückte genüsslich eine Banane” ist daher überhaupt nicht dasselbe wie “Er* zerdrückte genüsslich eine Banane.” Und definitiv klar sollte der Unterschied werden, wenn einer freudig berichtet: “Nachdem ich die Banane zerdrückt hatte, verdrückte ich sie genüsslich.” (Es soll auch Erwachsene geben, die so etwas mögen.)</p>
<p>Das Muster ist also einfach:</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerschneiden</em> – die Schweizer sagen <em>verschneiden</em>.</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerreiben</em> – die Schweizer sagen <em>verreiben</em>.</p>
<p>Hochdeutsch heisst es <em>zerbrechen</em> – die Schweizer sagen <em>verbrechen</em>. (Achtung, Missverständnis in Reichweite! Und blöderweise sagen die Schweizer zu Hochdeutsch <em>verbrechen</em> ebenfalls <em>verbrechen</em>.)</p>
<p>Wenn die Schweizer Ver-Versionen keine eigene hochdeutsche Bedeutung haben, bringen gelegentliche Misstritte in der Regel keine Probleme mit sich. Eine Warnung muss ich aber doch an alle lernfreudigen Schweizer richten, die aus diesen Beobachtungen nun gerne eine Regel ableiten möchten. Das klappt leider nur sehr unvollkommen: So heisst es schweizerdeutsch zwar <em>verbrannt</em>, hochdeutsch deswegen aber noch lange nicht <em>zerbrannt</em>, sondern eben auch <em>verbrannt</em>. Auch aus <em>verfolgen</em> wird trotz obiger Beobachtung leider nicht <em>zerfolgen.</em></p>
<p>Manchmal könnte man fast zerzweifeln.</p>
<p>* Weil zwischen den Anführungszeichen ein vollständiger Satz steht, wird <em>Er</em> hier grossgeschrieben, obwohl kein Punkt vorausgeht.</p>
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		<title>Ironie behindert.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/11/06/ironie-behindert/</link>
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		<pubDate>Fri, 06 Nov 2009 10:31:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Ironie]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[Bill Clinton spricht zur Einweihung des &#8220;Center for Disability and Integration&#8221; an der Universität St. Gallen, während sich landauf, landab Menschen darüber aufregen, dass es von unseren öffentlichen Plakatwänden ruft: &#8220;Behinderte kosten uns nur Geld.&#8221; Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den vorerst anonymen Plakaten die Invalidenversicherung steht, die mit den Provokationen für die Anliegen Behinderter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bill Clinton spricht zur Einweihung des &#8220;Center for Disability and Integration&#8221; an der Universität St. Gallen, während sich <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/behinderte_plakate_kritik_1.3975035.html" target="_blank">landauf, landab Menschen darüber aufregen</a>, dass es von unseren öffentlichen Plakatwänden ruft: &#8220;Behinderte kosten uns nur Geld.&#8221; Inzwischen wurde bekannt, dass hinter den vorerst anonymen Plakaten die Invalidenversicherung steht, die mit den Provokationen für die Anliegen Behinderter in der Arbeitswelt sensibilisieren will.</p>
<p>Hat leider nicht so recht geklappt.</p>
<p>Ich bin in der Sache zerrissen. Einerseits denke ich mir: Meine Güte! Darauf kann doch nun jeder kommen, dass hinter diesen Sprüchen mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht. Das heisst: dass sie ironisch gemeint sind. Darf  man in der Schweiz nicht mehr gezielt provozieren, ohne Gefahr zu laufen, medial oder real gesteinigt zu werden? Ich finde dieses ständige Ringen um politische Korrektheit etwas ermüdend, scheint es doch vor allem Mittelmass und Langeweile hervorzubringen.</p>
<p>Und doch:</p>
<p>Selbst ein Freund der Ironie, weiss ich durchaus um ihre Grenzen. Und da ist es nun einmal so: Ob die Ironie ihr Ziel erreicht, zeigt sich erst am Empfänger der Nachricht. Und in dieser Hinsicht ist die Sache ziemlich in die Hose gegangen. Ich gestehe es ungern ein: Wenn die Schweizer nicht fähig sind, mit dieser Art von Ironie umzugehen, dann ist sie nur schwer für kommunikative Zwecke einzusetzen. Mich nervt das zwar, doch wenn ich etwas zu sagen habe und es so sagen will, dass es verstanden wird, dann ist meine Liebe zur Bissigkeit nun einmal zweitrangig. Zuerst geht es um mein Gegenüber, das mich verstehen soll. Deshalb ist der Einsatz von Ironie wie der jedes anderen Stilmittels zu prüfen und gründlich abzuwägen.</p>
<p>Darf ich so von &#8220;den Schweizern&#8221; reden? Natürlich nicht. Das ist eine unzulässige Verallgemeinerung, die ich gezielt einsetze, um meine Leser zu provozieren.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/ironie_sprachblog_web.jpg" target="_blank"><img style="border: 0px none; display: inline; width: 436px;" title="ironie_sprachblog_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/ironie_sprachblog_web_thumb.jpg" border="0" alt="ironie_sprachblog_web" width="454" height="340" /></a></p>
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		<title>Ein Schuss ins Leere</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Sep 2008 07:18:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Ironie]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Missverständnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einigen Wochen besuchten wir Freunde in ihrer Ferienwohnung. Das ergab auch eine recht umfangreiche Kinderschar. Es wurde gespielt, gelacht, gekämpft – und dann auch geweint. Daniel fiel auf die Nase, was gehörig weh getan haben muss. Gott sei Dank verletzte er sich nicht ernsthaft, aber es sah zum Fürchten aus. Das Blut lief ihm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Wochen besuchten wir Freunde in ihrer Ferienwohnung. Das ergab auch eine recht umfangreiche Kinderschar. Es wurde gespielt, gelacht, gekämpft – und dann auch geweint. Daniel fiel auf die Nase, was gehörig weh getan haben muss. Gott sei Dank verletzte er sich nicht ernsthaft, aber es sah zum Fürchten aus. Das Blut lief ihm in Strömen aus der Nase und übers T-Shirt – natürlich begleitet von lautem Weinen. Daran störten sich die lärmempfindlichen Nachbarn auf dem Gartensitzplatz nebenan. Als die Situation sich entspannt hatte, entschuldigte Daniels Mama sich bei den Nachbarn für den Lärm, worauf die ältere Dame meinte: “Ja, das war jetzt schon etwas laut. Und dann noch zur Essenszeit.”</p>
<p>In diesem Augenblick brach es wieder einmal aus mir hervor, das Ungetüm, das “Sarkasmus” heisst. Ich sagte zu der Frau: “Nächstes Mal werden wir schauen, dass unsere Kinder <i>nach</i> dem Essen aufs Gesicht fallen.” Welche Reaktion wäre auf eine solche Bemerkung angemessen? Aus meiner Sicht jedenfalls nicht, was ich zur Antwort bekam: “Am besten wäre aber, wenn die Kinder gar nicht mehr hinfallen.” Ich quittierte das noch mit einem verblüfften “Ah ja, da haben Sie auch wieder recht” und musste mir wieder einmal eingestehen, dass Ironie ein höchst unzuverlässiges Kommunikationsmittel ist. Die Frau hatte meine Äusserung wörtlich verstanden und entsprechend darauf reagiert – und sich wahrscheinlich darüber gewundert, was für ein gefühlloser Klotz ihr da gegenüberstand. Dabei wollte ich doch nur meinem Ärger über ihren Kommentar Luft verschaffen.</p>
<p>In meinen Rhetorikkursen weise ich immer auf Risiken und Nebenwirkungen der Ironie hin. Die Gefahr, nicht oder falsch verstanden zu werden, ist gross. Logisch, denn darum geht es ja in der Ironie: Man sagt, was man nicht meint. Eine Grundregel der Kommunikation ist aber, dass man sagt, was man meint. Verkehrt man diese Regel nun für einen Satz oder einen kurzen Teil einer Rede in ihr Gegenteil, dann gibt es in jedem Publikum Menschen, die immer noch meinen, dass man meint, was man sagt. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Sie können beim Redner liegen, beim Zuhörer, beim Inhalt der Botschaft, dem Kontext der Kommunikationssituation oder (was wohl meistens der Fall ist) aus einer Mischung dieser Faktoren heraus entstehen. Die häufigen Missverständnisse bleiben dabei oft unbemerkt, weil der Redner in der Regel nicht die Möglichkeit hat, die Entschlüsselung der Ironie zu überprüfen. Er will das auch nicht, weil er damit den Effekt zerstören würde. (“Das war übrigens ironisch gemeint. Haben das auch alle verstanden?”) In der Folge befinden sich dann im Publikum Menschen, die eine Äusserung als das Gegenteil dessen verstanden haben, was sie eigentlich ausdrücken sollte – und die nun versuchen, dieses Gegenteil in den Rest der Rede zu integrieren. Das sollte ja alles irgendwie zusammenpassen!</p>
<p>Ironie ist daher ein elitäres Stilmittel. Ein Redner setzt es ein, obwohl er weiss, dass nur ein Teil seines Publikums es entschlüsseln kann. Dem Rest bleibt der wahre Gehalt seiner Aussage verborgen. Schlimmer sogar: Dieser Rest versteht sogar genau das Gegenteil dessen, was eigentlich gesagt werden sollte. Wer Ironie einsetzt, richtet sich bewusst nur noch an einen Teil seiner Zuhörer und muss den Preis akzeptieren, dass der Rest gedanklich auf der Strecke bleibt.</p>
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