Als Experte nahbar bleiben

"Ja" steht für gute Voraussetzungen. ABER wenn dazu AUCH noch die richtigen Entscheidungen kommen, ist das Ergebnis noch besser.

Lernen kann man überall etwas. Aber es gibt Situationen, in denen man etwas lernen sollte. Zum Beispiel Weiterbildungen. In einer solchen sass ich vor zwei Wochen – und lernte viel. Da war einerseits der überaus anregende Inhalt zum Thema „Wirkungsvoll unterrichten“. Daneben aber hatte ich auch die Gelegenheit, den Dozenten zu beobachten und mir einige Gedanken zu einer Frage zu machen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt:

Wie gelingt es einem Redner, sich als Experte zu positionieren und gleichzeitig Nähe zum Publikum aufzubauen (anstelle der üblichen Experten-Distanz)?

Vor vielen Jahren hat ein Mentor mir den Satz auf den Weg gegeben (das klingt jetzt dramatischer, als es war, aber immerhin: Der Satz ist mir geblieben):

Brillanz schafft Distanz.

Und da ist etwas dran. Wer als Redner in erster Linie durch eine grossartige Performance beeindrucken will, wird sich von der Chance auf eine Begegnung mit dem Publikum und der Wirkung, die sich daraus ergibt, verabschieden müssen.

Umso schöner war es für mich, im Rahmen dieser Weiterbildung beobachten zu können: Weiterlesen:

Kursangebot: Rhetorik und Körpersprache

Nächste Woche unterrichte ich mit meinem Freund Peter Wild in Zürich ein zweitägiges Rhetorikseminar über Körpersprache.

Comedy Mime Peter Wild fädelt einen Faden ein.Peter Wild ist Pantomime – oder doch nicht? Auf peterwild.ch  ringt Jürg Randegger vom Cabaret Rotstift um folgende Worte:

Comedian? Pantomime? Komiker? Kabarettist? Parodist?

Ja! Ja, genau das alles ist er. Vor allem aber ist er Spassmacher. Denn er macht uns Spass, er unterhält uns. Und das tut er auf vielfältigste Art: Manchmal sehr fein und zurückhaltend, dann wieder laut und klamaukig, mit oder ohne Worte, mit oder ohne Musik; aber immer gekonnt und präzis, nie verletzend und nie die billige Pointe unter der Gürtellinie suchend. Das hat er nicht nötig. Er beherrscht sein Hand- und Mundwerk.

Und von diesem Handwerk werden die Kursteilnehmer während zwei Tagen profitieren können. Für die Kursausschreibung haben Peter und ich folgende Ziele formuliert:

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

erleben ihren Körper als Ausdruckswerkzeug
lernen ihn als ergänzende Kraft in ihrer Kommunikation einzusetzen
verstehen, wie sie einen Auftritt mit angemessener Körpersprache unterstreichen können
trainieren ihr Gespür für die Wahrnehmung körperlicher Signale

Im Ringen darum, diese Versprechen einzulösen, werden wir durch folgende Themen navigieren: Weiterlesen:

Hörtipp: Denken mit Powerpoint

Einer der Podcasts, die ich mir regelmässig anhören, ist “Aula” von SWR2. Besonders spitze ich die Ohren immer dann, wenn es um Kommunikation geht. Gestern hörte ich eine sehr anregende Sendung zum Thema “Powerpoint”.

Kurz gesagt: Der Referent (Schriftsteller Burkhard Spinnen) kann Powerpoint wenig abgewinnen. Und es gelingt ihm, seine Skepsis nachvollziehbar und deutlich zu begründen und auf 3 Thesen zuzuspitzen.

Nur einen Gedanken will ich kurz aufgreifen: Powerpoint verbannt den Redner aus seiner Rede. Anstatt einer Referentin oder einem Referenten zuzusehen und zuzuhören, betrachtet das Vortragspublikum heute eine kommentierte Diashow. Die Kraft der Rede bleibt auf der Strecke, keine Spur mehr von Begegnung zwischen Redner und Zuhörer.

Schade nur, dass die Sendung eine eigentliche “Vorlesung” ist, die mit lebendigem Sprechen wenig zu tun hat. Besonders durch die ersten 5 oder 10 Minuten muss man sich etwas durchkämpfen, obwohl der Verfasser sich sogar bemüht, sein Thema mit einer Geschichte einzuführen. Doch es lohnt sich, dranzubleiben.

Die Podcasts von SWR2 sind übrigens ohnehin mal ein kurzes oder auch langes Reinhören wert. Das Angebot ist sehr umfassend und erstreckt sich in viele Themengebiete. Eine Übersicht gibt es hier.

Was bringt Rhetorik eigentlich? Antworten 1 bis 5

Wozu Rhetorik? Antworten 1 bis 5Wer heute “Rhetorik” hört, denkt zunächst einmal an populäre Ratgeber im Taschenbuchformat. Daran ist auch nichts falsch, denn solche Bücher bieten in der Regel viele hilfreiche Impulse für das Reden vor Publikum. Und doch: Sich auf das zu beschränken, was in den Ratgebern zu finden ist, und das für “Rhetorik” zu halten, ist in etwas dasselbe wie in der Mikrowelle eine Dose Ravioli aufzuwärmen und dann zu meinen, man können kochen. Diese Klasse von Büchern verschleiert den Blick auf den Reichtum der Rhetorik, der sich dem bietet, der etwas genauer hinschaut.

Die Rhetorik ist eine 2’500 Jahre alte Kunst und Wissenschaft. So lange schon machen Menschen sich systematisch Gedanken über ihr Reden, versuchen, Prinzipien zu formulieren, wenden diese an, denken über Erfolge und Misserfolge nach, passen die Prinzipien an, reden weiter, denken wieder darüber nach… Der rhetorische Zyklus ist eine Theorie-Praxis-Spirale, die den, der sich auf sie einlässt, kontinuierlich voranschraubt.

Doch wohin?

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Der Anfang vom Ende der Unsicherheit

Genug gejammert!

In 4 Beiträgen (hier, hier, hier und hier) habe ich über die letzten Wochen das Elend unsicherer Redner beklagt. Damit ist jetzt Schluss. (Ein Elend, übrigens, das den Redner genauso plagt wie sein Publikum.) Ab sofort geht es um sichere Redner oder besser: darum, wie aus unsicheren sichere Redner werden.

Sicherheit durch gute Vorbereitung

Ein grosser Anteil der Unsicherheit wird durch mangelhafte Vorbereitung verursacht. Das kann bedeuten, dass ein Redner sich nicht oder nicht ausreichend vorbereitet hat. Oder es kann bedeuten, dass er sich falsch vorbereitet hat. Vor meinen gefürchteten Geschichtsreferaten am Gymnasium lernte ich jeweils den Wortlaut meiner Vorträge auswendig. Ich erhoffte mir davon grössere Sicherheit in einer Situation, die ich als sehr bedrohlich empfand. Und auch heute noch finde ich diese Erwartung durchaus nachvollziehbar. Sie ist jedoch trügerisch. Ein auswendig gelernter Text bringt keine Sicherheit.

Sinnvolle Vorbereitung jedoch bringt sie durchaus. Das Gefühl ist aus Prüfungen bekannt: Es fühlt sich einfach gut an, in eine Prüfungssituation zu treten und zu wissen: Ich habe mich gut vorbereitet. Ich bin bereit. – Dasselbe Ziel muss auch die Vorbereitung einer Rede verfolgen. Weiterlesen:

Warum Redner sich selbst sabotieren. Und wie.

Wer vor Publikum spricht, ist angespannt. Hoffentlich. Wäre das nicht der Fall, müsste man auf Gleichgültigkeit schliessen, und die ist eine Beleidigung des Publikums.

Die Anspannung des Redners hat mit Unsicherheit zu tun. Und jede Redesituation bringt ein gewisses Mass an Unsicherheiten mit sich. Ganz egal, wie gut ich mich vorbereitet habe, kann ich beispielsweise mein Publikum nur begrenzt einschätzen und darum auch nicht vorhersagen, wie es auf mich reagiert. Das verlangt Flexibilität, Reaktionsvermögen, Freiheit – und erzeugt Unsicherheit. Doch genau diese Unsicherheit ist es ja, die den Spass an der Sache ausmacht. Und diese Unsicherheit ist es auch, von der ich hier nicht rede.*

Es gibt eine andere Unsicherheit, die sich ebenfalls in der Anspannung des Redners äussert, die ich jedoch als belastend und daher ungesund bezeichnen würde.

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