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	<title>verständlich&#187; Rhetorik</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Kursangebot: Rhetorik und Körpersprache</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 13:45:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Körpersprache]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>

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		<description><![CDATA[Nächste Woche unterrichte ich mit meinem Freund Peter Wild in Zürich ein zweitägiges Rhetorikseminar über Körpersprache. Peter Wild ist Pantomime – oder doch nicht? Auf peterwild.ch  ringt Jürg Randegger vom Cabaret Rotstift um folgende Worte: Comedian? Pantomime? Komiker? Kabarettist? Parodist? Ja! Ja, genau das alles ist er. Vor allem aber ist er Spassmacher. Denn er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nächste Woche unterrichte ich mit meinem Freund Peter Wild in Zürich ein zweitägiges <strong>Rhetorikseminar über Körpersprache</strong>.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/cla-gleiser-skeptisch.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2302" title="Cla Gleiser" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/cla-gleiser-skeptisch-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" /></a><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/peter-wild-beim-einfaedeln.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2296" style="margin-left: -10px;" title="Peter Wild" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/peter-wild-beim-einfaedeln-200x300.jpg" alt="Comedy Mime Peter Wild fädelt einen Faden ein." width="200" height="300" /></a>Peter Wild ist Pantomime – oder doch nicht? Auf <a href="http://www.peterwild.ch/" target="_blank">peterwild.ch</a>  ringt Jürg Randegger vom Cabaret Rotstift um folgende Worte:</p>
<blockquote><p>Comedian? Pantomime? Komiker? Kabarettist? Parodist?</p>
<p>Ja! Ja, genau das alles ist er. Vor allem aber ist er Spassmacher. Denn er macht uns Spass, er unterhält uns. Und das tut er auf vielfältigste Art: Manchmal sehr fein und zurückhaltend, dann wieder laut und klamaukig, mit oder ohne Worte, mit oder ohne Musik; aber immer gekonnt und präzis, nie verletzend und nie die billige Pointe unter der Gürtellinie suchend. Das hat er nicht nötig. Er beherrscht sein Hand- und Mundwerk.</p></blockquote>
<p>Und von diesem Handwerk werden die Kursteilnehmer während zwei Tagen profitieren können. Für die Kursausschreibung haben Peter und ich folgende Ziele formuliert:</p>
<blockquote><p>Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer</p>
<p>erleben ihren <strong>Körper als Ausdruckswerkzeug</strong><br />
lernen ihn als ergänzende Kraft in ihrer <strong>Kommunikation</strong> einzusetzen<br />
verstehen, wie sie einen <strong>Auftritt mit angemessener Körpersprache unterstreichen</strong> können<br />
trainieren ihr Gespür für die <strong>Wahrnehmung körperlicher Signale</strong></p></blockquote>
<p>Im Ringen darum, diese Versprechen einzulösen, werden wir durch folgende Themen navigieren:<span id="more-2289"></span></p>
<ul>
<li>Ich habe einen Körper! Und der kann reden!</li>
<li>Geschichten erzählen – mit vollem Körpereinsatz</li>
<li>Das rhetorische Dilemma: natürlich echt oder gekünstelt trainiert? Wo stehe ich?</li>
<li>Wenn der Körper spricht und der Mund schweigt.</li>
</ul>
<p>Angeboten wird der Kurs von <a href="http://www.igw.edu" target="_blank">IGW International</a>,  der &#8220;Kaderschmiede für charismatische Pastoren&#8221; (laut Tages-Anzeiger vom 2. 9. 2011, der Artikel ist leider nicht online verfügbar, ihr müsst es mir einfach glauben). Für externe Besucher kostet die Teilnahme <strong>160 CHF</strong>, für Studenten gar nur 120 CHF. Die Anmeldung erfolgt <a title="IGW: Seminare online buchen" href="http://www.igw.edu/seminare/seminare-online-buchen/" target="_blank">online</a> (Kurstitel: Rhetorikmodul: Körper und Sprache).</p>
<p><strong>Daten: 6. und 7. Oktober (Donnerstag und Freitag) 2011, 8.30 bis 16.30 Uhr<br />
</strong></p>
<p><strong>Kursort: Saal der Heilsarmee, Eidmattstr. 16, 8032 Zürich</strong></p>
<p>Auf Wiedersehen, ihr Kurzentschlossenen und Unverplanten!</p>
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		<title>Hörtipp: Denken mit Powerpoint</title>
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		<pubDate>Wed, 11 May 2011 08:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Powerpoint]]></category>
		<category><![CDATA[Präsentation]]></category>

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		<description><![CDATA[Einer der Podcasts, die ich mir regelmässig anhören, ist &#8220;Aula&#8221; von SWR2. Besonders spitze ich die Ohren immer dann, wenn es um Kommunikation geht. Gestern hörte ich eine sehr anregende Sendung zum Thema &#8220;Powerpoint&#8221;. Kurz gesagt: Der Referent (Schriftsteller Burkhard Spinnen) kann Powerpoint wenig abgewinnen. Und es gelingt ihm, seine Skepsis nachvollziehbar und deutlich zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="clear: both;">Einer der Podcasts, die ich mir regelmässig anhören, ist &#8220;<a href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/aula/-/id=1718548/1pll841/index.html" target="_blank">Aula</a>&#8221; von SWR2. Besonders spitze ich die Ohren immer dann, wenn es um Kommunikation geht. Gestern hörte ich eine sehr anregende <a title="Denken mit Powerpoint" href="http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/wissen-2-0-denken-mit-powerpoint/-/id=660374/nid=660374/did=7530958/1epa28j/index.html" target="_blank">Sendung</a> zum Thema &#8220;Powerpoint&#8221;.</p>
<p style="clear: both;"><img class="alignleft" style="display: inline; margin: 0pt 10px 10px 0pt;" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/Picture_1-thumb1.png" alt="" width="263" height="95" align="left" />Kurz gesagt: Der Referent (Schriftsteller Burkhard Spinnen) kann Powerpoint wenig abgewinnen. Und es gelingt ihm, seine Skepsis nachvollziehbar und deutlich zu begründen und auf 3 Thesen zuzuspitzen.</p>
<p style="clear: both;">Nur einen Gedanken will ich kurz aufgreifen: <strong>Powerpoint verbannt den Redner aus seiner Rede</strong>. Anstatt einer Referentin oder einem Referenten zuzusehen und zuzuhören, betrachtet das Vortragspublikum heute eine kommentierte Diashow. Die Kraft der Rede bleibt auf der Strecke, keine Spur mehr von Begegnung zwischen Redner und Zuhörer.</p>
<p style="clear: both;">Schade nur, dass die Sendung eine eigentliche &#8220;Vorlesung&#8221; ist, die mit lebendigem Sprechen wenig zu tun hat. Besonders durch die ersten 5 oder 10 Minuten muss man sich etwas durchkämpfen, obwohl der Verfasser sich sogar bemüht, sein Thema mit einer Geschichte einzuführen. Doch es lohnt sich, dranzubleiben.</p>
<p style="clear: both;">Die <strong>Podcasts von SWR2</strong> sind übrigens ohnehin mal ein kurzes oder auch langes Reinhören wert. Das Angebot ist sehr umfassend und erstreckt sich in viele Themengebiete. Eine Übersicht gibt es <a title="SWR2 zum Nachhören" href="http://www.swr.de/swr2/service/audio-on-demand/-/id=661264/1cx2cby/index.html" target="_blank">hier</a>.</p>
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		<title>Was bringt Rhetorik eigentlich? Antworten 1 bis 5</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Apr 2011 06:35:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Argumentation]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer heute &#8220;Rhetorik&#8221; hört, denkt zunächst einmal an populäre Ratgeber im Taschenbuchformat. Daran ist auch nichts falsch, denn solche Bücher bieten in der Regel viele hilfreiche Impulse für das Reden vor Publikum. Und doch: Sich auf das zu beschränken, was in den Ratgebern zu finden ist, und das für &#8220;Rhetorik&#8221; zu halten, ist in etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/wozu-rhetorik-1-bis-5-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2009" title="Wozu Rhetorik? Antworten 1 bis 5" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/wozu-rhetorik-1-bis-5-web-300x225.jpg" alt="Wozu Rhetorik? Antworten 1 bis 5" width="300" height="225" /></a>Wer heute &#8220;Rhetorik&#8221; hört, denkt zunächst einmal an <strong>populäre Ratgeber im Taschenbuchformat</strong>. Daran ist auch nichts falsch, denn solche Bücher bieten in der Regel viele hilfreiche Impulse für das Reden vor Publikum. Und doch: Sich auf das zu beschränken, was in den Ratgebern zu finden ist, und das für &#8220;Rhetorik&#8221; zu halten, ist in etwas dasselbe wie in der  Mikrowelle eine Dose Ravioli aufzuwärmen und dann zu meinen, man können  kochen. Diese Klasse von Büchern verschleiert den Blick auf den <strong>Reichtum der Rhetorik</strong>, der sich dem bietet, der etwas genauer hinschaut.</p>
<p>Die Rhetorik ist eine 2&#8217;500 Jahre alte Kunst und Wissenschaft. So lange schon machen Menschen sich systematisch Gedanken über ihr Reden, versuchen, Prinzipien zu formulieren, wenden diese an, denken über Erfolge und Misserfolge nach, passen die Prinzipien an, reden weiter, denken wieder darüber nach&#8230; Der rhetorische Zyklus ist eine <strong>Theorie-Praxis-Spirale, die den, der sich auf sie einlässt, kontinuierlich voranschraubt</strong>.</p>
<p>Doch wohin?</p>
<p><span id="more-1996"></span>Eine kurze <strong>Reihe von Erträgen</strong>, die sich derjenigen und demjenigen erschliessen, der sich auf die Rhetorik einlässt und dabei <strong>über den engen Gartenzaun der Ratgeberliteratur blickt oder sogar springt</strong>:</p>
<h3>Rhetorik ist eine Kommunikationsschule</h3>
<p>Natürlich: Wer reden lernt und übt, kann danach <strong>besser reden</strong>. Doch zur Kommunikation gehört mehr. Da ein wahrhaft rhetorisches Vorgehen uns zwingt, beim Vorbereiten und Reden immer wieder vom Hörer her zu denken, macht die Rhetorik uns auch <strong>zu besseren Zuhörern</strong>.</p>
<h3>Rhetorik ist eine Argumentationsschule</h3>
<p>Sie lehrt den Aufbau von Argumentationen und hilft uns zu verstehen, wie ein Argument funktioniert. Das wiederum macht es einem Redner möglich, seine Argumentation nicht nur vom Bauch, sondern auch vom Kopf her zu durchschauen, Argumente abzuwägen, seine eigene Überzeugung zu prüfen (und allenfalls zu korrigieren) und dann selbst<strong> transparent, fair und gewinnend dafür einzustehen</strong>.</p>
<h3>Rhetorik fördert die Kreativität</h3>
<p>Wer rhetorisch arbeitet, <strong>braucht Ideen</strong>. Ideen für den Stoff der Rede, Ideen für einen fulminanten Auftakt, Ideen für einen packenden Schluss, Ideen für den Auftritt, Ideen für eine lebendige Bildsprache, Ideen für eingängige Formulierungen, Ideen für passende und überzeugende Argumente, Ideen, Ideen, Ideen&#8230;</p>
<h3>Rhetorik fördert das lebenslage Lernen</h3>
<p>Da sie von uns verlangt, zu <strong>wissen, wovon wir reden</strong>, zwingt die Rhetorik uns zur Auseinandersetzung mit unseren Redethemen. So lange, bis ein Redethema <em>mein Thema</em> geworden ist.</p>
<h3>Rhetorik ist eine Analyseschule</h3>
<p>Eine solide Vorbereitung verlangt, ein grosse Menge von Informationen zu <strong>überblicken</strong>, innere Zusammenhänge zu <strong>erkennen</strong> und Strukturen zu <strong>entwickeln</strong>. Das schult das analytische Auge. Gleichzeitig ermutigt uns die Rhetorik, das eigene Reden und auch das der anderen immer wieder zu <strong>reflektieren</strong>, <strong>Schlüsse zu ziehen</strong> und uns <strong>weiterzuentwickeln</strong>.</p>
<p>Mehr Gründe dafür, weshalb es sich lohnt, sich mit Rhetorik zu beschäftigen und ihre Werkzeuge auch einzusetzen, in einigen Tagen.</p>
<p>Übrigens: Wer entweder keine Zeit oder keine Lust oder weder noch hat, sich mit schweren Büchern so hauruck ein breiteres Verständnis von Rhetorik anzueignen, kann dasselbe Ziel in leicht verdaubaren Happen erreichen. Zum Beispiel durch die Lektüre dieses Blogs. Die in der Kategorie <a href="http://verstaendlich.ch/category/rhetorik/">Rhetorik</a> veröffentlichten Artikel können ein guter Einstieg sein. Und wer gar nichts mehr verpassen will, kann <a href="http://verstaendlich.ch/feed/" target="_blank">hier</a> den RSS-Feed abonnieren oder sich neue Artikel <a href="http://feedburner.google.com/fb/a/mailverify?uri=verstaendlich&amp;loc=de_DE" target="_blank">per E-Mail</a> zuschicken lassen.</p>
<p>Auf bald!</p>
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		<title>Der Anfang vom Ende der Unsicherheit</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2011/01/14/der-anfang-vom-ende-der-unsicherheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Jan 2011 08:39:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[frei reden]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsabotage]]></category>
		<category><![CDATA[Unsicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Genug gejammert! In 4 Beiträgen (hier, hier, hier und hier) habe ich über die letzten Wochen das Elend unsicherer Redner beklagt. Damit ist jetzt Schluss. (Ein Elend, übrigens, das den Redner genauso plagt wie sein Publikum.) Ab sofort geht es um sichere Redner oder besser: darum, wie aus unsicheren sichere Redner werden. Sicherheit durch gute [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Genug gejammert!</p>
<p>In 4 Beiträgen (<a href="http://verstaendlich.ch/2010/11/16/warum-redner-sich-selbst-sabotieren-und-wie/">hier</a>, <a href="http://verstaendlich.ch/2010/11/26/selbstsabotage-durch-imponiergehabe/">hier</a>, <a href="http://verstaendlich.ch/2010/12/22/selbstsabotage-durch-sprachliche-unarten/">hier</a> und <a href="http://verstaendlich.ch/2011/01/07/selbstsabotage-durch-korperliche-unarten/">hier</a>) habe ich über die letzten Wochen <strong>das Elend unsicherer Redner</strong> beklagt. Damit ist jetzt Schluss. (Ein Elend, übrigens, das den Redner genauso plagt wie sein Publikum.) Ab sofort geht es um sichere Redner oder besser: darum, <strong>wie aus unsicheren sichere Redner werden.</strong></p>
<h3 id="sicherheitdurchgutevorbereitung">Sicherheit durch gute Vorbereitung</h3>
<p>Ein grosser Anteil der Unsicherheit wird durch mangelhafte  Vorbereitung verursacht. Das kann bedeuten, dass ein Redner sich <strong>nicht  oder nicht ausreichend vorbereitet</strong> hat. Oder es kann bedeuten, dass er  sich <strong>falsch vorbereitet</strong> hat. Vor meinen gefürchteten Geschichtsreferaten  am <a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/sicherer-redner-web.jpg" target="_blank"><img class="alignleft size-medium wp-image-1813" title="Sicherer Redner" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/sicherer-redner-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Gymnasium lernte ich jeweils den Wortlaut meiner Vorträge auswendig.  Ich erhoffte mir davon grössere Sicherheit in einer Situation, die ich  als sehr bedrohlich empfand. Und auch heute noch finde ich diese  Erwartung durchaus nachvollziehbar. Sie ist jedoch trügerisch. Ein  auswendig gelernter Text bringt keine Sicherheit.</p>
<p>Sinnvolle Vorbereitung jedoch bringt sie durchaus. Das Gefühl ist aus  Prüfungen bekannt: Es fühlt sich einfach gut an, in eine  Prüfungssituation zu treten und zu wissen: Ich habe mich gut  vorbereitet. Ich bin bereit. – Dasselbe Ziel muss auch die Vorbereitung  einer Rede verfolgen.<span id="more-1809"></span></p>
<p>Eine gute, wirkungsvolle Vorbereitungsarbeit ist nicht auf einigen  Zeilen zu beschreiben. Sie ist eigentlich eines meiner grossen Themen  auf diesem Blog. Wer sich näher dafür interessiert, ist herzlich  eingeladen, im <a href="http://verstaendlich.ch/archiv/">Archiv</a> herumzustöbern, speziell in den Kategorien <a href="http://verstaendlich.ch/category/rhetorik/"> Rhetorik</a> und <a href="http://verstaendlich.ch/category/roter-faden/">Roter Faden</a>.</p>
<h3 id="sicherheitdurchsicheresauftreten">Sicherheit durch sicheres Auftreten</h3>
<p>In den letzten Artikeln dieser Reihe habe ich mich damit beschäftigt,  wie die Unsicherheit eines Redners erkennbar wird. Dabei ging es mir  nicht darum, Munition zu verteilen, um unsichere Menschen gezielter  kritisieren zu können oder sich selbst unter stärkeren Druck zu setzen.</p>
<p>Ich bin vielmehr überzeugt, dass <strong>diese Ausdrucksformen der Unsicherheit für uns sinnvolle und wirksame Ansatzpunkte bieten, um sicherer zu werden. </strong></p>
<p>Zum Beispiel in der Sprache. Man darf sich die grundsätzliche Frage  stellen: <strong>Wenn ich meine Sprache als sichere Sprache gestalte, werde ich  dann auch sicherer?</strong> Und ich würde antworten: <strong>Ja.</strong> Es lohnt sich daher,  die eigene Sprache etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, am besten  anhand einer Audio-Aufnahme. Sind da Unsicherheitsmerkmale vorhanden?  Weichmacher? Aufgeblähte Floskeln? Unnötige Fremdwörter, die  beeindrucken sollen? Sätze, die mit Fremdwörtern überfrachtet und  beinahe unverständlich sind? – Dort kann ich dann ansetzen und zum  Beispiel zunächst daran arbeiten, <a href="http://verstaendlich.ch/2010/11/26/selbstsabotage-durch-imponiergehabe/">Imponierphrasen</a> zu eliminieren.</p>
<p>Und die goldene Regel des Wachstums: <strong>Immer nur eine Sache aufs Mal anpacken!</strong></p>
<p>Wie bei der gesprochenen Sprache geht es <strong>auch bei der Körpersprache</strong>: Ich  beobachte mich selbst, ich ziehe meine Schlüsse, ich verändere eine  Sache. Habe ich die Tendenz, nervös herumzutänzeln? Dann zwinge ich  mich, mindestens in den ersten fünf Minuten, an der Stelle stehen zu  bleiben. Wie angeschraubt? – Warum nicht? Nur so kann ich Neues  ausprobieren und etwas lernen und mich weiterentwickeln.</p>
<p>Äusseres zu verändern ist der erste Schritt dazu, Inneres zu verändern.</p>
<p>Und nicht vergessen: <strong>Immer nur eine Sache aufs Mal anpacken!</strong></p>
<h3 id="sicherheitdurchdieliebezumpublikum">Sicherheit durch die Liebe zum Publikum</h3>
<p>Darüber, wie ich meine Redeangst überwand, habe ich hier schon  geschrieben. Einer der Schlüssel zum unbelasteten Reden bestand für mich  darin, dass ich lernte, <strong>meine Zuhörer nicht als Gegner, sondern als Partner zu sehen.</strong> Das nimmt der Unsicherheit den Saft.</p>
<p>Wer Seine Zuhörer als Gegner sieht, gegen die es anzureden und die es  gegen ihren Willen zu überzeugen gilt, setzt sich unter enormen Druck.  Und viele Redner wird dieser Druck unsicher machen. Wenn meine Zuhörer  jedoch meine Freunde sind, gibt es für mich keinen Grund mehr, mich  unsicher zu fühlen. Die Redesituation hat sich radikal verändert.</p>
<h3 id="sicherheitdurchechtheit">Sicherheit durch Echtheit</h3>
<p>Bei allem Lernen und Trainieren und Feilen geht es nie darum,  Personen oder Techniken zu kopieren. Es geht nicht darum, dass ich mir  eine wirkungsvolle Gestik antrainiere, die nicht zu mir passt; oder eine  Sprache, die ich im Alltag nie verwenden würde.</p>
<p><strong>Ich bin ich. Und ich bleibe ich.</strong> Wenn ich aber eingeschüchtert auf der  Bühne stehe und nicht mehr weiss, wie mir innerlich geschieht, weil  sämtliche Körperfunktionen zu versagen drohen, dann bin ich nicht mehr  ich.</p>
<p>Deshalb ist es mir wichtig, sicher auftreten zu können. Es ist mir  wichtig, in der Begegnung mit dem Publikum entspannt zu sein und  beweglich (innerlich und äusserlich), bereit zu sein, etwas zu geben und  etwas zu bekommen. Dann kann ich auch auf Einschüchterungswerkzeuge wie  die <a href="http://verstaendlich.ch/2010/11/26/selbstsabotage-durch-imponiergehabe/">Imponiersprache</a> verzichten. Statt mich mit solchen Techniken in  Sicherheit zu wiegen und dabei Distanz zum Publikum zu erzeugen, kann  ich Nähe zulassen und diese Nähe auch mit einer nahen Sprache  unterstützen.</p>
<p>Und das Wissen, dass ich ich sein darf, dass niemand von mir verlangt,  mein Publikum zu blenden und eine Show abzuziehen, dieses Wissen  entspannt mich noch mehr. Es macht mich noch sicherer.</p>
<p>Das ist für mich Dialog in der Rede. <strong>Das ist freies Reden.</strong></p>
<p>Dorthin entwickle ich mich, indem ich Folgendes tue: <strong>Immer nur eine Sache aufs Mal anpacken!</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Warum Redner sich selbst sabotieren. Und wie.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/11/16/warum-redner-sich-selbst-sabotieren-und-wie/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Nov 2010 08:06:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Körpersprache]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsabotage]]></category>
		<category><![CDATA[Unsicherheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer vor Publikum spricht, ist angespannt. Hoffentlich. Wäre das nicht der Fall, müsste man auf Gleichgültigkeit schliessen, und die ist eine Beleidigung des Publikums. Die Anspannung des Redners hat mit Unsicherheit zu tun. Und jede Redesituation bringt ein gewisses Mass an Unsicherheiten mit sich. Ganz egal, wie gut ich mich vorbereitet habe, kann ich beispielsweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer vor Publikum spricht, ist angespannt. Hoffentlich. </strong>Wäre das nicht der Fall, müsste man auf Gleichgültigkeit schliessen, und die ist eine Beleidigung des Publikums.</p>
<p><strong>Die Anspannung des Redners hat mit Unsicherheit zu tun. </strong>Und jede Redesituation bringt ein gewisses Mass an Unsicherheiten mit sich. Ganz egal, wie gut ich mich vorbereitet habe, kann ich beispielsweise mein Publikum nur begrenzt einschätzen und darum auch nicht vorhersagen, wie es auf mich reagiert. Das verlangt Flexibilität, Reaktionsvermögen, Freiheit – und erzeugt Unsicherheit. Doch <strong>genau diese Unsicherheit ist es ja, die den Spass an der Sache ausmacht</strong>. Und diese Unsicherheit ist es auch, von der ich hier nicht rede.*</p>
<p>Es gibt <strong>eine andere Unsicherheit</strong>, die sich ebenfalls in der Anspannung des Redners äussert, die ich jedoch als <strong>belastend und daher ungesund</strong> bezeichnen würde.</p>
<p><span id="more-1731"></span>Erstens, weil sie dem Redner <strong>Bauchweh</strong> bereitet (oder andere unangenehme Symptome hervorruft).</p>
<p>Zweitens, weil sie sich während der Rede in unpassender und schädlicher Weise Ausdruck verschaffen kann, und den Redner dazu bringt, <strong>sich selbst zu sabotieren</strong>.</p>
<p>Und kreativ wie der Mensch ist, treibt diese Unsicherheit ganz unterschiedliche hässliche Blüten:</p>
<ul>
<li>Zum Beispiel in einer <strong>Körpersprache</strong>, die dem Publikum entgegenschreit: &#8220;Ich habe Angst vor Euch!&#8221;</li>
<li>Oder in <strong>ungeschickten Formulierungen</strong>, mit denen der Redner seine Position als Experte unterstreichen möchte, weil er sich nicht sicher ist, ob das Publikum ihn als solchen akzeptieren will.</li>
<li>Oder mit <em>Ähs</em> und <em>Oders</em> und <em>Vielleichts</em> und ähnlichen <strong>verbalen Kurzschlüssen</strong>.</li>
</ul>
<p><strong>Diese unbewussten und deutlichen Signale sprechen dann oft lauter als der Inhalt der Rede</strong> und bestimmen so den Eindruck, den der Redner hinterlässt; und das, ohne dass dieser es kontrollieren könnte.</p>
<p>Für die nächsten Wochen plane ich darum, auf eine Reihe rednerischer Unarten einzugehen, deren Quelle in der Unsicherheit des Redners liegt. Und natürlich werden auch Vorschläge nicht fehlen, wie diese Unsicherheit beseitigt oder mindestens so bewusst gemacht werden kann, dass sie mich nicht zur Selbstsabotage zwingt.</p>
<p>Nachtrag: Inwischen sind alle Artikel der Reihe online :</p>
<ul>
<li><a href="http://verstaendlich.ch/2010/11/26/selbstsabotage-durch-imponiergehabe/">Selbstsabotage durch Imponiergehabe</a></li>
<li><a href="http://verstaendlich.ch/2010/12/22/selbstsabotage-durch-sprachliche-unarten/">Selbstsabotage durch sprachliche Unarten</a></li>
<li><a href="http://verstaendlich.ch/2011/01/07/selbstsabotage-durch-korperliche-unarten/">Selbstsabotage durch körperliche Unarten</a></li>
<li><a href="http://verstaendlich.ch/2011/01/14/der-anfang-vom-ende-der-unsicherheit/">Der Anfang vom Ende der Unsicherheit</a></li>
</ul>
<p>* Ausdrücklich zu erwähnen, wovon man <em>nicht</em> sprechen will, ist ein sehr wirksames Stilmittel (in der klassischen Rhetorik <em>Paralipse</em> genannt). Es erzeugt eine Art paradoxen Effekt, indem es gerade durch den ausdrücklichen Verzicht eine Aussage oder ein Stichwort für einen kurzen Moment in den Mittelpunkt stellt und so die Aufmerksamkeit des Publikums bündelt. – Unbedingt ausprobieren!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wie ich ein guter Zuhörer werde.</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/07/09/wie-ich-ein-guter-zuhorer-werde/</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Jul 2010 08:10:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Dracula]]></category>
		<category><![CDATA[Frankenstein]]></category>
		<category><![CDATA[Orientteppiche]]></category>
		<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[zuhören]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor? Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten Tipps dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann. Wie werde ich ein guter Zuhörer? Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie bereitet sich eigentlich ein Mitglied des Publikums auf einen Redner vor?</p></blockquote>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1337" title="Der perfekte   Zuhörer" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/guter-zuhoerer-web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>Das hat Stefan in einem Kommentar gefragt, nachdem ich vor zwei Monaten <a href="http://verstaendlich.ch/2010/05/07/publikumswirksame-selbstsabotage/">Tipps</a> dazu gegeben hatte, wie ein Redner sein Publikum mit direkten oder indirekten Entschuldigungen vergraulen kann.</p>
<p><strong>Wie werde ich ein guter Zuhörer? </strong>Eine gute Frage, die ich mir – ehrlich gesagt – weniger oft stelle als die nach dem guten Redner.</p>
<p>Um die enorm weite Frage etwas einzugrenzen, wende ich mich einmal mehr kurz der klassischen Rhetorik zu. Sie hat für den Redenanfang 3 Ziele definiert, die der Redner für die Gestaltung des Redeanfangs zu berücksichtigen hat. Er muss</p>
<ol>
<li>Interesse für sein Thema wecken, damit die Zuhörer neugierig und  aufnahmebereit werden.</li>
<li>das Wohlwollen der Zuhörer gewinnen, damit sie bereit sind, ihm –  und <em>gerade</em> ihm – zuzuhören.</li>
<li>den Hauptteil inhaltlich vorbereiten, also ins Thema einführen.</li>
</ol>
<p>Diese 3 Ziele sind ein guter Ausgangspunkt für ein <strong>Profil des guten Zuhörers</strong>. Ein solcher ist</p>
<ol>
<li><strong>wach und aufmerksam,</strong></li>
<li><strong>dem Redner gegenüber offen und wohlwollend und<br />
</strong></li>
<li><strong>am Thema interessiert.</strong></li>
</ol>
<p><span id="more-1333"></span>Gut, ein schlafendes oder zumindest dösendes Publikum kann auch entspannend wirken und die Redeangst verfliegen lassen, aber gewöhnlich wünsche ich mir als Redner doch, dass meine Worte auf wache Ohren stossen. Doch wie zeige ich – im Publikum sitzend und in meinen Ausdrucksmöglichkeiten auf meinen Körper beschränkt – dass ich wach und aufmerksam bin? Sicher nicht, indem ich mehr horizontal als vertikal in meinem Sessel hänge. <strong>Eine aufrechte Haltung und angmessene Körperspannung zeigen, dass ich in Erwartungsposition bin, dass ich ganz hier bin.</strong> <strong>Das wichtigste Signalwerkzeug des Zuhörers jedoch sind die Augen.</strong> Hier kommt die Wachheit am klarsten zum Ausdruck. Also entscheide ich mich für einen solch wachen Blick und gegen die dämmernden Schlafzimmeraugen. Ein guter Redner pflegt intensiven Augenkontakt mit seinem Publikum. Dabei will ich ihm begegnen und ihm etwas zurückgeben. Wenn ich rede, suche ich mir gezielt solche Menschen im Publikum, weil sie mich motivieren und inspirieren. Und wenn ich Zuhörer bin, dann will ich vom Redner im Publikum als solche Person entdeckt werden.</p>
<p>Wir lieben Schubladen. Auch Vorurteile sind Schubladen – Schubladen mit unendlich viel Platz in Schubladenmöbeln, die unendlich erweiterbar sind. Wenn ich einen sehe, für den ich noch keine Schublade habe, dann eröffne ich einfach eine neue. So einfach geht das! Auch beim Zuhören zeigt sich dieser Hang zum Etikettieren: Meine Güte, die Krawatte! Meine Güte, der hat nicht einmal eine Krawatte an! Meine Güte, der hat eine Krawatte an! – Es gibt 100o Gründe, jemandem mit Vorbehalt zu begegnen. Ich rede aber lieber vor Menschen, die mir gegenüber offen und unvoreingenommen sind. <strong>Und ein solcher Zuhörer möchte ich auch sein. Nicht nur unvoreingenommen, sondern wohlwollend, also positiv voreingenommen.</strong> Dazu muss ich bereit sein, mir etwas sagen zu lassen, mich vom Gedanken verabschieden, eh alles besser zu wissen. Dieser Gedanke ist die beste Voraussetzung dafür, nichts dazuzulernen. Und zwar eben nicht, weil ich eh schon alles weiss, sondern weil ich zu blockiert bin, etwas Neues aufzunehmen. <strong>Und wo findet diese Offenheit ihren Ausdruck? – In einem Lächeln (und natürlich auch in den Augen).<br />
</strong></p>
<p>Auch fehlendes Interesse kann meine Lernfähigkeit reduzieren oder gar vernichten. Dabei bin ich der Meinung, <strong>dass man sich wirklich für alles interessieren kann, wenn man will. </strong>Natürlich ist das viel einfacher, wenn ich einem Referat über mein Lieblingsthema lauschen darf. Wenn es zum Beispiel darum geht, ob Dracula einen Kampf gegen Frankensteins Monster gewinnen könnte (was natürlich absoluter Blödsinn ist, Frankensteins Monster wäre der sichere Sieger), dann bin ich ganz Ohr, voll aufnahmefähig – und der Referent wird mir das auch ansehen. Anders jedoch, wenn ich zu einer Weiterbildung über die verschiedenen Knüpftechniken von Orientteppichen gezwungen werde. Mein natürliches Interesse ist hier eher gering. Deshalb habe ich aber noch lange nicht verloren. Es braucht einfach etwas mehr, um in den Zustand echten Interesses zu geraten. <strong>Dazu befasse ich mich schon im Voraus mit dem Thema und überlege mir einige Fragen. </strong>(Das heisst nicht, dass ich ein Buch über Orientteppiche lese. Ich schalte einfach mein Hirn ein und denke mich etwas in das Gebiet hinein.)<strong><br />
</strong></p>
<ul>
<li>Zum Beispiel könnte mich interessieren, wie man den Wert eines geerbten Teppichs bestimmt.</li>
<li>Oder wie lange das Knüpfen eines Quadratmeters Teppich dauert.</li>
<li>Oder 0b Teppichmuster sich an traditionellen Motiven orientieren oder einfach Lust und Launen des Knüpfers folgen.</li>
<li>Oder wie Orienttepppiche zu ihrem guten Ruf gekommen sind, während kein Mensch sich für die Teppichknüpfkunst des Zürcher Oberlandes interessiert.</li>
</ul>
<p><strong>So werde ich zu einem aktiven Zuhörer</strong>, der die präsentierten Informationen laufend verarbeitet. Und natürlich sieht mir das der Redner an.</p>
<p>Eine reizvolle und gedankenerweiternde Hirnübung kann darin bestehen, eine Brücke zu schlagen vom scheinbar uninteressanten Thema zu einem &#8220;meiner&#8221; Themen. Allenfalls bringen Erkenntnisse über das Teppichknüpfen mich der Antwort auf die monumentale Frage näher, ob Dracula Frankensteins Monster besiegen könnte. Würde es einen Vorteil für einen der Kämpfer bedeuten, wenn die Begegnung auf einem Teppich stattfindet?</p>
<p>Und das Beste zum Schluss. Die Frage nach dem guten Zuhörer ist in zwei Schritten ganz schnell zu beantworten:</p>
<ol>
<li><strong>Welche Zuhörer sind mir die liebsten, wenn ich rede?</strong></li>
<li><strong>Was macht mich zu einem solchen Zuhörer?</strong></li>
</ol>
<p>Und übrigens: Es ist durchaus erlaubt, dieses Prinzip auch auf ganz normale Gespräche anzuwenden. Dazu brauche ich keinen grossen Auftritt.<strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Publikumswirksame Selbstsabotage</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/05/07/publikumswirksame-selbstsabotage/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 08:44:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstsabotage]]></category>

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		<description><![CDATA[Es geht doch nichts über die Eröffnung eines Auftrittes mit einer Entschuldigung: &#8220;Es tut mir leid, dass ich mich nicht besser vorbereiten konnte.&#8221; Mancher versucht es auch auf die weniger explizite Weise: &#8220;Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.&#8221; Auch ein solcher Satz ist eine Art von Entschuldigung, wenn auch eine indirekte. Er enthält die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es geht doch nichts über die Eröffnung eines Auftrittes mit einer Entschuldigung:</p>
<blockquote><p>&#8220;Es tut mir leid, dass ich mich nicht besser vorbereiten konnte.&#8221;</p></blockquote>
<p>Mancher versucht es auch auf die weniger explizite Weise:</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Auch ein solcher Satz ist eine Art von Entschuldigung, wenn auch eine indirekte. Er enthält die unausgesprochene Botschaft: &#8220;Was ich zu sagen habe, ist es eigentlich nicht wert, Ihre Zeit in Anspruch zu nehmen.&#8221; <strong>Mit einem solchen Ausdruck des Bedauerns (einer Entschuldigung eben) sägt ein Redner nicht nur an dem Ast, auf dem er sitzt.</strong></p>
<p>Er fällt den Baum.</p>
<p>Nein, er fällt den Wald.</p>
<p><span id="more-1189"></span>Als ich mir kürzlich wieder einmal den Film &#8220;Love Actually&#8221; ansah, stiess ich auch dort auf eine solche Entschuldigung. Die Szene: Ein Schulkonzert wurde eingeübt und steht nun vor der Aufführung. Bevor die Show losgeht, begrüsst einer der Lehrer das Publikum im überfüllten Saal und schliesst mit den Worten: &#8220;Some of the staff have decided to help out. And for this, I apologise.&#8221; (&#8220;Einige der Lehrer haben sich entschieden mitzuhelfen, und dafür entschuldige ich mich.&#8221;) Im Gegensatz zu meiner sonstigen Abneigung gegen Entschuldigungen in ähnlichen Situationen fand ich das absolut gelungen und witzig. Wohl aus dem einfachen Grund, dass die &#8220;Entschuldigung&#8221; mit einem Augenzwinkern (natürlich kein wirkliches Augenzwinkern, meine Güte!) daherkam. Ein gelungener, witziger Moment.</p>
<p>Im Gegensatz zu <strong>alltäglichen Bühnenentschuldigungen</strong> &#8211; ganz ohne Augenzwinkern.</p>
<blockquote><p>Ich weiss, dass es schon spät ist, aber ich &#8230;</p>
<p>Natürlich bin ich kein so guter Redner wie &#8230; Trotzdem möchte ich &#8230;</p>
<p>Wir hatten nicht so viel Zeit zum Üben: Entschuldigen Sie, dass nicht alle alle Töne treffen.</p>
<p>Ich hoffe, dass es nicht zu langweilig war.</p>
<p>Ich hoffe, dass das verständlich war.</p></blockquote>
<p><strong>Solche Aussagen sind Selbstsabotagen und einem Publikum nicht zuzumuten. </strong>In den meisten Fällen verraten sie, dass der Redner nicht dort sein will, wo er ist. Deshalb geht er davon aus, dass auch das Publikum nicht dort sein will, wo es ist. (Und vermutlich liegt er damit auch richtig. Spätestens nach einer solchen Einleitung.)</p>
<p>Eine kleine <strong>Übersetzunghilfe für Bühenentschuldigungen:</strong></p>
<table>
<tbody>
<tr>
<th align="left">Aussage</th>
<th align="left">Bedeutung</th>
<th align="left">angemessenes Verhalten</th>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.&#8221;</td>
<td>Ich habe nichts Interessantes zu sagen.</td>
<td>Nichts sagen.</td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Ich hoffe, dass ich das jetzt klar rüberbringen kann.&#8221;</td>
<td>Ich habe mich zu wenig vorbereitet</td>
<td>Besser vorbereiten.</td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Wir hatten nicht so viel Zeit zum Üben. Aber wir geben unser Bestes.&#8221;</td>
<td>Wir bezweifeln, dass Sie uns überhaupt sehen oder hören wollen.</td>
<td>Selbstbewusster werden.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Natürlich geht es mir nicht um den genauen Wortlaut der vorgeschlagenen Bedeutung. Doch eine Aussage in der Art, wie ich sie in der linken Spalte aufgeführt habe, transportiert weit mehr, als ich eigentlich ausdrücken möchte. Sie wirkt auf den ersten Blick vielleicht bescheiden und dient ja vor allem dem Selbstschutz, aber <strong>kein Mensch im Publikum ist daran interessiert, dass ich mich kurz halte, wenn ich mich gut vorbereitet habe und mein Stoff interessant ist.</strong> (Von einigen wenigen vielleicht einmal abgesehen, denen man es ohnehin nie Recht machen kann. Und vielleicht haben die ja auch nur vergessen, zuhause die Kerzen auszublasen.)</p>
<p>Wer sich vor sein Publikum stellt, muss mutig sein. <strong>Menschen hören gerne mutigen Menschen zu. </strong>(Ich meine <em>mutig</em>, nicht arrogant und eitel.) Sie wollen sicher sein, dass hier einer steht, der</p>
<ul>
<li>etwas zu sagen hat.</li>
<li>gerne über seinen Stoff redet.</li>
<li>sich in seiner Rolle sicher und wohl fühlt.</li>
<li>sich gründlich vorbereitet hat.</li>
<li>sich auf die Begegnung mit dem Publikum freut.</li>
</ul>
<p><strong>Wer sich für seinen Auftritt direkt oder indirekt entschuldigt, beschädigt diesen Eindruck nachhaltig.</strong></p>
<p>Natürlich werden Entschuldigungen dieser Art nicht vorbereitet. Sie rutschen einem in der Regel einfach heraus. Sie sind daher oft eine Folge ungenügender Vorbereitung, ein Ausdruck von Unsicherheit.</p>
<p>(Und bevor jemand einwendet: &#8220;Dann sind sie ja auch angebracht!&#8221; kontere ich ganz schnell: Das ist ja gar nicht der Punkt! Auch ein langweiliger und schlecht vorbereiteter Redner darf gerne darauf verzichten, sich auf diese Weise noch weiter zu demütigen &#8211; und sein Publikum zusätzlich zu quälen.)</p>
<p>Die gute Kehrseite: <strong>Diese rhetorische Unart lässt sich durch ernsthafte Vorbereitung vermeiden.</strong> Wenn ich mir die für unangebrachte Spontanentschuldigungen besonders anfälligen ersten Sätze meines Auftrittes genau zurechtlege und mir die Situation möglichst detailliert vorstelle, dann wird mir kein &#8220;Ich werde mich kurz fassen&#8221; einen Strich durch die Rechnung machen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>2 Sargnägel für die Redeangst</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2010/02/09/2-sargnagel-fur-die-redeangst/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2010/02/09/2-sargnagel-fur-die-redeangst/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 09 Feb 2010 09:33:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Lampenfieber]]></category>
		<category><![CDATA[Redeangst]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Nächte vor meinen Geschichtsreferaten am Gymnasium verbrachte ich schlaflos. Schon der gewöhnliche Unterricht war der Horror, aber die Aussicht, vor versammelter Klasse und meinem Lehrer alleine dazustehen, lähmte mich vollends. Und leider wiederholte sich das Szenario jedes Semester, bis er in Pension ging. Heute kann ich wenigstes sagen, dass ich weiss, wovon ich spreche, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Nächte vor meinen Geschichtsreferaten am Gymnasium verbrachte ich schlaflos. Schon der gewöhnliche Unterricht war der Horror, aber die Aussicht, vor versammelter Klasse und meinem Lehrer alleine dazustehen, lähmte mich vollends. Und leider wiederholte sich das Szenario jedes Semester, bis er in Pension ging.</p>
<p>Heute kann ich wenigstes sagen, dass ich weiss, wovon ich spreche, wenn ich das Wort &#8220;Redeangst&#8221; in den Mund nehme.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/redeangst_web.jpg"><img class="size-full wp-image-1035 alignright" title="Sargnaegel fuer die Redeangst" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/redeangst_web.jpg" alt="" width="454" height="341" /></a>Natürlich tat ich alles, um mich so gut es ging abzusichern. Meine Referate lernte ich im Wortlaut auswendig und versuchte mich davon zu überzeugen, dass so ja eigentlich nichts mehr schief gehen konnte. Doch die Angst blieb.</p>
<p>Es dauerte lange, bis ich die ersten positiven Erfahrungen mit dem Reden vor Publikum machte. Heute habe ich meine Ängste hinter mir gelassen und Spass daran, vor Menschen zu reden.</p>
<p>Was ist passiert?</p>
<p>Äusserlich hat sich kaum etwas geändert: Einer redet, die anderen hören zu. Aber innerlich ist alles anders geworden.</p>
<p>&#8220;Alles&#8221; erkläre ich in zwei Punkten. Es sind zwei Sargnägel, die die Redeangst dorthin bannen, wo sie hingehört:</p>
<p><span id="more-1033"></span></p>
<h2>1. Ich liebe mein Publikum</h2>
<p>Irgendwann begriff ich, dass mein Geschichtslehrer einen Defekt bei mir hinterlassen hatte. Wie eine Beule im Auto. (Ich unterstelle ihm dabei keine böse Absicht, aber Tatsache ist nun einmal, dass ich verbeult aus dem Geschichtsunterricht kam.) Während ich darum kämpfte, lebendig durch mein Referat zu kommen, sass er in der Klasse und machte sich Notizen zu meiner Leistung. Eigentlich redete ich ja nur für ihn.</p>
<p>Und <strong>eigentlich redete ich <em>gegen </em>ihn.</strong></p>
<p>Reden war ein Kampf, den ich zu gewinnen hatte &#8211; oder mindestens zu überleben. Und irgendwann sah ich das ganze Publikum so und jeder Auftritt vor der Klasse war eine Kriegserklärung.</p>
<p>Mit dieser Einstellung konnte ich natürlich nicht frei reden, weil ich nicht frei war.</p>
<p>Die Rhetorik ist in erster Linie aber nicht auf Kampfreden angelegt. In ihren Genen steckt die Demokratie, deren Entstehung eng mit ihrer eigenen Geschichte verbunden ist. Rhetorik war dazu da, Gedanken klar und überzeugend auszudrücken und zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen.</p>
<p>Kurz: Rhetorik war dazu da, miteinander zu reden.</p>
<p>Diese Einsicht hat meine Perspektive als Redner radikal verändert. Ich muss gegen niemanden anreden. Im Gegenteil. <strong>Die Rede &#8211; auch die Rede vor Publikum &#8211; ist ihrem Wesen nach ein Dialog. </strong>Auch dann, wenn das Publikum nichts sagt.</p>
<p>Es war, als hätte einer einen Schalter in meinem Kopf gedrückt. Ich begann, nicht mehr <em>zu </em>Menschen zu sprechen, sondern <em>mit </em>ihnen. Eine Rede wurde immer weniger Kampf und immer mehr gemeinsames Wegstück. Eine kurze Reise, auf die ich mich mit meinen Zuhörern begab und immer wieder begebe. Bis heute hat sich daran nichts geändert.</p>
<p>Wie hat Morrissey gesungen?</p>
<p>Such a little thing<br />
Such a little thing<br />
But the difference it made was grave.</p>
<h2>2. Ich schaue dem Albtraum in die Augen</h2>
<p>Redeangst ist meistens diffus. Das ist ihre Stärke, denn so ist sie kaum fassbar. Es ist aber auch ihre Schwäche, denn <strong>wenn wir genau hinsehen, bleibt in der Regel nicht viel von ihr übrig.</strong> Sie verflüchtigt sich wie ein Hauch Mundgeruch.</p>
<p>Wenn ich vor einer Rede eine unangemessene Anspannung spüre, dann frage ich mich: &#8220;Was ist denn nun das Schlimmste, das mir passieren kann? Was wäre heute der absolute Albtraum?&#8221;</p>
<ul>
<li>Dass ich den Faden verliere?</li>
<li>Dass ich mich verhasple?</li>
<li>Dass die Zuhörer sich langweilen?</li>
<li>Dass einer dazwischenruft?</li>
<li>Dass einer mich erschiesst?</li>
<li>Dass das Mikro defekt ist?</li>
<li>Dass ich von der Bühne falle?</li>
<li>Dass mir die Hose herunterfällt?</li>
<li>Dass die Zuhörer mich nicht mögen?</li>
</ul>
<p>Dann schaue ich mir jede einzelne Angst an und denke sie weiter &#8211; bis zum bitteren Ende: Was geschieht denn nun, wenn ich den Faden verliere?</p>
<p>Ich nehme einen Schluck aus dem Wasserglas und gebe meinen Gedanken die Möglichkeit, wieder zu meinem Mund aufzuschliessen. Und wenn das nicht reicht, dann sage ich: &#8220;Jetzt habe ich doch glatt den Faden verloren. Da sind meine Gedanken wieder einmal mit mir durchgegangen.&#8221; Und dann schaue ich in meine Notizen und mache weiter.</p>
<p>Werde ich dafür verachtet werden? Eher nicht. In der Regel fördern solche Zwischenspiele sogar die Sympathie zum Redner.</p>
<p>Dasselbe gilt für Versprecher.</p>
<p>Und die gelangweilten Zuhörer? Sie sind eine Realität. Man begegnet ihnen in jedem Publikum. Das liegt manchmal an langweiligen Rednern. Manchmal aber auch daran, dass solche Menschen mit zur Schau getragener Langeweile signalisieren wollen: &#8220;Ich weiss schon alles.&#8221; Solche Langweiler belasten mich nicht.</p>
<p>Der Umgang mit Zwischenrufen ist nicht immer einfach. Aber zuerst darf ich mir die Frage stellen: Wie realistisch ist es, dass in diesem Publikum tatsächlich jemand den Mut aufbringt (denn den braucht es), seinen Mund aufzumachen? Und wenn auch: Möglicherweise ist es ja ein konstruktiver Gedanke, der mein Reden sogar noch fördert. Meine Zuhörer sind meine Freunde, nicht meine Gegner.</p>
<p><strong>Dass ich erschossen werde, ist wenig wahrscheinlich,</strong> genauso wie der Sturz von der Bühne. Diesen Ängsten in die Augen zu schauen, reicht bereits, um sie sich verflüchtigen zu lassen.</p>
<p>Wenn das Mikro kapputtgeht, kriege ich wahrscheinlich ein anderes und rede sonst ohne weiter.</p>
<p>Für den extrem unwahrscheinlichen Fall, dass an meiner Hose tatsächlich Gürtel und Knöpfe gleichzeitig versagen und so quasi &#8220;alle Stricke&#8221; reissen: Dann halte ich meine Hose mit einer Hand fest, informiere mein Publikum über meine missliche Lage und bin zu 100% sicher, dass der Bericht über meine Rede so weite Kreise ziehen wird, wie bei keinem früheren Auftritt.</p>
<p>Die Angst, dass die Zuhörer mich nicht mögen, steckt vermutlich im Kern jeder Redeangst. Wir wollen geschätzt und geliebt werden. Daran ist doch nichts falsch. Der erste Schritt zur Verwirklichung dieses Traumes ist, was ich oben beschrieben habe: Ich muss mein Publikum lieben.</p>
<p>Ich glaube wirklich: Dann kommt auch Liebe zurück. Und des Weiteren gilt: Man kann es einfach nicht allen Recht machen. Wenn ich mich klar äussere und klar Position beziehe, dann ist ebenso klar, dass einige nicht einverstanden sein werden. Vielleicht auch viele.</p>
<p><strong>Der bedrohlichste Redner-Albtraum verblasst, wenn wir ihn zu Ende denken. </strong>Kein Missgeschick, das mir vor Publikum passieren könnte, kann mich mehr davon abhalten, mich hinzustellen und mit diesen Menschen auf eine Reise zu begeben.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Eine Rede bauen 5: actio</title>
		<link>http://verstaendlich.ch/2009/11/19/eine-rede-bauen-5-actio/</link>
		<comments>http://verstaendlich.ch/2009/11/19/eine-rede-bauen-5-actio/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 19 Nov 2009 07:06:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Actio]]></category>
		<category><![CDATA[Produktionsstadien]]></category>

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		<description><![CDATA[Actio klingt nach Action. Und jetzt geht’s tatsächlich los. Wer bei den vier vorangehenden Arbeitsschritten bei der Sache war, darf jetzt die Früchte seiner Mühe ernten. Die antike Rhetorik ist in ihren Kommentaren zur Ausführung einer Rede sehr zurückhaltend. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass in dieser letzten Phase nichts Entscheidendes mehr passiert. Doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Actio klingt nach Action. Und jetzt geht’s tatsächlich los. Wer bei den vier vorangehenden Arbeitsschritten bei der Sache war, darf jetzt die Früchte seiner Mühe ernten.</p>
<p><img style="border: 0px none; display: block; float: none; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="actio_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/actio_web_thumb.jpg" border="0" alt="actio_web" width="454" height="338" /></p>
<p>Die antike Rhetorik ist in ihren Kommentaren zur Ausführung einer Rede sehr zurückhaltend. Fast könnte man den Eindruck bekommen, dass in dieser letzten Phase nichts Entscheidendes mehr passiert. Doch der Eindruck täuscht, wie der grösste Redner der Antike, der römische Allrounder Cicero (Politiker, Philosoph, Jurist und Dichter), klarstellt:</p>
<blockquote><p>Der Vortrag hat in der Redekunt allein entscheidende Bedeutung. Denn ohne ihn gilt auch der grösste Redner nichts, ein mittelmässiger, der ihn beherrscht, kann aber oft die grössten Meister übertreffen. (Aus <em>De Oratore,</em> III.213)</p></blockquote>
<p>Je nachdem kann man diesen Kommentar als Ermutigung oder als Ernüchterung empfinden. Aber natürlich ist klar: Die Vorbereitung der Rede läuft ja auf die Rede hin, und die Rede ist, was das Publikum wahrnimmt. Keiner interessiert sich für die Unterlagen meiner Vorbereitung. Diese letzte Phase entscheidet über Erfolg und Misserfolg meines Vorhabens. Kurz gesagt: Hier geht es darum, mit dem Auftritt den vorbereiteten Inhalt der Rede zu unterstreichen und zu verstärken. (Ich muss nicht explizit darauf hinweisen, dass ein schwacher Auftritt genau das Gegenteil bewirkt und meine Absichten zunichtemachen kann.)</p>
<p><span id="more-840"></span>Unfair ist, dass in dieser letzten Phase mit voller Wucht zum Ausdruck kommt, was gemeinhin als &#8220;Talent” bezeichnet wird. Ein rhetorisch begabter Mensch wird sein Publikum durch einen Auftritt begeistern können – selbst wenn hinter diesem Auftritt nicht viel steht. Zum Beispiel keine gründliche Vorbereitung. Schon öfter habe ich von Mit-Zuhörern vernommen, wie sie sich begeistert über die Leistung eines Redners geäussert haben (“Ein toller Rhetoriker!”), obwohl die Rede weder Hand noch Fuss geschweige denn einen roten Faden hatte. Menschen lassen sich von einem souveränen Auftritt gerne blenden. Wir wollen unterhalten werden. So ist das nun einmal.</p>
<p>(So nebenbei: Hier kann die Rheotrik eine wichtige Funktion übernehmen – als Analyseinstrument. Das ist keine neue Idee, sondern liegt ihr quasi in den Genen. Die systematische Rhetorik will auch helfen, das Reden anderer zu analysieren und zu beurteilen. So leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor Manipulation. Zum Beispiel. Oder vor Blendern. Oder aufdringlichen Verkäufern.)</p>
<p>Da ich meine Rede gründlich und aufrichtig vorbereitet habe, muss ich nicht blenden. Und wenn in der actio auch angeborene Begabung zum Ausdruck kommt, bedeutet das nicht, dass man hier nichts lernen könnte oder alles dem Zufall (oder dem Talent eben) überlassen sollte. Deshalb einige Hinweise für einen gelungenen Auftritt. (Zu einem solchen gehört übrigens nicht nur ein überzeugtes Publikum, sondern auch ein zufriedener Redner, der Freude an der Begegnung mit den Zuhörern hat.)</p>
<ul>
<li>Freue dich auf die Begegnung mit dem Publikum! Du hast dich gut vorbereitet, hast etwas zu sagen, das dir wichtig ist, und wirst gleich Menschen vor dir haben, die dir zuhören wollen. Das ist doch wunderbar!</li>
<li>Lächle: Geh nach vorn, sieh die Menschen an und lächle. Das ist der beste erste Eindruck, den du vermitteln kannst, und dafür gibt es bekanntlich nur eine Chance.</li>
<li>Lass dir Zeit: erst lächeln, dann reden. So zeigst du, dass du Zeit hast, dass du nicht unter Druck stehst, dass du dich wohl fühlst. Und dann sprich auch so. Tendenziell reden Menschen unter Druck schneller als sonst. Damit machen sie es den Zuhörern nicht nur schwerer, den Gedanken zu folgen, sie kommunizieren auch: Ich bin unter Druck. Das wiederum setzt die Zuhörer unter Druck. Und das wiederum vermindert die Aufnahmefähigkeit.</li>
<li>Steh stabil: Körpersprache ist ein grosses Thema, mit dem immer neue Bücher gefüllt werden. Ich beschränke mich hier auf eine schlichte Empfehlung: Steh stabil. Das bedeutet nicht, dass ich wie ein eingeschlagener Pflock erstarre und mich nicht vom Fleck bewege. Doch wenn ich stehe, dann stehe ich; dann wippe ich nicht mit den Füssen, dann schiebe ich mein Körpergewicht auch nicht im Zwei-Sekunden-Takt von einem Bein aufs andere. Die Art, wie jemand steht, verrät viel über seine innere Verfassung. Sicherheit und Unsicherheit sind hier so klar abzulesen, als wären sie auf die Stirn gestempelt. Steh also entspannt, beide Füsse mit den ganzen Sohlen am Boden, das Gewicht gleichmässig auf beide Beine verteilt. So wird klar: Jetzt bist du dran, und du weisst, wovon du sprichst. Da kann man sich sicher fühlen.</li>
<li>Bewege dich natürlich: Das Bemühen um eine “gute” Gestik kann zum exakten Gegenteil führen: zur Verkrampfung. Und dann wirkt nichts mehr natürlich. Selbstverständlich kann man auch hier etwas lernen, doch muss man mit sich selbst geduldig sein, sonst geht der Schuss nach hinten los. Wenn du etwas verändern willst, nimm dir jeweils <em>einen </em>Aspekt vor. Erst dann den nächsten. Das gilt auch beim Abgewöhnen von Unarten wie dem Spielen mit Fingerring oder Schlüsselbund in der Hosentasche. Apropos:</li>
<li>Leere deine Hosentaschen! Über die Frage, ob man beim Reden eine Hand in die Hosentasche stecken darf, gehen die Meinungen auseinander. Ich finde, zwischendurch ist das ganz in Ordnung, es vermittelt Lockerheit und daran erkennt das Publikum, dass ein Redner sich wohl fühlt. Daran ist nichts falsch. Gefährlich wird es jedoch, wenn in der Hosentasche ein Schlüsselbund, ein Handy oder ein anderes Spielzeug zur Verfügung steht und nur darauf wartet, von nervösen Fingern bearbeitet zu werden.</li>
<li>Bleibe auch bei Aussetzern locker: Leichter gesagt als getan, das gebe ich zu. Aber es gibt eine Reihe von Tricks, die helfen, den verlorenen Faden wieder zu finden. Schau kurz zurück und fasse das Gesagte mit einigen (wenigen!) Sätzen zusammen. Die Chancen stehen gut, dass du damit nicht nur deinen Zuhörern einen Dienst erweist, sondern auch selbst wieder auf den Gedankenzug aufspringen kannst. Vielleicht reicht bereits eine kurze Pause, dazu kann dir ein Schluck aus dem Wasserglas verhelfen (das nie fehlen sollte). Von einer vorgetäuschten Ohnmacht würde ich eher abraten, die Verletzungsgefahr beim Sturz von der Bühne scheint mir unverhältnismässig gross. Und schliesslich: Bemerkungen wie “Jetzt habe ich doch glatt den Faden verloren” oder “Jetzt muss ich kurz in meine Notizen sehen” bedeuten nicht den Weltuntergang, sondern in der Regel einen Gewinn von Sympathiepunkten beim Publikum. (Auch bei der freien Rede liegen die Notizen irgendwo in Reichweite – wenn auch nicht sichtbar vor dem Redner.)</li>
</ul>
<p>Damit schliesse ich die Werkzeugkiste für heute.</p>
<p>In der actio zeigt sich übrigens ein weiterer grosser Vorteil der freien Rede ohne Manuskript oder Notizkarten: Wenn ich frei rede, kann ich mich selbst beim Reden besser wahrnehmen. Ich kann aufmerksamer darauf achten, wie ich mich bewege, wie ich vor den Zuhörern stehe, was meine Hände machen. Und je nachdem, was ich wahrnehme, kann ich reagieren: Hoppla, meine Hand ist schon wieder in der ungeleerten Hosentasche – also entweder raus mit der Hand oder mit dem Schlüsselbund. (Ich würde in diesem Fall die Hand empfehlen.) Ja, solche Beobachtungen, Überlegungen, Entscheidungen und Handlungen sind möglich – während du am Reden bist. Dein Hirn schafft das problemlos.</p>
<p>Wie in den anderen Arbeitsschritten der klassischen Rhetorik, bringen dich auch in der actio lernen und üben weiter. Eine effektive Methode dazu ist, guten Rednern zuzusehen, auf ihre Bewegungen zu achten, darauf, wie sie stehen, sich im Raum bewegen, wo sie beim Sprechen Pausen machen, das Tempo der Sprache variieren – und wie das Publikum darauf reagiert. Eine sehr ergiebige Quelle mit rhetorisch meist ausgezeichneten Referenten (und inhaltlich sehr interessanten Referaten) ist auf <a title="http://www.ted.com/" href="http://www.ted.com/">http://www.ted.com/</a> zu sehen. (Mein Favorit zur Zeit: <a href="http://www.ted.com/talks/ken_robinson_says_schools_kill_creativity.html" target="_blank">Ken Robinson über Kreativität</a>.) Die Redner sprechen englisch, doch viele Videos sind in diversen Sprachen untertitelt.</p>
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		<title>Eine Rede bauen 4: memoria</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 14:20:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[frei reden]]></category>
		<category><![CDATA[Memoria]]></category>
		<category><![CDATA[Mnemotechnik]]></category>
		<category><![CDATA[Produktionsstadien]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Meine erste Rede ohne Skript oder Stichwortkarten hielt ich unfreiwillig. Genauer gesagt: Die Rede hielt ich freiwillig, doch hatte ich geplant, mich wie üblich an einem Mindmap auf Papier zu orientieren, und dieser Plan ging nicht auf. Ich vergass, gleich zu Beginn das Konzept aus der Brusttasche meines Hemdes zu ziehen. Als ich das bemerkte, war es zu spät. Der Griff in die Brusttasche und das Auffalten des Blattes hätten den Redefluss zu stark gestört. So probierte ich es ohne. Und es klappte. Meine Euphorie war gross – so gross, dass ich nie wieder ein Papier verwendet habe.</p>
<p>Mit <em>memoria</em> bezeichnet die klassische Rhetorik das Einprägen der Rede, nachdem die Gedanken in der <a href="http://verstaendlich.ch/2009/10/13/eine-rede-bauen-3-elocutio/" target="_blank">elocutio</a> ihre sprachliche Form gefunden haben. Natürlich könnte man darauf verzichten und einfach vorlesen, was man geschrieben hat.</p>
<p><em>Einfach?</em></p>
<p>Für die Zuhörer wäre dieser Weg alles andere als einfach, da sie voraussichtlich während der ganzen Rede gegen den Schlaf zu kämpfen haben. Doch nicht nur das: Wer seinen Redetext abliest, verpasst etwas. Wer abliest, muss seine erste Aufmerksamkeit seinem Skript und damit sich selbst widmen. Dabei schuldet der Redner seine Aufmerksamkeit dem Publikum. Nur dann ist Dialog möglich. (Ja, ich glaube an den Dialog im Monolog, auch in der ganz klassischen Redesituation, wenn einer spricht und die anderen zuhören.) Ich bin hier etwas radikal: Ablesen darf heute kein Thema mehr sein.</p>
<p><a href="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/memoria_web.jpg" target="_blank"><img style="border: 0pt none; display: block; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="memoria_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/memoria_web_thumb.jpg" border="0" alt="memoria_web" width="454" height="339" /></a></p>
<p><span id="more-801"></span>Deshalb braucht es die memoria. Und die ist wie der ganze Rest der systematischen Rhetorik rund 2500 Jahre alt. Damals kannte man noch kein Drag und Drop und keine Laserdrucker und war darauf angewiesen, frei reden zu können.</p>
<p>Und wie steht’s mit Stichwortzetteln? Je nach Redesituation sind sie durchaus eine Möglichkeit. Ich sehe sie aber eher als Schritt weg vom Skript hin zur freien Rede. Als Vorübung sozusagen.</p>
<p>Damit das nicht allzu elitär klingt, möchte ich hier klarstellen: Die freie Rede ist nicht eine Frage der speziellen Begabung, sondern der Technik. Auch das wussten bereits die ersten Rhetoriker, und von ihren Tricks können wir auch heute noch profitieren. Mittels der so genannten <em>Mnemotechnik</em> prägte man sich den Inhalt einer Rede in folgenden Schritten ein:</p>
<ol>
<li>Der Redner formt seine Gedanken in Bilder um. (Bilder kann man sich viel leichter einprägen als abstrakte Informationen.)</li>
<li>Er ordnet diese Bilder in einer Umgebung an, die der Reihenfolge der Punkte in der Rede entspricht. Das konnte zum Beispiel ein imaginäres Haus sein, in dem die verschiedenen Zimmer die Redeteile darstellten. In diesen Zimmern werden dann die verbildlichten Gedanken deponiert.</li>
<li>Während der Rede schreitet der Redner im Geist diese Struktur ab und spricht über die Dinge, die er innerlich vor sich sieht.</li>
</ol>
<p>Klingt irgendwie seltsam, ich weiss. Funktioniert aber sehr gut. Inzwischen gibt es viele Bücher, die uns helfen, diese alte Technik in unsere Zeit und auf unsere Redesituationen zu übertragen. Ich empfehle gerne Gregor Staubs <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3636070908?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3636070908" target="_blank">Mega Memory</a> als Einführung. Hier wird’s gleich von Anfang an praktisch und auch der bitterste Zweifler wird schnell überzeugt. Es muss allerdings nicht exakt diese Technik sein. Natürlich nicht. Es gibt viele Möglichkeiten, Informationen zu visualisieren und sie so der eigenen Erinnerung zugänglicher zu machen. Der Sondernutzen dieses Ansatzes: Dem Redner fällt es leichter, selbst bildhafter zu sprechen, und davon wiederum profitieren die Gehirne der Zuhörer, die sich den Inhalt so leichter einprägen (genau: wie <em>gravieren</em>) können.</p>
<p>Ich habe festgestellt, dass es mir in der Regel genügt, in der Vorbereitung (<a href="http://verstaendlich.ch/2009/09/04/eine-rede-bauen-1-inventio/" target="_blank">inventio</a>, <a href="http://verstaendlich.ch/2009/09/18/eine-rede-bauen-2-dispositio/" target="_blank">dispositio</a>, <a href="http://verstaendlich.ch/2009/10/13/eine-rede-bauen-3-elocutio/" target="_blank">elocutio</a>) sorgfältig und gründlich zu arbeiten, um eine optimale Grundlage für die freie Rede zu schaffen. Das Mindmap meiner Rede hat sich dann so gut innerlich verankert, dass ich es auch ohne Papier vor mir sehe. (Wie es mir bei meiner ersten frei gehaltenen Rede versehentlich passiert ist.) Eindeutig ist, dass es mit wachsender Übung immer leichter geht. Das Gehirn scheint sich daran zu gewöhnen und hat offenbar Spass an der Herausforderung. Und nochmals: Die Schlüssel heissen Technik und Übung. Das bestätigen auch Teilnehmer meiner Rhetorik-Kurse, die sich das freie Reden nicht zutrauten und dann feststellen, dass sie mit entsprechender Vorbereitung ohne Probleme 10 Minuten ihrem Konzept entlangsprechen können, ohne es in schriftlicher Form vor sich zu haben.</p>
<p>Die Mnemotechnik dient dem Einprägen. Doch was wird eingeprägt? Theoretisch wäre es möglich, auf diesem Weg eine Rede auswendigzulernen. Im Wortlaut. So habe ich das früher gemacht (allerdings ohne Hilfe der klassischen Rhetoriker), weil ich panische Angst vor dem Reden vor Publikum hatte und glaubte, so am sichersten zu fahren. Das ist natürlich Blödsinn. Und wer den Wortlaut auswendig lernt, läuft zudem Gefahr, nicht weniger langweilig zu sein als der, der abliest. Viel sinnvoller ist es, sich die Struktur der Rede einzuprägen, dazu gehören die einzelnen gedanklichen Bausteine und ihre Verknüpfungen. Letzteres ist ganz wichtig und in der elocutio unbedingt zu beachten. Ob Gedanke A den Gedanken B begründet oder umgekehrt, ist nicht egal! Und wenn ich vor den Leuten stehe und merke, dass mir das selbst nicht ganz klar ist, dann habe ich meine Aufgaben nicht gemacht.</p>
<p>Der grösste Vorzug der freien Rede ist in meinen Augen die Möglichkeit, ungehindert mit dem Publikum zu interagieren. Es gibt aber noch einen anderen Nutzen, der dafür spricht: Wer frei reden will, muss sich gründlich vorbereiten. Er muss sicherstellen, dass er den Überblick hat und ihn auch während der Rede behält. Auf dem Fundament dieser Sicherheit ist dann Bewegung möglich – in Interaktion mit dem Publikum zum Beispiel. Wer den Überblick hat, kann umbauen, Dinge weglassen oder einfügen. Das macht Spass und hält Rede, Redner und Publikum lebendig. Die gründliche Vorbereitung hilft auch, früh genug Löcher in der Gedanken- oder Argumentationskette aufzuspüren und zu stopfen.</p>
<p>Es lebe die Freiheit!</p>
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