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	<title>verständlich&#187; Stilfiguren</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Eine Rede bauen 3: elocutio</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 12:28:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Elocutio]]></category>
		<category><![CDATA[Klimax]]></category>
		<category><![CDATA[Produktionsstadien]]></category>
		<category><![CDATA[Stilfiguren]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Redner her betrachtet ist nach Schritt 2 (dispositio) der schwerste Teil der Arbeit geschafft. Von aussen gesehen sieht es anders aus: Jetzt (erst) kommt das Wesentliche, wenn die geplanten Gedanken Gestalt annehmen – in der Form von Wörtern, Sätzen, Abschnitten. Und natürlich ist das wesentlich, auch wenn es &#8220;nur noch&#8221; darum geht, dem ausgelegten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Redner her betrachtet ist nach Schritt 2 (<a href="http://verstaendlich.ch/2009/09/18/eine-rede-bauen-2-dispositio/" target="_blank">dispositio</a>) der schwerste Teil der Arbeit geschafft. Von aussen gesehen sieht es anders aus: Jetzt (erst) kommt das Wesentliche, wenn die geplanten Gedanken Gestalt annehmen – in der Form von Wörtern, Sätzen, Abschnitten. Und natürlich ist das wesentlich, auch wenn es &#8220;nur noch&#8221; darum geht, dem ausgelegten roten Faden entlangzuformulieren. Letztlich entscheidet die Sprache, die wir wählen, zu einem grossen Teil darüber, ob die Botschaft gehört wird oder nicht.</p>
<p><img style="border: 0px none; display: block; float: none; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="elocutio_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/uploads/elocutio_web_thumb.jpg" border="0" alt="elocutio_web" width="454" height="342" /></p>
<h2>Was muss passen?</h2>
<p>4 Qualitätsmerkmale der klassischen Rhetorik helfen, diesen Arbeitsschritt zu gestalten:</p>
<ul>
<li>Die Sprache soll korrekt sein.</li>
<li>Sie soll klar sein.</li>
<li>Sie soll angemessen sein.</li>
<li>Sie soll durch Stilmittel gestaltet werden.</li>
</ul>
<p><span id="more-780"></span></p>
<p>Dass die Sprache korrekt sein sollte, versteht sich von selbst, schliesslich geht es darum, verstanden zu werden. Die Klarheit ist schon etwas schwieriger fassbar. In der Vorbereitung kann ich das überprüfen, indem ich mich in meine Zuhörer versetze und die Frage stelle, ob meine Ausführungen aus ihrer Sicht verständlich und nachvollziehbar sind. Angemessen muss die Sprache in verschiedener Hinsicht sein. Hier spielt das Thema eine Rolle, der Rahmen (Anlass und Publikum) und schliesslich: der Redner. Drücke ich mich in einer Sprache aus, die mir entspricht? Oder baue ich eine sprachliche Fassade auf? Diese Fragen können unbequem werden, wenn die Antworten in verschiedene Richtungen ziehen. Da gilt es ehrlich zu bleiben, mit sich selbst wie mit dem Publikum.</p>
<p>Konzentrierten möchte ich mich heute auf den letzten Punkt: die Gestaltung der Sprache durch Stilmittel. Und gemeint ist tatsächlich <em>Gestaltung</em> – und nicht Verunstaltung oder Verfremdung. Keinesfalls geht es darum, die eigene Ausdrucksweise zu verkünsteln und in etwas Unnatürliches zu verformen. Das würde dem rhetorischen Ideal der Angemessenheit widersprechen.</p>
<p>Doch worum geht es dann?</p>
<h2>Stil mit Wirkung – Wirkung mit Stil</h2>
<p>Die rhetorischen Stilmittel werden mit verschiedenen Absichten eingesetzt. Zwei wichtige sind die Verstärkung einer Aussage und die Führung der Argumentation. (Beispiele folgen weiter unten.) Und schliesslich: Einprägsame Formulierungen prägen sich einfach leichter ein. Und ich will bei meinem Publikum ja etwas hinterlassen. Wie aber wird eine Formulierung zu einer einprägsamen Formulierung? Genau hier setzen viele der rhetorischen Stilmittel an.</p>
<p>Glücklicherweise ordnet die systematische Rhetorik die umfangreiche Masse von Stilfiguren nach ihrer Wirkungsweise. Das hilft beim Suchen und Finden. (Die Darstellung von Clemens Ottmers in seinem <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3476122832?ie=UTF8&amp;tag=textmitprof-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3476122832" target="_blank">Grundlagenbuch</a> finde ich besonders hilfreich. Wissenschaftlich fundiert und praxisbezogen.) Und wenn man nicht sucht, kann ein Blick in die grosse Palette Ideen erzeugen, die bei der Weiterentwicklung der rhetorischen Fähigkeiten helfen. Wer sich darauf einlässt, wird zudem feststellen: He, das mache ich ja schon. Diese Figur wende ich schon lange an. (Dass verschiedene Rhetorische Figuren fester Bestandteil unserer Umgangssprache sind, habe ich <a href="http://verstaendlich.ch/2008/12/31/die-synekdoche-zndet-den-baum-an/" target="_blank">hier</a> bereits erwähnt.)</p>
<p>Nun aber einige Beispiele für die Anwendung dieser Stilmittel:</p>
<p>Wenn Bundesrat Couchepin vom KZ-Arzt Mengele sprechen will und dabei &#8220;versehentlich&#8221; <a href="http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/moergele_statt_mengele_1.666696.html" target="_blank">&#8220;Mörgele&#8221; statt &#8220;Mengele&#8221;</a> sagt, dann hat er zwei Begriffe vertauscht, die eine klangliche Ähnlichkeit haben und somit eine rhetorische Stilfigur eingesetzt. Mit einem klaren Ziel, versteht sich. (Dieses Beispiel illustriert auch: Rhetorische Stillehre ist keine hohe Wissenschaft. Berührungsängste sind daher fehl am Platz.)</p>
<p>In einem frühen <a href="http://verstaendlich.ch/2008/07/25/anaphern-an-der-siegessule/" target="_blank">Post</a> habe ich auf die Anapher hingewiesen, die Obama in seiner Rede bei der Berliner Siegessäule wirkungsvoll einsetzte. Eine Anapher liegt dann vor, wenn mehrere aufeinander folgende Sätze oder Teilsätze mit demselben Wort oder denselben Wörtern beginnen. Auf diese Weise kann eine Formulierung (und damit ein Gedanke) fest in den Zuhörern verschraubt werden. Ein bekanntes Beispiel sind die Seligpreisungen aus dem Matthäusevangelium (Kapitel 5), bei denen jeder Satz mit „Selig sind“ beginnt. Wenn die Menschen nach der langen Predigt nur noch eines wussten, dann war es sicher, dass auch sie sich aus gutem Grund selig nennen konnten.</p>
<p>Zurück zum schon öfter als Beispiel angeführten Streit um den neuen Kinderspielplatz im Quartier. Nachvollziehbar ist der Gedanke, dass die Kinder eher auf der Strasse spielen, wenn ihnen weiterhin kein Spielplatz zur Verfügung steht und dass dadurch die Gefahr von Verkehrsunfällen steigt. (Die Entscheidung für diese Argumentation habe ich bereits in der <a href="http://verstaendlich.ch/2009/09/04/eine-rede-bauen-1-inventio/" target="_blank">inventio</a> gefällt.) Nun bleibt aber noch die Frage, wie ich dieses Argument formulieren will, damit es auch möglichst kräftig einschlägt. Zum Beispiel so:</p>
<blockquote><p>“Kein Spielplatz” bedeutet mehr Kinder auf der Strasse, mehr Kinder auf der Strasse bedeutet mehr gefährliche Situationen im Verkehr und mehr gefährliche Situationen im Verkehr bedeutet mehr Unfälle.</p></blockquote>
<p>Diese – Klimax genannte – Stilfigur spitzt die Gedankenfolge so stark zu, dass die Zusammenhänge entwaffnend logisch klingen. (Was sie in diesem Fall wohl auch sind, das ist aber nicht immer so.) Dabei werden jeweils zwei Elemente verknüpft, wobei das zweite Element dann als erstes des folgenden Paares wiederholt wird.<br />
Natürlich könnte die Gegenseite die gleiche Strategie verfolgen:</p>
<blockquote><p>Ein Spielplatz im Quartier bedeutet mehr Kinder um unsere Häuser herum, mehr Kinder um unsere Häuser bedeutet mehr Lärm, mehr Lärm bedeutet weniger Wohnqualität.</p></blockquote>
<p>Wenn ich nun in der Vorbereitung bereits über mögliche Argumente der Gegenseite nachdenke und diese in meine Ausführungen integriere, dann kann ich das zum Beispiel in Form einer so genannten permissio machen, einer &#8220;Einräumung&#8221;.</p>
<blockquote><p>Natürlich ist auch mir bewusst, dass der fröhliche Betrieb auf einem Spielplatz nicht geräuschlos läuft, jedoch . . .</p></blockquote>
<p>Und dann hole ich zum nächsten Argument aus – und habe damit bereits einen Pfeil im Köcher des Gegners zerbrochen.</p>
<p>Diese Beispiele bedeuten nicht mehr als einen kleine Einblick in eine grosse, bunte Welt. Auch das Stellen einer rhetorischen Frage ist ein Stilmittel, ebenso wie der Einsatz von Ironie oder Sarkasmus. Und auch die exsecratio, die Verwünschung oder Verfluchung des Gegners, gehört in den Katalog – obwohl sie sich heute leider nur noch begrenzter Verbreitung erfreut. (Couchepin war mit dem Mörgele-Spruch aber immerhin nahe dran.)</p>
<h2>Zum Redetext</h2>
<p>Und wie werden die Bausteine nun zu einem fortlaufenden Redetext? Das Vorgehen hängt natürlich von den persönlichen Vorlieben ab. Man kann einfach losschreiben oder einfach losreden. Ich bevorzuge letzteres. Anhand meiner Disposition (in form eines Mindmaps) beginne ich einfach zu reden (alleine!), halte inne, wenn mir etwas gefällt oder ein Loch in der Gedankenfolge mich angähnt, notiere die eine oder andere Formulierung, präzisiere die Übersicht, indem ich zum Beispiel den Zusammenhang zwischen zwei Elementen verdeutliche, rede weiter, trinke einen Schluck Kaffee und rede weiter, bis ich am Schluss bin. Solche Durchgänge wiederhole ich mehrere Male, bis alles passt. Da Anfang und Ende entscheidende Phasen einer Rede sind, formuliere ich diese jeweils schriftlich, nachdem ich im freien Sprechen den passenden Wortlaut gefunden habe.</p>
<p>Ob man die Wörter schreibend oder redend findet, ist eigentlich egal. Wichtig ist für den Schreibenden jedoch, dass er sich vor Augen hält: Was ich schreibe, werde ich <em>sprechen</em>. Der Text wird nicht <em>gelesen</em>. Deshalb muss auch der Schreiber sich hin und wieder erheben und laut in den Raum lesen, was er formuliert hat. Nur so kann er sicher sein, den richtigen Ton getroffen zu haben. (Von der Satzlänge ganz zu schweigen.) Und ich kann es mir nicht verkneifen, doch noch auf einen Nachteil des Schreibens hinzuweisen: Wer die Formulierung seiner Rede schreibend vornimmt, wird später grösseren Aufwand betreiben müssen, um sich für die Ausführung vom Manuskript zu lösen. Und wer will eine Rede schon vorlesen? – Na gut, einige Pragmatiker möchten hier vielleicht mit Ja antworten. Wer aber will eine Rede vorgelesen bekommen? – Keiner!</p>
<p>Um die Alternative geht es im nächsten Schritt, der memoria.</p>
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Wenn die Menschen nach der langen Predigt nur noch eines wussten, dann war es sicher, dass auch sie sich aus gutem Grund selig nennen konnten.</span></div>
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		<title>Die Synekdoche z&#252;ndet den Baum an!</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2008 10:06:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Stilfiguren]]></category>
		<category><![CDATA[Synekdoche]]></category>

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		<description><![CDATA[“Lasst uns den Baum anzünden!” – Das hört man in der Weihnachtszeit oft, und in der Regel lässt eine Antwort nicht lange auf sich warten. Dann heisst es ungefähr: “Doch lieber nur die Kerzen.” Am Anfang war das auch noch lustig und originell, aber jährliche Wiederholungen fördern die Kraft von Witzen nicht – auch nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>“Lasst uns den Baum anzünden!” – Das hört man in der Weihnachtszeit oft, und in der Regel lässt eine Antwort nicht lange auf sich warten. Dann heisst es ungefähr: “Doch lieber nur die Kerzen.” Am Anfang war das auch noch lustig und originell, aber jährliche Wiederholungen fördern die Kraft von Witzen nicht – auch nicht in den traditionsgeprägten Festtagen. Doch immerhin gibt dieser Spruch ein willkommenes Sprungbrett ab, um kurz über  eine verbreitete sprachliche Erscheinung nachzudenken, die schon längst den Weg aus der Rhetorik in unseren Alltag gefunden hat: die Synekdoche. (Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe: Syn<span style="text-decoration: underline;">e</span>kdoche.)</p>
<p>Hinter diesem klangvollen Wort (ich würde mir ernsthaft überlegen, meine dritte Tochter so zu nennen) verbirgt sich eine der so genannten rhetorischen “Stilfiguren”, mit deren Hilfe ein Text kunstvoll gestaltet werden kann. Vor allem sollen sie ihn schöner und überzeugender machen. Die Synekdoche tut das, indem sie einen Begriff mit einem anderen ersetzt. Natürlich nicht mit einem beliebigen, das würde das Verständnis doch erheblich erschweren. Die Synekdoche sucht sich als Ersatz einen Begriff, der in einer direkten Beziehung mit dem zu ersetzenden Ausdruck steht. So kann das aussehen:</p>
<ol>
<li>Teil und Ganzes werden vertauscht. Zum Beispiel hat man gerne “ein Dach über dem Kopf”, meint damit aber ein ganzes Haus rundherum. Oder man “zündet den Christbaum an”, sagt das jedenfalls, meint aber nur einen Teil davon, nämlich die Kerzen.</li>
<li>Allgemeines und Spezielles werden vertauscht. Zum Beispiel steht die Gattung für die Art: “Kaum im Zoo angekommen, machten wir uns auf die Suche nach den Löwen. Doch so sehr wir uns auch bemühten, die Katzen blieben unauffindbar.” (Hier wird der allgemeinere Begriff <em>Katze</em> für die spezielle Art <em>Löwe</em> verwendet.) Das Spezielle steht für das Allgemeine in: “Unser tägliches Brot gib uns heute.” Wir wollen ja mehr essen als immer nur Brot.</li>
<li>Das Nachfolgende und das Vorausgehende werden vertauscht. So kann der Rohstoff für das Endprodukt stehen, zum Beispiel <em>Traubensaft </em>für <em>Wein</em>.</li>
<li>Einzahl und Mehrzahl werden vertauscht. “Der Schweizer isst gerne Schokolade.” Wenn die Mehrzahl für die Einzahl steht, hat man es meist mit einem König oder Diktator zu tun: &#8220;Wir befehlen eine landesweite Suche nach dem besten Mann für unsere Prinzessin!&#8221;</li>
</ol>
<p>Es ist leicht zu erkennen: Die Synekdoche ist fester Bestandteil unserer Alltagssprache, vor allem in den Varianten 1 und 2. Das zeigt sich nicht nur beim Christbaumanzünden. Ja, wer darauf mit “doch lieber nur die Kerzen!” reagiert, müsste bei “ein Glas trinken“ ebenfalls witzig werden.</p>
<p>Übrigens: Die Feuerwehr warnt nachdrücklich davor, die Christbaumkerzen am inzwischen trockenen Baum zu Silvester nochmals anzuzünden. Ansonsten könnte passieren, wovon wir immer wieder reden: Der Baum brennt.</p>
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		<title>Anaphern an der Siegessäule</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Jul 2008 13:43:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rhetorik]]></category>
		<category><![CDATA[Stilfiguren]]></category>
		<category><![CDATA[Anapher]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Symploke]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern hat Barack Obama, designierter amerikanischer Präsidentschaftskandidat der Demokraten, in Berlin eine Rede gehalten. Ans Brandenburger Tor, wohin er eigentlich wollte, liessen sie ihn nicht. Aber immerhin an die Siegessäule. Ich will die Rede hier nicht umfassend analysieren, sondern erlaube mir einige Zeilen zu einem Baustein dieses Auftritts, den ich für erwähnenswert halte. Obama sparte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern hat Barack Obama, designierter amerikanischer Präsidentschaftskandidat der Demokraten, in Berlin eine Rede gehalten. Ans Brandenburger Tor, wohin er eigentlich wollte, liessen sie ihn nicht. Aber immerhin an die Siegessäule.</p>
<p align="center"><img style="border-right: 0px; border-top: 0px; border-left: 0px; border-bottom: 0px" title="2008-07-24-crowds" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/20080724crowds1.jpg" border="0" alt="2008-07-24-crowds" width="399" height="257" /></p>
<p>Ich will die Rede hier nicht umfassend analysieren, sondern erlaube mir einige Zeilen zu einem Baustein dieses Auftritts, den ich für erwähnenswert halte. Obama sparte nicht an rhetorischen Kunstgriffen und setzte vor allem die Anapher grosszügig ein. Bei dieser rhetorischen Figur werden mehrere aufeinander folgende Sätze oder kurze Abschnitte mit den gleichen Wörtern eröffnet. (Bekanntes Beispiel: Martin Luther Kings &#8220;I have a dream&#8221;.) Das &#8220;hörte&#8221; sich so an (Video <a href="http://www.youtube.com/watch?v=WD_06k32-BM" target="_blank">hier</a> &#8211; ab 4:55):</p>
<blockquote><p><strong></strong><span style="text-decoration: underline;">People of the world &#8211; look at Berlin</span>!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Look at Berlin</span>, where Germans and Americans learned to work together and trust each other less than three years after facing each other on the field of battle.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Look at Berlin</span>, where the determination of a people met the generosity of the Marshall Plan and created a German miracle; where a victory over tyranny gave rise to NATO, the greatest alliance ever formed to defend our common security.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Look at Berlin</span>, where the bullet holes in the buildings and the somber stones and pillars near the Brandenburg Gate insist that we never forget our common humanity.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">People of the world &#8211; look at Berlin</span>, where a wall came down, a continent came together, and history proved that there is no challenge too great for a world that stands as one.</p></blockquote>
<p>Die Anapher lässt sich noch steigern: Wenn nicht nur der Satzanfang, sondern auch das Satzende wiederholt wird, nennt man das Symploke. Es überrascht ja kaum, dass Obama das Bild der Berliner Mauer einsetzte, um von anderen &#8211; unsichtbaren &#8211; Mauern zu sprechen, die ebenso niedergerissen werden müssen. Durch den starken Wiederholungseffekt konnte er das wenig überraschende Bild dennoch als kraftvolles Element seiner Rede einsetzen.</p>
<blockquote><p>That is why the greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">The walls between</span> old allies on either side of the Atlantic <span style="text-decoration: underline;">cannot stand</span>. <span style="text-decoration: underline;">The walls between</span> the countries with the most and those with the least <span style="text-decoration: underline;">cannot stand</span>. <span style="text-decoration: underline;">The walls between</span> races and tribes; natives and immigrants; Christian and Muslim and Jew <span style="text-decoration: underline;">cannot stand</span>. These now are the walls we must tear down.</p></blockquote>
<p>Mit seinen Wiederholungen hämmert Obama auf diese starken Mauern ein &#8211; bis sie schliesslich niedergerissen werden. Das Publikum muss das so oder ähnlich empfunden haben, wie seine starke Reaktion zeigt &#8211; <a href="http://www.youtube.com/watch?v=FB88vWN01eo" target="_blank">hier</a> (ab 2:25).</p>
<p>Wer heute eine Rede vorbereitet, überlegt sich nur selten, ob eine Anapher (oder gar eine Symploke) ein angemessenes Mittel zum Unterstreichen seines Anliegens sein könnte. Die so genannten rhetorischen Figuren gelten heute als gekünstelt und abgehoben. Doch diese Werkzeuge haben auch 2500 Jahre nach ihrer Erfindung nichts von ihrer Kraft verloren. Beispiele wie die Rede von Obama belegen das.</p>
<p>Wie man eine solche Behauptung überprüft? &#8211; Indem man zuhört und beobachtet (vor allem sich selbst).</p>
<p>(Das Transkript der ganzen Rede ist <a href="http://www.huffingtonpost.com/2008/07/24/obama-in-berlin-video-of_n_114771.html" target="_blank">hier</a> zu finden.)</p>
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