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	<title>verständlich&#187; Zusammensetzung</title>
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	<description>[mit] Sprache gestalten</description>
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		<title>Das Gegenteil ist dasselbe.</title>
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		<pubDate>Sat, 11 Jul 2009 05:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensgefahr]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammensetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich konnte ich wieder einmal über die Flexibilität der deutschen Sprache staunen. Das hat mich gefreut, und Freude teilt man gerne. Ich stand im Gang eines doppelstöckigen Intercityzuges und las, was es zu lesen gab: die Schilder an den Wänden. Dazu gehörte auch dieses: Neben der erfrischend bunt zusammengewürfelten Piktogrammsprache fiel mir der unterste Abschnitt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neulich konnte ich wieder einmal über die Flexibilität der deutschen Sprache staunen. Das hat mich gefreut, und Freude teilt man gerne. Ich stand im Gang eines doppelstöckigen Intercityzuges und las, was es zu lesen gab: die Schilder an den Wänden. Dazu gehörte auch dieses:</p>
<p><img style="border: 0px none; display: block; float: none; margin-left: auto; width: 436px; margin-right: auto;" title="lebensgefahr_web" src="http://verstaendlich.ch/wordpress/wp-content/lebensgefahr_web_thumb.jpg" border="0" alt="lebensgefahr_web" width="454" height="342" /></p>
<p>Neben der erfrischend bunt zusammengewürfelten Piktogrammsprache fiel mir der unterste Abschnitt auf und daran die konzentrierte Warnung am Zeilenende in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch (es lebe die Vielsprachigkeit!):</p>
<blockquote><p>Lebensgefahr<br />
Danger de mort<br />
Pericolo di morte<br />
Risk of death</p></blockquote>
<p>Alle reden vom Tod, nur das Deutsche nicht. Das ist doch bemerkenswert. Da ich sprachlich nur unwesentlich weiter versiert bin als dieses Schild, kann ich hier einzig noch die griechische Variante anfügen: κίνδυνος θανάτου! (kindynos thanatοu!) – und auch die spricht vom Tod. Ganz schön bedrückend. Und im Gegensatz dazu belebend, wie frech die deutsche Sprache aus der Reihe tanzt. Dabei – und jetzt kommt der Clou – könnte man hier ja genauso gut <em>Todesgefahr </em>schreiben. Das würde auch funktionieren. <em>Lebensgefahr</em> und <em>Todesgefahr</em> bedeuten dasselbe. (Wenn Sprache Mathematik wäre, könnte man jetzt auf beiden Seiten <em>Gefahr</em> abziehen und hätte dann die paradoxe Gleichung <em>Leben = Tod</em>. Eine verführerische Gedankenspielerei.) Möglich ist so etwas, weil zusammengesetzte Wörter im Deutschen nicht immer nach dem gleichen Muster gestrickt werden. (Darüber habe ich <a href="http://verstaendlich.ch/2009/04/29/zusammensetzungen-hartgummi-oder-kinder/" target="_blank">hier</a> schon einmal geschrieben.) So bezeichnet der erste Teil der <em>Lebensgefahr</em> das gefährdete Objekt, während die <em>Todesgefahr</em> das Resultat vor Augen führt.</p>
<p>Bleibt die Frage, was denn nun angemessener ist. Und da muss ich zugeben, dass mir die eigenwillige deutsche Linie nur als zweitbeste Variante erscheint. Für diese Beurteilung ist der Kontext entscheidend, denn hier geht es ja nicht um eine Beschreibung, sondern um eine Warnung. Eine Warnung muss wirken. Und wirken wird sie wohl dann, wenn sie Emotionen erzeugt – und zwar ungute. <em>Todesgefahr</em> scheint mir schneller und direkter ein abschreckendes Bild vor Augen zu malen als <em>Lebensgefahr</em>. So empfinde ich das jedenfalls.</p>
<p>Wie sieht es in anderen Sprachen aus? Ich bitte meine fremdsprachenbegnadeten Leser, in den Kommentaren Varianten zu ergänzen. Es wäre doch interessant zu sehen, wie einsam das Deutsche mit seiner <em>Lebensgefahr</em> in der europäischen und globalen Sprachlandschaft tatsächlich dasteht.</p>
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		<title>Zusammensetzungen: Hartgummi oder Kinder?</title>
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		<pubDate>Wed, 29 Apr 2009 08:37:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Cla Gleiser</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wörter]]></category>
		<category><![CDATA[Kompositum]]></category>
		<category><![CDATA[Zusammensetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schweiz ist im Eishockeyfieber, ein bisschen jedenfalls. In unseren Stadien läuft die Weltmeisterschaft, und die Neue Zürcher Zeitung bietet nun täglich mehr oder weniger interessante Hintergrundinformationen zu diesem Sport, der meiner Meinung nach nicht so richtig zum gerade angebrochenen Frühling passen will. In der heutigen Ausgabe geht es um den Puck. Seine Entwicklung wird [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schweiz ist im Eishockeyfieber, ein bisschen jedenfalls. In unseren Stadien läuft die Weltmeisterschaft, und die <a href="http://www.nzz.ch" target="_blank">Neue Zürcher Zeitung</a> bietet nun täglich mehr oder weniger interessante Hintergrundinformationen zu diesem Sport, der meiner Meinung nach nicht so richtig zum gerade angebrochenen Frühling passen will. In der heutigen Ausgabe geht es um den Puck. Seine Entwicklung wird an einer Reihe verschiedener Modelle gezeigt:</p>
<blockquote><p>Holzpuck – Lederpuck – Hartgummipuck – Kinderpuck</p></blockquote>
<p><em>Kinderpuck?</em> Der will nicht so recht in die Reihe passen. Meinem Empfinden nach erzeugt er kombiniert mit <em>Lederpuck</em> sogar sehr ungute Gefühle. Der Grund ist schnell erkannt: In den ersten drei Varianten bezeichnet der erste Teil des Wortes das Material, beim Kinderpuck aber die beabsichtigten Verwender. So ist das mit so genannten “Komposita”, also Wörtern, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt werden: Sie funktionieren unterschiedlich, wobei immer das erste Glied der Verbindung für diese Nuancen verantwortlich ist. Das zweite Glied (auch “Grundwort” genannt) bezeichnet zuverlässig, worum es eigentlich geht. In unserem Fall also um einen Puck. Der Puck-Artikel in der NZZ bietet eine weitere Variante und erwähnt den 1886 eingeführten <em>Achtkantpuck</em>. Hier bezeichnet das erste Glied weder Material noch Zielgruppe, sondern die Form.</p>
<p>Die innige Beziehung, die zwei Wörter eingehen, um ein neues Wort zu bilden, kann also sehr unterschiedliche Gründe haben. Immer jedoch dient das erste Wort dem zweiten als Ergänzung oder Präzisierung: Es kann das verwendete Material bezeichnen (<em>Hartgummipuck</em> oder <em>Strohdach</em> – nicht aber <em>Flachdach </em>oder <em>Kaffeekanne</em>), die Zielgruppe (<em>Kinderpuck</em> oder <em>Hundehütte</em> – nicht aber <em>Holzhütte</em> oder <em>Hundedreck</em>), die Form (<em>Achtkantpuck</em> oder <em>Kreissäge</em> – nicht aber <em>Stichsäge</em> oder <em>Küchenmesser</em>), den Zweck (<em>Teetasse</em> oder <em>Fleischmesser </em>– nicht aber <em>Springmesser </em>oder <em>Holzhammer</em>).</p>
<p>Die Reihe liesse sich noch lange fortsetzen. Zu bedenken wären beispielsweise: Taschenmesser, Küchenmesser, Handtasche, Streitlust, Heimweh, Abschlusszeugnis, Autoreifen, Bildungsreform …</p>
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