verständlich

Bild. Sprache.

  • Illustration
  • Erklärvideos
  • #Pflegestolz
  • Pflege ist …
  • Skizzenbuch
  • Arbeiten
    • Pflegeinitiative
    • Selbstverzwergung der Pflege
    • Globis Wimmelrätselbuch
  • Meine Kunden
  • ich
  • Blog
  • Pflegestolz-Shop

Satzbau: zusammen statt entzweit

11. Januar 2013 by Cla Gleiser 2 Kommentare

Deutsch ist eine schwierige Sprache. Nicht nur für Menschen, die es als Fremdsprache lernen müssen, sondern auch für uns Muttersprachler (sofern man Schweizer überhaupt zu diesen zählen darf, darüber wird gestritten, aber nicht hier und heute).

Anstelle verschachtelter Satzkonstruktionen lieber alles schön der Reihe nach.

Zum Missgriff verführt

Deutsch ist unter anderem auch deshalb schwierig, weil es uns zu Unarten verführt, die wir eigentlich vermeiden sollten. Es ist wie beim Bäcker, wenn ich ein Vollkornbrot kaufen möchte und mich dafür vor den Crèmeschnitten anstellen muss.

Welche Unarten sind das? Zum Beispiel endlos scheinende Aneinanderreihungen von Substantiven (Hauptwörtern), die unsere Alltagssprache zum aufgeblähten Behördenjargon machen. (Doch auch darum geht es heute nicht.) Oder dann die „Möglichkeit“, zusammengehörende Satzbauteile auseinanderzureissen und damit das Lesen oder Zuhören zur Tortur zu machen.

Darum geht es heute.

Kaum verheiratet – schon entzweit

Vor zwei Wochen erschien in der NZZ am Sonntag ein Quiz über banale Ereignisse des letzten Jahres. Die erste Frage:

Wo haben sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Ärztin Priscilla Chan, die im Mai, einen Tag nach dem Börsengang des sozialen Netzwerks, geheiratet haben, kennengelernt?

Furchtbar! Diese an sich simple Frage ist satzbauerisch (oder auch „syntaktisch“) schrecklich umständlich aufgegleist. Wir haben einen Hauptsatz:

A: Wo haben sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Ärztin Priscilla Chan kennengelernt?

Dann gehört noch ein Relativsatz dazu, der sich auf die beiden Hauptpersonen bezieht:

B: die im Mai geheiratet haben

Und schliesslich ist da noch die eingeschobene Ergänzung zum Zeitpunkt:

C: einen Tag nach dem Börsengang des sozialen Netzwerks

Nun kann man das alles ja interessant finden, aber müssen die Informationen so serviert werden, dass eine der anderen ins Wort fällt? C unterbricht B, B und C unterbrechen mit vereinten Kräften A. Das Ergebnis: der Leser muss bis zum letzten Wort warten, um den Inhalt der Frage zu verstehen.

So sieht das schematisch aus:

A Teil 1 – B Teil 1 – C – B Teil 2 – A Teil 2

Warum steht da nicht einfach:

Wo haben sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und die Ärztin Priscilla Chan kennengelernt, die im Mai geheiratet haben, einen Tag nach dem Börsengang des sozialen Netzwerks?

Das wäre dann:

A – B – C

Welche Wohltat, alles ist auf Anhieb verständlich, weil’s der Reihe nach kommt. Dabei gestehe ich gerne ein, dass C auch auf der eingeschobenen Position verharren dürfte, das wäre nicht so dramatisch. Aber „kennengelernt“ ans Ende des Satzes zu verbannen, halte ich für einen stilistischen Missgriff.

Der zerrissene deutsche Satzbau

Doch das Deutsche legt solche zerrissenen Satzkonstruktionen nahe. Das hängt wohl damit zusammen, dass ein Objekt und allfällige Ergänzungen zum Verb zwischen Verb und Hilfsverb stehen müssen. Wir sind gezwungen zu schreiben:

Ich habe den Schlüssel daheim vergessen.

In den meisten normalen Sprachen würde es heissen:

Ich habe vergessen den Schlüssel daheim.

Alle Sinneinheiten schön portioniert. Das geht auf Deutsch nicht. Und möglicherweise sind wir darum etwas beschädigt und verschachteln Sätze lieber, als dass wir sie aneinanderreihen würden – auch dann, wenn dies möglich wäre.

Erheben wir uns also gegen das Diktat zerrissener Sätze und Nebensätze! Es geht auch anders.

Die Antwort(en) übrigens

a) Im Internet
b) In einem Computerkurs
c) In der Warteschlange vor dem WC an einer College-Party

Ähnliche Beiträge

Kategorie: Allgemein Stichworte: Satzbau, stilsicher, Verschachtelungen

Kommentare

  1. Sebastian meint

    12. März 2013 um 12:35

    Der stilistische Missgriff ist doch wohl Ihr Vorschlag A-B-C. Sprechen Sie den Satz mal aus, dann merken Sie, dass so nur Kinder und Teenager in Trams reden. Was nämlich in Ihrer Variante fehlt, ist der korrekte Bezug des Einschubs zum Subjekt.

    Ich gebe Ihnen bei der Ausgangsposition völlig recht: „Verschwurbelt“ und ausserdem mit sinnlosen Randinformationen falsch gespickt ist die Frage der NZZ. Das Problem tritt aber meiner Meinung nach auf weil ein zweiter Einschub für „Facebook-Gründer“ gebraucht wird. Hier wird fehlerhaft ein Substantiv (auch noch mit Bindestrich!) adjektivisch verwendet. Ein Schelm wer Böses dabei denkt – dürfte man doch Einschübe auf Adjektive im Deutschen nicht machen, sonst wären es ja keine Adjektive… So kommt der ganze Blödsinn in den „Print“. Allerdings ist die NZZ auch bekannt für solche Stilblüten, man lese nur die Sportberichte.

    Ich, dagegen, bin für lange Sätze. Ich behaupte sogar weiter, die Nutzung langer (korrekter) Sätze drücke eine intellektuelle Kapazität aus eine Sache zuende zu denken, bevor man sie vollständig benannt hat und zwar bei Sprecher und Zuhörer. Man könnnte auch salopp sagen: Erst gedacht, dann gesprochen. Was ja mal nichts verwerfliches ist. Die zunehmende Verkürzung und Trennung von Hauptsatz-Nebensatzkonstruktionen nervt. Lesen Sie mal die deutsche Bildzeitung. Oder hören Sie Fussballern, wie z.B. dem deutschen Nationalspieler Mesut Özil zu: „Also, ich hab Ecke gemacht, dann Kopfball, Tor. War klasse gemacht vom Miro“.

    Das ist zwar schön verständlich, aber bitte, wo bleibt da das Mindestmass an Sprachkultur?

    Antworten
    • Cla Gleiser meint

      14. März 2013 um 14:39

      Danke für den anregenden Kommentar, Sebastian.
      Allerdings weiss ich nicht recht, ob ich mich als Zuhörer tatsächlich dazu verleiten lassen möchte, die langen Sätze meines Gesprächspartners zu Ende zu denken, bevor er sie abgeschlossen hat. Da geht für mich ein elementarer Baustein gelungener Kommunikation verloren: hinhören, was der andere sagt.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Cla Gleiser | Schützenstrasse 7 | 8800 Thalwil | Schweiz | cg@verstaendlich.ch | +41 (0)43 536 70 28
Impressum | Datenschutz | Cookies

Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Präferenzen
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Optionen verwalten Dienste verwalten Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten Lese mehr über diese Zwecke
Ich wähle selber aus.
{title} {title} {title}
 

Kommentare werden geladen …