“Das Gehalt” oder “der Gehalt”?

Es ist wieder einmal Zeit für einen gehaltvollen Artikel.

Und damit bin ich schon mitten im Thema. Gehaltvoll bezeichnet ja etwas, das voll ist.

Doch voll wovon?

Voll von Gehalt.

Doch welche Art von Gehalt?

Es gibt davon zwei Sorten: das Gehalt und den Gehalt.

In der Coopzeitung stand letzte Woche über den mit Salz konservierten portugiesischen Stockfisch Bacalhau, dass er vor der Zubereitung gewässert werden müsse:

„Dabei gewinnt er in der Regel mehr als das Doppelte an Gewicht und verliert sein hohes Gehalt an Salz.“

Wenn das stimmt, dann wurde der Fisch bis zum Zeitpunkt seiner Wässerung mit Salz bezahlt. Das Gehalt bezeichnet nämlich nichts anderes als den Lohn.

Und daher passt es auch nicht so ganz zum Fisch, der natürlich nicht seinen Lohn verliert, sondern* das Salz, das in ihm steckt.

Der Gehalt trifft daher besser. Der Gehalt steht für das, was drin ist. Man kann also von „Salzgehalt“ sprechen oder vom „Eisengehalt im Blut“. Oder vom „Gehalt an gehaltvoller Kommunikation im Party-Smalltalk“.

Es ist auch dieser Gehalt, der in gehaltvoll steckt, denn genau das will gehaltvoll ja sagen: Es steckt etwas drin. Ein Gegenteil von gehaltvoll wäre daher etwa leer.

Wie leeres Geschwätz.

Das Eigenschaftswort gehaltvoll trägt zudem eine positive Bewertung des Inhalts in sich, auf den es sich bezieht. Ein gehaltvolles Gespräch ist nicht einfach ein Gespräch mit viel Inhalt, sondern eines mit viel gutem Inhalt.

Würde in gehaltvoll nicht der Gehalt sondern das Gehalt stecken, dann könnte ich allenfalls mein Konto Ende Monat so bezeichnen.

Sowohl der Gehalt wie auch das Gehalt lassen sich nun leider auch noch in die Mehrzahl setzen. Das ist natürlich nötig. Wie sonst sollten wir zum Beispiel über die Löhne auf den Chefetagen diskutieren? Dann sprechen wir von „den Gehältern“.

Geht es jedoch um den Inhalt (ober besser: um die Inhalte) also um die Mehrzahl von der Gehalt, dann heisst es „die Gehalte“.

Immerhin ähnlich wie Inhalte, so weit kommt uns die deutsche Sprache doch entgegen.

* Sondern ist eines meiner Lieblingswörter. Es ist nicht nur ein klarer Hinweis darauf, dass es jetzt spannend wird, weil ein Gegensatz kommt. Es trägt auch immer ein Komma mit sich herum. Ja, so einfach kann die deutsche Zeichensetzung sein: Vor sondern steht immer ein Komma.

Related Posts with Thumbnails

7 Responses to ““Das Gehalt” oder “der Gehalt”?”

Read below or add a comment...

  1. Oli Merz says:

    Schmunzel ;-) !

  2. Bernd says:

    Die wörtliche Übersetzung von Salär ist doch Salzgehalt, oder?

    • Cla Gleiser says:

      @Bernd. Da muss ich deiner Morphologie etwas auf die Sprünge helfen. -Är ist ja eine typische Adjektiv-Endung. Wie in ordinär oder temporär oder reaktionär. Salär bedeutet folglich “salzig”. In einem Kreis, in dem man auf eine gepflegte Ausdrucksweise achtet, könnte man sich also durchaus so ausdrücken: “Der Salat mit Pinienkernen ist mir heute etwas salär geraten.”

      • Cla Gleiser says:

        Na, das ist ja wohl voll daneben gegangen!
        Nicht nur, dass mein ironisch gemeinter Kommentar nicht als solcher zu erkennen war (wie dieser Verweis auf dem Blog “Tischgespräche” zeigt), ich hatte es auch komplett verpasst, Bernd zuzugestehen, dass er recht hat.
        Hier fand ich ein PDF, das mich schlauer machte und auf Mark Kurlanskys Buch “Salz: Der Stoff, der die Welt veränderte” verwies. Dort steht sinngemäss:

        Manchmal erhielten die Legionäre ihren Sold sogar in Form von Salz; von daher stammt deshalb auch unser Wort „Salär“, das heute Lohn od. Gehalt bedeutet, das sich aber sowohl als „Sold“ und auch als „Soldat“ tatsächlich vom Salz herleitet.

  3. Anna says:

    Cla Gleiser says:
    21. September 2011 um 07:51
    Na, das ist ja wohl voll daneben gegangen!
    Nicht nur, dass mein ironisch gemeinter Kommentar nicht als solcher zu erkennen war (wie dieser Verweis auf dem Blog “Tischgespräche” zeigt), ich hatte es auch komplett verpasst, Bernd zuzugestehen, dass er recht hat.

    Hallo,

    danke für einen tollen Artikel über Gehalte und Gehälter :)
    Verwendet man aber Verweis nicht mit auf + Akk.? Also Verweis auf den Blog.

    • Cla Gleiser says:

      Hi anna.fedosenko

      Danke für die Rückmeldung und das Danke. :-)

      Der Akkusativ wäre dann richtig, wenn es um das Ziel des Verweises gehen würde. Bei den “Tischgesprächen” bezog ich mich aber auf den Ort des Verweises. Das Ziel war ja dann mein eigener Artikel. Der Verweis war also auf “Tischgespräche” (Dativ) platziert, wies aber auf meinen Blog (Akkusativ) hin.

Trackbacks

  1. [...] in den Tischgesprächen erwähne, ist die (imho ziemlich originelle) Vermutung eines Lesers von verstaendlich.ch, dass die wörtliche Übersetzung von “Salär” ja wohl “Salzgehalt” sei. [...]



Hinterlassen Sie mir etwas...

*