Heissluftballon

Auch die klassische rhetorische Situation (einer redet, die anderen hören zu) kann der Redner als Dialog gestalten.Wenn ich alle Rhetorik einkochen müsste auf ein Wort, alles, was mir in Zusammenhang mit dem Reden vor Publikum, dem Vermitteln von Inhalten, dem Überzeugen und Gewinnen von Menschen wichtig ist, wenn ich nur noch ein Wort dazu sagen dürfte, dann wäre dieses Wort:

Dialog.

Rhetorisches Geschehen als Dialog zu gestalten ist mir wichtiger als die freie Rede und auch wichtiger als eine fulminante Redeeröffnung. Ich spreche in diesem Zusammenhang gerne von der Begegnung mit dem Publikum, die durch den Dialog gefördert oder sogar erst ermöglicht wird. Denn die Menschen im Publikum spüren, ob da einer einfach nur zu ihnen redet oder mit ihnen. Und unser Bedarf an Einbahnkommunikation aus Quellen, deren Interesse an uns gleich null ist, ist in der Regel gut gedeckt.

Die klassische Rhetorik trägt dieses Gen des Dialogs tief in sich. Das hat mit ihrer Entstehung zu tun. Clemens Ottmers spricht in seinem Standardwerk Rhetorik vom „übergeordneten demokratischen Prinzip“. Die klassische Rhetorik ist zusammen mit der Demokratie entstanden – oder vielleicht besser: als Teil von ihr. Und Demokratie bedeutet: miteinander. Und miteinander bedeutet: Dialog.

Dialog als partnerschaftliches Unternehmen

Wer sich rhetorisch betätigt (also redet), der tut etwas gemeinsam mit seinen Zuhörern. In einer solchen Situation bedeutet Dialog:

Die „Dialogbrille“ aufsetzen

Was bedeutet das für die Rednerin oder den Redner in der klassischen rhetorischen Situation (einer spricht, viele hören zu)?

Reden als Dialog zu gestalten bedeutet nicht zwingend, dass alle Anwesenden aktiv am Gespräch teilnehmen. Aber ein Redner, der bei Vorbereitung und Ausführung die „Dialogbrille“ trägt, wird sein Publikum partnerschaftlich und gewinnend mit auf einen gemeinsamen Weg nehmen können.

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