Apostroph: die Verunstaltung des Genitiv’s

Er verursacht mir Schmerzen, denn er ist nicht nur falsch, er sieht auch hässlich aus: der Apostroph beim Genitiv. Deshalb hier ganz knapp und klar:

Der deutsche Genitiv (Wesfall) steht ohne Apostroph.

Apostroph_web

Besonders grosszügig wird er dennoch hinter Eigennamen gesetzt. So ist dann von Natalie’s Freunden oder Stefan’s Geburtstag die Rede. Dann könnte man ja auch gleich Stefan’s birthday sagen, das versteht hier auch jeder und zudem wäre es richtig. Denn im Gegensatz zum Deutschen markiert das Englische den Genitiv tatsächlich mit einem Apostroph. Von dort haben wir ihn übernommen. Ein weiterer Anglizismus also, wenn auch einer der besonders nervenden Sorte.

Ich vermute ausserdem, dass sich hier einmal mehr die tief sitzende Überzeugung zeigt, dass beim Reden und Schreiben nicht weniger mehr ist, sondern mehr. Wenn ich mehr Zeichen verwende, sieht das nach mehr und wichtigerem Inhalt aus. Das können dann Apostrophe sein, aber auch Buchstaben und Silben oder Wörter. Thematik klingt besser als Thema. Und es  wirkt wissenschaftlicher, vom Auftreten von gesellschaftlichen Spannungen zu sprechen als einfach nur von gesellschaftlichen Spannungen. Dabei würde das völlig ausreichen, weil damit in der Regel bereits alles gesagt ist. Der Apostroph hat eine ähnliche Wirkung, weil er den Text etwas fremd erscheinen lässt, etwas gelehrter, etwas gescheiter. Schliesslich setzt nicht jeder einen Apostroph. (Gott sei Dank!)

Nachtrag: Da gibt es doch tatsächlich einen Blog, der sich nur mit Fällen von Apostrophmissbrauch befasst: www.apostropheabuse.com (englisch). Unterhaltsam – aber ich würde als Autor depressiv werden.

Noch ein Nachtrag: Da gibt es doch tatsächlich eine Seite, die dasselbe auf deutsch erledigt: apo’strophen-alarm.de. Sehr unterhaltsam – und mit einer umfangreichen Linkliste.

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4 Responses to “Apostroph: die Verunstaltung des Genitiv’s”

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  1. Mike says:

    Ich gestehe, ich falle auch immer wieder in Sünde…

  2. Cla Gleiser says:

    Du heisst ja auch “Mike”, da darf man das… ;-)

  3. rahel says:

    zum glück känn ich de bastian sick und de werner heuer! ;-)

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